Text: Nokia Haupt aus De:Bug 21

Echte Tips für ein falsches Datum: 01.01.2000 Von Nokia Haupt, falls Nokia diese Serie sponsert… sonst Niko 3. Teil Ich stand hilflos vor Giletta. Wieder einmal musste ich ihr einen Jahr2000-Konflikt erklären, den ich ja selber kaum nachvollziehen konnte. Zu absurd war das Ganze, was damals im April geschah. Und das Schlimmste war, kein Mensch auf der ganzen Welt war in der Lage, es bis heute nachvollziehen zu können. Und Giletta war schon am fittesten dafür. Ich hatte es in der Tat verwechselt: einer der beiden Präsidenten hatte in diesem Jahr abgedankt, bzw. wäre fast dazu genötigt worden. Und ich war schuld! Ich fing an, die Sache erneut zu rekonstruieren, die mich letztendlich in die Schweiz verschlagen hatte, wo ausgerechnet ich nun Tips für den Millennium-Bug liefern musste: “Angefangen hatte alles ganz harmlos im Februar. Max besuchte mich mal wieder in Neighbourtown, weil ich mich in einer ernsten Krise wegen Klezma und Soe befand. Fakt war: Ich hatte argen Beziehungsstress mit Klezma, mit der ich es nun fast sieben Monate geschafft hatte. Aber weil Soe nun doch jemanden anderes in New York heiraten wollte und unser gemeinsames Praktikum damit gescheitert war, ist mein Weltbild zusammengebrochen. Soe wollte nun, anstatt in London oder so, Literaturscout in den Staaten werden, und ich fand es halt ziemlich frustrierend, darüber zu sinnieren, wie sie wohl irgendwelche Bukowski-Nachahmer in abgenudelten Kokser-Schuppen vom Central Park zu signen versuchen mochte. Diesen Abstieg konnte und wollte ich nicht zulassen. Das ich aus taktischen Gründen Soe deshalb einen Heiratsantrag machen wollte, hatte meine wirklich beste PartnerIn aller Zeiten ja noch nachvollzogen. Aber als ich mich dann auch von ihr, vielleicht überzogen gehandelt, im Stich gelassen fühlte, war es mit meinem Seelenfrieden – und mir ging es ernsthaft gut – dann doch vorbei. Wir schafften es dann trotzdem, unsere Krise von 8% Rettungschance wieder auf 50% hochzuschrauben, bis Max vorbeikam und eigentlich unsere Beziehung retten wollte. Klezma amüsierte sich zunächst hervorragend, weil Max und ich wieder unsere, wie wir es nannten, Spitzstreitigkeiten ausgelebt hatten. Wir stritten uns, aber nicht ernsthaft z.B. darum, ob es ein datumgehacktes Programm schafft, entweder einen Virus auf die Systemplatte mit tausenden von Registry-Dateien zu pflanzen oder ob es sich doch nur um harmlose Nulldateien handelte. Am Schluss endete es natürlich wie immer in einem grotesken Rettungszenario. Meine Tastatur wurde mal wieder amerikanisch, der Cursor funktionierte nicht mehr unter DOS, und seltsame weisse Punkter schwebten über den Monitor inklusive eines Kommentars: “Ihr System kann nicht mehr hochbooten. Bitte booten sie es hoch!” Dann fiel der Vorwurf, ich solle doch mal meine Spüle reinigen, und ich liess unbewusst, vergessen war alle Multiplität, den Satz, Klezma war dran, heraus. So artete es zum Fiasko aus. Klezma fühlte sich diskreditiert, ich versuchte alles wieder zu retten, und sogar das hatte dann auch zum Glück geklappt. Klezma konnte wieder beruhigt werden, wir gaben uns einen Abschiedskuss, denn sie musste nun auf ein zweitägiges Seminar. In der Hoffnung, der Abend könnte nun harmonisch zu Ende gehen, fuhren Max und ich dann auf drei Parties. Der übliche Standard natürlich: eine Raverschwimmbadparty, ein Kellermeeting mit experimenteller Videoambientmusik und am Schluss so ein Theater mit Klimperelektrokrach. Alles war wirklich harmlos, bis ich mich später mit Max auf dem Polizeipräsidium wiederfand. Max war völlig sturzbetrunken und wollte einen Anwalt wegen Autodiebstahls konsultieren. Ich war relativ nüchtern, musste aber trotzdem eine Blutprobe abgeben, die sich dann leider doch “drüber” befand. Das war dann der Anfang vom Ende. Ab da glaubte mir niemand mehr. Der Führerschein wurde bis heute für immer eingezogen, da plötzlich sowohl in Ghosttown wie auch in Neighbourtown sämtliche Computersysteme zusammenbrachen. Ich galt plötzlich als steinalt, weil ich bereits seit 100 Jahren Auto fahren durfte. 100 Jahre Führerschein konnte nämlich kein Rechner nachvollziehen. Der Datengau nahm jedoch einen extrem gefährlichen Selbstläufer ein. Irgendwann kam es dann heraus, dass in meinen Stasiakten, die mal durch einen Kurzbesuch in der DDR angelegt wurden, als ich beim Schwarztausch erwischt wurde, meine Verbindung zum KGB wieder herauskam. Dann ging der Fall nach Moskau. So kam wieder die Geschichte mit dem Geheimlabor heraus, wo sie damals mit mir Gehirnsurfing mit virtuellen Agenten versucht hatten, meine Intelligenz aber ihren Alpharechner zum Implodieren brachte. Was keiner wusste, der damalige Fastpräsident Jelzin war nebenan in einem Raum, was sich aber auch erst in diesem Jahr herausstellte. Er war nämlich der Leiter dieses Projektes und schon damals sturzbetrunken. Die Presse wiegelte dann im März alles ziemlich hoch. Ich und Max waren plötzlich Medienstars. Jelzin stand kurz vor der Kippe, es wurden ihm sogar Verbindungen zum israelischen Geheimdienst nachgesagt, was wiederum meine Beziehnung gefährdete, denn Klezma war ja Jüdin. Dann war jedoch dieser “Fall” schon in unserem genetischen Algorhythmusprogramm abgespeichert. Die beiden Präsidenten alterten um Stunden, plötzlich gab es einen Lewinski-Virus und der rote Knopf kam in bedrohliche Nähe…” “Das reicht!…”, unterbrach mich Giletta! “Du spinnst. Das wurde doch damals ganz anders in der Presse dargestellt.” “Du kannst dir ja wohl denken, warum!”, stellte ich zitternd fest. Giletta guckte mich mitleidig an. “Aber was wurde denn dann aus Soe und Klezma, wenn das alles so stimmt?. Ich schluckte. “Das ist eine ebensolange Geschichte!” Ich nahm einen grossen Schluck aus meinem Wasserkanister ohne Haltbarkeitsdatum und fing an, zu dechriffieren.War es damals ebenso richtig, alles Lammbretta zu erzählen? Fortsetzung folgt…..

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Elektronische Lebensaspekte.