Seit dem MP3-Portal-Special vor einem Jahr ist einiges passiert, wie Pilze schossen neue Downloadquellen für den Home-User und Digitaljockey aus dem Boden, andere, hochgefeierte wie Popfile verschwanden kläglich oder wurden in andere Services eingegliedert.
Text: Tanith aus De:Bug 95

Mobile Music

Digitale Revolution mit Ladehemmung
Update Downloadportale

Oft ist es zwar noch so, dass derjenige, der den neuesten Scheiß haben will, ziemlich enttäuscht zurück in den Plattenladen wandern wird; die digitale Revolution hat so manches Mal Ladehemmung, wohl weil die Labels die Angst umtreibt, die nicht DRM-verseuchten Files, die schönerweise mittlerweile hauptsächlich zu erwerben sind, so noch bequemer ihren Weg in die P2P-Netze finden könnten und daher meist erst nach einer Verkaufsgnadenfrist im Plattenladen auf den entsprechenden Portalen käuflich zu erwerben sind. Aber auch hier wird die Zeitspanne zwischen Tonträgerveröffentlichung und Download-Startschuss auffällig kürzer, was wohl auf gewisse Erfolge des neuen Vertriebswegs hindeuten dürfte.

Immerhin, das Repertoire hat, gesamt gesehen, einige Fortschritte gemacht und bis auf Kleinstlabels oder File-Totalverweigerer ist mittlerweile fast alles erhältlich, was man sonst auch bei WOM oder im Plattenladen um die Ecke bekommen könnte. Nur sehen die Startseiten von Musicload und iTMS nun halt auch aus wie die Gazetten der Musikhöker, mit Angeboten von Doppelalben der Söhne Mannheims für 11,95 € oder Chill with Bach, getarnt als redaktionelle Empfehlung.

Musicload erschien mir bei der Recherche wie der Jambaklingelton unter den Downloadservices. Tut mir Leid, lange kann man auf dieser Site nicht verweilen, ohne dass die Befürchtungen um Augen- und Ohrenkrebs Überhand nehmen. Zudem fühlt man sich aufgrund der nur rudimentären Genreeinteilung bei der Suche ziemlich im Stich gelassen. Vielleicht hätte ja der angebotene Downloadclient namens Musicload Manager helfen können, den gibt es aber nur für Windows. Tja, dann halt nicht.

Dahingegen kann man gegen den Apple-eigenen iTMS, der gerade seinen milliardensten Download feierte, schon mal fündig werden und man muss ihm ebenso zugute halten, dass er so manchen Track schon zum Erwerb anbietet, bevor die Kleinen das tun, so geschehen z.B. mit Egoexpress – Knartz IV. Woran das liegt, war nicht in Erfahrung zu bringen, aber vielleicht liegt es an der einfachen Prozedur, wie man beim iTMS eine Anfrage zur Labelaufnahme stellen kann: einfach diesen Fragebogen (https://phobos.apple.com/WebObjects/MZLabel.woa/wo/1.0.5.1.11) ausfüllen und bange warten, bis die Antwort von Apple kommt. Zudem ist der iTMS seit geraumer Zeit nicht mehr nur für Kreditkarteninhaber interessant, sondern akzeptiert nun auch die Bezahlung per Lastschrift, Debitkarte und Rechnung. Auch interessant: Apple dehnte kürzlich sein Vertriebspartnerprogramm “Affiliate-Program” auf Europa aus und bietet teilnehmenden Website-Betreibern ähnlich wie Amazon über direkte Links zu Songs und Alben im iTunes Music Store die Möglichkeit einer Umsatzbeteiligung. Bekanntlich liefert der iTMS jeden Track für 99 Cent und jedes Album für höchstens 9,99 €, im DRM-geschützten AAC Format, das außer iPods und manch anderem Player kaum ein Gerät versteht. Digital Jockeys mit Final Scratch, Serato Scratch Live oder ähnlicher Auflegesoftware würden nach dem Kauf die Files dennoch nicht ins Set integrieren können, da das ärgerliche DRM dies verhindert. Geht aber doch über einen Umweg, indem man die gekauften AACs auf CD überspielt und diese wiederum als MP3 in iTunes importiert, nur so als Tipp am Rande.

Viel Wind macht auch Napster (http://napster.co.uk). Die alte Marke im neuen Gewand wirbt mit der imposanten Menge von 1.000.000 Tracks, die allerdings an ein Abo gebunden sind und sowieso nur mit PC funktionieren, konnte ich also nicht testen. Unschöne Vorstellung allerdings, dass all die geladenen Tracks sich mitten im Gig in Nichts auflösen, wenn das Abo abgelaufen ist.

Der grenzwertigste Platzhirsch ist wohl Allofmp3, dessen Erwähnung alleine schon der GEMA ein Dorn im Auge ist, die deshalb vor geraumer Zeit eine Meldung verbreitete, dass Links auf diese Site oder gar nur lobende Erwähnung ein richterliches Nachspiel haben würde. Na, ich leg mir schon mal die Handschellen zurecht. Jedenfalls ist dort fast alles zu haben, bis auf gutes Gewissen beim Kauf, denn der Künstler erhält gerade mal gar nix vom Erlös. Abgerechnet wird hier nicht nach Tracks, sondern nach MB, ist also so was wie der Eis Henning unter den Downloadportalen (Berliner wissen, was gemeint ist). Heikel erscheint mir dabei, dass man sich erst registrieren müsste, um die Gänze des Angebots erschließen zu können.

Abseits dieser Riesen hat sich aber auch einiges getan, sowohl im In- als auch im Ausland.

