Von englischen Labeln ewig hingehalten, wählen Mitsukuni Murayama und Kouichi Yamazaki aka Pentagon einfach den anderen Weg, veröffentlichen auf diversen deutschen Drum and Bass Labels Maxi nach Maxi , touren wie wahnsinnig, produzieren nebenher für japanische Jazzer und hangeln sich so Schritt für Schritt nach vorne. Keep it real, Tokyo.
Text: Miguel Ayala aus De:Bug 72

Die Odyssee auf Japanisch
Pentagon

Mitsukuni Murayama und Kouichi Yamazaki aka Pentagon sind mit den Gepflogenheiten englischer Labelpolitik mittlerweile bestens vertraut. Zwei Jahre ist es her, dass Bryan Gee im Londoner Music House beim Dubplates-Schneiden auf ihre Tracks aufmerksam wurde: “Falling Down” gefiel ihm so gut, dass er es unbedingt für V-Recordings haben wollte. Der Track sollte ursprünglich auf True Playaz erscheinen, denn Mitsukuni hatte bei einem Japan-Gig Dj Hype eine CD zugesteckt, der ebenfalls begeistert davon war. Es wurde hin und her verhandelt und irgendwann waren die Stücke frei für V-Recordings. Dass sich das als fatale Entscheidung herausstellen sollte, kommentiert Mitsukuni heute nur noch mit Galgenhumor. Erst wurde er lange hingehalten und dann brach der Kontakt schließlich ganz ab. Ähnlich erging es ihnen mit dem Label Maui: Hier erschien “Cruiser”, das auf Heavy Rotation lief und auch von Leuten wie Marky gespielt wurde. Maui, einst als Sub von Vinyl Syndicate gegründet, ging jedoch gemeinsam mit dem angeschlossenem Plattenladen unter. Nur eine Handvoll Platten erreichte den Markt und so blieb diese Platte dank künstlicher Verknappung eine Rarität. Etwas Gutes hatte das Treffen mit Hype allerdings doch: Pascal, der auch Frontline betreibt, suchte sich noch ein paar andere Tunes heraus, und das führte dann zum ersten Release.

England, oder besser doch nicht?

Bekanntermaßen zählen international ja nur Veröffentlichungen auf britischen Labels, da der Wirkungsgrad kontinentaler Outlets sehr begrenzt ist. Chronologisch gesehen erschienen die ersten Pentagon-Releases aber in Deutschland (12″s auf Krush Grooves, Pentagon und Hard:Edged). Dann folgte eine kleine Tour, die wohl zum ersten Mal dem mitteleuropäischen Publikum die Gelegenheit gab, einen japanischen Drum and Bass DJ zu bestaunen. Der Kontakt entstand damals über Kabuki, der eine Zeit lang in Japan lebte und dort unter anderem das zweite Makai-Album veröffentlichte. Das alles passierte auf dem Label Static. Dort erschien auch das erste Album Mitsukuni Murayamas mit dem Titel “New Script”, das in unseren Breiten leider nie aufgetaucht ist. Soundmäßig war das 1998 erschienene Album noch eine andere Baustelle: Darke, vertrackte Stücke ließen den späteren Sound noch nicht erahnen. Zu dieser Zeit lernten sich Mitsukuni und Kouichi kennen. Kouichi war damals bei Sony Computer Entertainment als Sounddesigner angestellt. Durch die gemeinsame Arbeit an einem Computerspiel entstand der Kontakt. Seitdem sind die beiden so gut wie unzertrennlich. Kouichi kündigte seinen Job und die beiden betreiben bis heute ein eigenes Studio. Mitsukuni ist Gitarrist, Kouichi gelernter Keyboarder, was in der Summe dazu führt, dass die Pentagon-Sachen, die ab diesem Zeitpunkt entstanden sind, immer musikalischer ausfielen. Da auch bei Kabuki eine ähnliche Entwicklung stattfand, wurde man sich hier schnell einig, und das führte zu besagten Releases.

Digital klassisch

Einfluss auf den Sound von Pentagon hat natürlich auch die Tatsache, dass beide als Produzenten im klassischen Sinne arbeiten. So hat Mitsukuni nicht nur Spiele vertont, was er – entgegen der wohl üblichen Vorstellung – als enorm langweilig empfand, sondern unter anderem die United Future Organization (Japans Mo Wax Acid Jazz Gangster) produziert. Das Ganze umfasste die Arbeit an einem Album und unzählige Remixe. Momentan arbeitet Mitsukuni für Toshio Matsuura, der gerade die letzte Compost Compilation gemixt hat. Das erklärt natürlich, warum die Pentagon-Sachen nicht nur musikalisch sehr eigen sind, sondern auch verdammt gut klingen. Die langjährige Studioerfahrung bahnt sich hier ihren Weg. Gleichzeitig erstaunt die Tatsache, dass wir es immer mit komplett digitalen Produktionen zu tun haben, was bei den meisten Drum and Bass Producern ja noch nicht der Fall ist. Und das praktizierten sie auch schon in der Zeit, als hier noch das Dogma der Emu-Sampler galt. Womit sie natürlich fast das Stereotyp vom immer fortschrittlichen Japaner bestätigen … und sie kicken trotzdem.

Trotz der schlechten Erfahrungen mit der alt eingesessenen englischen Labelszene ist man jedoch insgesamt sehr hoffnungsvoll, denn der letzte Aufenthalt in Europa hat Mitsukuni ein Release auf Hospital eingebracht und außerdem erscheint demnächst noch ein Track auf Nu Directions. Ebenso dürfte der Remix von X-Plorer & Dees “Pulse Trust” auch bald in den Läden stehen. Daneben gibt es Pläne für ein gemeinsames Label mit The Insiders, der neuen englischen Hoffnung. Und wenn das erscheint, dürfte die sehr erfolgreiche Pentagon-Tour gerade beendet worden sein, die im Offenbacher Robert Johnson wahrscheinlich ihren bisherigen und zudem unglaublichsten Höhepunkt fand. Dort hat Mitsukuni gemeinsam mit dem ebenfalls aus Japan stammenden MC Goku der versammelten Gemeinde nämlich kurzerhand die Hosen ausgezogen und gezeigt, wo der Pentagon-Sound sein Zuhause hat, nämlich … IN DA CLUB.

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Elektronische Lebensaspekte.