10 Jahre De:Bug: 10 elementare Bücher
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 115


Douglas Coupland
jPod
Bloomsbury, 2006

Zwei Jahre vor De:Bug-Gründung schrieb der Generation-Xer Douglas Coupland “Microserfs”, einen der ersten IT-Romane. Wenig Vergleichbares wurde seither gedruckt. Zwar ist das Berufsleben in großen Agenturen oder hippen Großkonzernen seither Standardthema in der Literatur – Max Barry zum Beispiel eher größenwahnsinnig karikierend, Joshua Ferris, erst kürzlich, eher absurd melancholisch und, nicht zu vergessen, James P. Othmer komplett apokalyptisch. Die IT-Realität ist aber nach wie vor Randthema. Kein Wunder also, dass Coupland letztes Jahr nachlegte: jPod ist eine Art zweiter Teil von Microserfs, noch absurder als der erste Teil und nach wie vor mit nichts zu vergleichen.

Coupland tauscht Microsoft einfach gegen eine namenlose Game-Schmiede und erfindet mit dem jPod die Abteilung des Unternehmens, in der einerseits die harte Programmierarbeit geleistet wird und aus der man andererseits nicht wirklich vom Rest der Firma wahrgenommen wird. Gefangen in der Nerd-Schlangengrube. Auch stilistisch hält sich Coupland an Microserfs. Die Familiengeschichte der Hauptperson Ethan ist absurd. Mit einer Mutter, die Weed im Keller anbaut, und einem Vater, der versucht, als Schauspieler Fuß zu fassen und doch eigentlich nur tanzen will, und einem Skateboardspiel, in das Ronald McDonald eingeschmuggelt werden soll, entwickelt sich eine Geschichte, die an Turbulenz Microserfs bei weitem in den Schatten stellt.

Auch die sprachlichen Gadgets der Ursprungsgeschichte gibt es wieder: Seitenweise Binärcode, scheinbar zufällig ausgesuchte Schlagwörter oder endlos scheinende Listen unterbrechen die Handlung. Nach Microserfs wurden Couplands Geschichten traditioneller. Das funktionierte mal hervorragend (Hey Nostradamus!), mal gar nicht (Girlfriend In A Coma). Allein deshalb war jPod letztes Jahr eine Überraschung. Die Geschichten und persönlichen Erfahrungen hinter dem Code, mit dem wir jeden Tag arbeiten, ist immer noch ein großes Mysterium. Coupland versteht es auch 2007 noch, damit gut umzugehen. jPod und Microserfs spiegeln die Realität einer kleiner Gruppe von Menschen, auf die wir alle angewiesen sind.

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Elektronische Lebensaspekte.