An erster Stelle sei natürlich Warps Bleep.com (www.bleep.com) genannt, das sich mittlerweile auch für andere Labels geöffnet hat und nun eine Unmenge an Tracks und Labels beherbergt, die man an anderer Stelle nach wie vor vergeblich sucht. Vorbildlich nach wie vor: das schlanke Design und die Vorhörfunktion mit Hüllkurve zum drin rumklicken. Wo gibt es das sonst noch, dass man nicht mit 30 Sekundenschnipseln abgespeist wird, sondern vor dem Kauf den ganzen Track hören kann?

Das größte Independantangebot hierzulande hat Finetunes (www.finetunes.de). Die Labelliste ist respektabel lang und man hat daher gute Chancen, das zu finden, was man sucht, bzw. beim Stöbern auch mal was Neues zu entdecken. Auch eine kostenlose Clientsoftware für alle gängigen Betriebssysteme ist im Angebot, mit der sich das Stöbern und Sortieren vereinfachen lässt und mit der sich exklusive kostenlose Tracks ergattern lassen. Politisch korrekt werden nicht nur DRM-freie MP3s angeboten, sondern auch Ogg ist im Angebot. Die Codierung beschränkt sich zurzeit auf 192kbps, soll aber im Laufe der Zeit auf 320 kbps raufgeschraubt werden. Die Preise bewegen sich im Rahmen von 96 Cent und 1,20 Euro für einzelne Tracks, ganze Alben liegen bei ca. 9 €.

Hoch erfreut war ich, als Kompakt-mp3.net (www.kompakt-mp3.net) das Licht der Welt erblickte und nicht nur Kompakt selbst, sondern auch alle vertriebenen Labels ihren Weg in die virtuelle Plattentasche finden konnten. War es zu Anfang noch so, dass die neuesten Releases recht zeitversetzt angeboten wurden, hat sich dies nun auch gebessert und vieles ist zeitgleich im Laden wie auch im Kompakt-mp3.net-Shop erhältlich. Bezahlung ist sowohl über die übliche Kreditkarte, aber auch per Lastschrifteinzug möglich; im kreditkartenkritischen Deutschland ein feiner Zug. Einzelne Tracks liegen hier preislich bei 1,29 €, ganze Maxis bei 2,32 €, ganze Alben bei 8,13 bis 9, 99 €, die Kbpsrate liegt hier durchgängig bei 320.

Conzoom (www.conzoom.com) ist die Downloadplattform von Superstition und enthält somit auch diverse Minimalisten und Houselabels um die Steve-Bug-Posse, aber auch Giant Wheel, Moonbootica und andere. Neben MP3-Store dient das Portal auch als Mailorder, wo man den gewöhnlichen old fashioned Tonträger erwerben kann. Bezahlung erfolgt in überraschend vielfältigen Möglichkeiten, nämlich wahlweise mittels Kreditkarte, Lastschrift, Nachnahme (wohl nur bei Tonträgern), Pay Pal, Scheck oder Überweisung. Die Bitrate der Files liegt bei 192 kbps, die Preise für einzelne Tracks betragen zwischen 99 Cent und 1,89 €, Alben liegen bei 9 €.

Beatport (www.beatport.com) kommt aus UK und ist quasi das Independantpendant zum iTMS. Wegen der Menge und nicht etwa, weil eine Software wie iTunes installiert werden muss, damit man downloaden kann. Das geht zwar auch, da Native Instruments eine Partnerschaft mit Beatport eingegangen ist und den Traktor-Beatport-Player zum freien Download anbietet, muss man aber nicht. Auch so hat Beatport einiges neben dem massiven Musik-Content zu bieten, sei es wöchentliche Mails mit den neuen Releases, wobei man jedes Mal erneut staunen darf, wie viele Labels pro Woche Beatport den Zuschlag geben. Auch wenn das Angebot nach wie vor eher typisch englisch progressivehouse- und trancelastig ausfällt, heißt das nicht, dass das sonstige Angebot nicht respektabel wäre. Sogar Labels, die man ansonsten vergeblich sucht – Vakant sei als Beispiel genannt – findet man hier aktuell und komplett. Auf jeden Fall der momentane Big Player im Downloadgeschacher. Neben MP3s gibt es hier ebenfalls die Möglichkeit, gegen geringen Aufpreis die Files auch als Wav zu kaufen, die werden dann allerdings als CD geschickt, womit der Vorteil der schnellen Verfügbarkeit natürlich etwas leidet. Die Preise für MP3s in 320 kbps Qualität und MP4s in 192 kpbs encodet: 1.99 $ für exklusive oder Pre-Release-Tracks, 1.49 $ für Neuerscheinungen, 1.99 $ für Out of Print Classics, 1.29 $ der Rest. Für Wavs werden jeweils 50 Cent mehr fällig.

Richtig interessant dürfte es werden, wenn bisherige Mailordervertriebe wie z.B. Juno.co.uk dazu übergehen, die sowieso schon digitalisierten Scheiben als Files anzubieten. Dass die bereits die Logistik besitzen, das Feld sondieren und in Verhandlungen sind, leckte schon an diversen Stellen durch. Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein. Wenn man bedenkt, welche Unmengen an Tonträgern alleine diese Outlets jetzt schon an den Mann bringen und auf welchen Kundenstamm sie zurückgreifen, dann kann man sich ausmalen, dass die Claims noch lange nicht abgesteckt und das letzte Update zum Thema noch lange nicht geschrieben ist.

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Elektronische Lebensaspekte.