Kaum eine Szene verstößt ihre Helden so leicht wie die des Drum and Bass. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die E-Z Rollers durch ihr neues Album "Titles Of The Unexpected“ ihren Sound sowohl einem breiten Publikum näher bringen als auch in der Szene abgefeiert werden. Ein Bericht über einen eleganten Spagat zwischen Radio und Blockparty.
Text: Rene Josquin aus De:Bug 70

Wohlkalkulierte Authentizität

Die EZ Rollers sind sich der ambivalenten Gefühle, die ein Vocalprojekt mit Crossoverpotential und zuckersüßer Chartstauglichkeit in Teilen der Drum and Bass-Szene noch immer auslösen kann, sehr bewusst. “Wir arbeiten hart an unserer Reputation”, sagt Jay Hurren, der als JMJ bei JMJ & Richie für Moving Shadow schon den Funk befreit hat und der es sich mit Sängerin Kelly Richards und MC Jakes zum Interview gemütlich gemacht hat. Alex Banks, die andere Produzentenhälfte der Rollers und ebenfalls Moving Shadow Urgestein (Hyper on Experience, The Succesful Criminals) erledigt derweil die Promo-Arbeit in England. Und mit eben dem Bewusstsein, dass Authentizität ein hart zu erwerbendes Gut ist, arbeiten die vier an ihrer Vision von Live-Drum and Bass, ohne immer wieder auf ihre Vergangenheit hinweisen zu müssen. Im Club passen sie sich auch gerne den unterschiedlichen Gegebenheiten und Bedürfnissen innerhalb der Drum and Bass Szene an. Ob eher düster und undergroundig kellerkompatibel wie im Berliner Icon oder eher funky wie in ihrem Lieblingsclub, dem Hamburger Mojo, das Feedback ist durchweg sehr gut. “Zuerst sind wir dazu da, den Leuten eine gute Zeit zu verschaffen und den Blockpartyvibe in allem, was wir machen, zu kicken.”

Endlosparty statt Konzeptalbum

Und so funktioniert auch ihr neues Album nicht als Konzeptalbum, sondern als Endlosparty. Melodien und ein gewisser Popappeal stehen im Vordergrund, was nicht zuletzt ein Resultat davon ist, dass sich Kelly erstmalig bei der Studioarbeit nicht erst beim fertigen Track einbrachte. Jazziger oder experimenteller Stuff, wie auf dem wegweisenden Vorgänger “Weekend World”, wurden, obwohl sie es nach wie vor gerne machen, verschoben. Dafür werden wir durch HipHop, Reggae und britischen R’n’B überrascht. Diese Tracks entstanden, als sich auch Jay und Alex angesichts der immer unterkühlter daher kommenden Tracks auf ihre Wurzeln besannen: HipHop, Soul und Rare Groove. Dass damit der Weg in die Radio-Playlists auch dank des Kuschelkurses, den die englische Musikpresse gegenüber Drum and Bass zur Zeit an den Tag legt, kürzer sein könnte als zuvor, sehen die drei nicht so. “Drum and Bass wird im Radio fast überall wegen seiner Geschwindigkeit ausgeschlossen. Eine große Ausnahme ist Brasilien, wo die Leute durch das Tempo von Samba und Bossa keine Hemmungen haben.” Dort wurden sie bei ihren Gigs wie Rockstars bejubelt. Live bleiben die E-Zs aber beim Drum and Bass. Ihre eingängigen Tracks lagen bereits unter den Nadeln von Roni Size, Brian G, Peshay, Fabio und Patife. Damit wandeln sie so sicher wie selbstbewusst auf dem schmalen Grat zwischen Pop und Underground. “Das ist kein künstlerisches Statement”, ergänzt Jay. “Wenn ich einen Tune mag, dann mag ich ihn eben. Und wenn das Album neue Hörer der Szene näher bringt, würde uns das nur freuen.”
Das würde dann auch ihrem eigenen Label helfen. Intercom ist nach vier Jahren inzwischen immerhin beim 28. Release angekommen. “Gerade unsere Hauptacts Tommy Knocker und 60 Minute Man haben sich im letzten Jahr stark nach vorne entwickelt.” Im Sommer wird mit “Lickable Beats” der erste Label-Longplayer erscheinen. Alben vom 60 Minute Man und DJ Touch sind in Arbeit. Auch die E-Zs selbst werden ihre Plattform in Zukunft verstärkt für sich nutzen.
MC Jakes würde die Zeit abseits der Gruppe zwar gerne rauchend vor der Playstation hocken, arbeitet dann aber doch lieber mit Technical Itch an dessen neuem Album oder kollaboriert mit den Distorted Minds. Und Kelly verarbeitet ihre Produzentenerfahrungen zu eigenem dubby Downtempo Stuff. „It´s not stagnating, it´s going rather forward.”

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Elektronische Lebensaspekte.