Who's who in Brazil'n'Bass?Namen und Zahlen
Text: Ludwig Coenen aus De:Bug 77

Drückt der gemeine Partygänger mit Flipflops und oder Sonnenkäppi in Kombination mit einem zumindest exotisch anmutenden Mischgetränk seine Weltoffenheit aus, greift der geneigte Drum and Bass-Head währenddessen lässig zu einer Brazil’n’Bass-Platte. Kaum ein Floor des letzten Sommers kam ohne DJ Markys “LK” aus, eine Welle aus trittbrettfahrenden Brazil’n’Bass-Compilations folgte. Bereits im Jahre 1998, also noch vor der nebenstehend erwähnten Brazil EP, sorgte Johnny B. mit seinem “Salsa”-Remix für einen kleinen Vorgeschmack, mit J.Magics “Copeira” und der Labelgründung von “Innerground” durch Marky und XRS trägt diese Sparte jedoch auch weiterhin aktuelle Früchte. Damit wird die Halbwertszeit des durchschnittlichen D’n’B-Trends schon um einiges übertroffen – ist Brazil’n’Bass also vielleicht mehr als eine musikalische Plastikpalme? Vieles spricht dafür.

Dennoch winken manche schon bei dem Wort Brazil’n’Bass müde ab und fragen in fröhlicher Erwartung des nächsten Hypes, ob das noch so fresh ist, was da passiert. Derweil basteln V Recordings weiter an ihrem Quasimonopol für diese Nische, und so kommen mit Patif, XRS und DJ Marky die meisten Brazil’n’Bass-Tracks nach wie vor über den Umweg England zu uns. Riskiert man mal einen direkten Blick nach Brasilien, ohne den Umweg über die Insel mit dem Drum’n’Bass-Monopol, ist da jedoch mehr als der kurzlebige Hype, mehr als die exotische Prise Latin für den nächsten Clubkracher.

Das beweist beispielsweise Telefunken mit seinen experimentelleren Brazil’n’Bass-Produktionen. Und das es diese Form schon länger gibt, als viele in eurozentristischer, “LK”-geprägter Manier glauben, zeigt Calbuque, einerseits Journalist, andererseits Promoter und DJ von “Febre”, Rio de Janeiros ältester Drum and Bass-Nacht, die nun schon stolze 6 Jahre auf dem Buckel hat.

Ebenfalls ein alter Hase und lange im Geschäft: DJ Andy, DJ und Produzent, der auch mit Drumagick zusammenarbeitet, und verantwortlich für den Hit “Copacabana”. Für das Drum and Bass-Subgenre mit dem unglücklichen Namen “Intelligent Drum and Bass” und die omnipräsente Orientierung Richtung England, wie sie sich ja auch in den DJ-Synomen äußert, stehen Alex DB als DJ und Produzent, der Anfang des Jahres auch eine 12″ auf Bukems “Good Looking Records” rausbrachte, und Linkage, einer der etabliertesten DJs in Brasilia.

Für Sao Paulo stehen Marnel als DJ und Resident der “Bass”-Nacht sowie Autoload als Produzent. Von Anfang an dabei, als DJ und Macher eines Drum’n’Bass-Plattenladens in Sao Paulo, ist Koloral. Dort spielt auch Cleber Portaro eine große Rolle, und zwar immer dann, wenn DJ Marky nicht da ist, und das dürfte ja öfter der Fall sein. Denn dann übernimmt Cleber Portaro DJ Markys Residency im Lov.e Club. Gleichzeitig betreibt er noch Brasiliens wichtigste Drum and Bass-Plattform im Internet: http://www.drumbass.com.br Über die man, so man denn Portugiesisch spricht,
einen guten Überblick über die brasilianische Szene bekommen kann. Ebenfalls gut für einen Einblick und zum Herunterladen von Dublates und Mixen und dazu noch viel billiger als ein Ticket nach Brasilien: http://www.dnbonline.com.br und die Radiostation Energie 97, wo man live DJ-Sets der Brasilianer checken kann.

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Elektronische Lebensaspekte.