Die Zürcher Drumpoet Community um die Betreiber Alex Dallas und Ron Shilling ist weit mehr als nur ein Label. Es ist ein eigener House-Kosmos aus lokaler Szene, Club, Bar und Passion für Deepness. Im Gespräch geht es um B-Boy-House, Hüftschwung und die Überwindung des innerschweizerischen Röstigrabens qua Sounds.
Text: Ji-Hun Kim

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Aus dem Special in De:Bug 136: HELVETIA HOPP!

Die Dienerstraße ist eine Querstraße der Langstraße, die ehemals Rotlichtmilieu, heute Ort für Galerien, Cafés, Clubs und Wohnraum vieler junger Kreativer ist. Ein Nichtschweizer würde Kiez dazu sagen. Der Zürcher selber nennt den von historischer Verruchtheit und proletarischer Bausubstanz geprägten Kreis 4 liebevoll Longstreet.

Der Kreis 4 steht indes noch immer im Fokus der erzkonservativen Aufräumer, einen Tag bevor ich Alex Dallas, Ron Shiller, Tobi Foster und Lexx von Drumpoet Community treffe, entlarvt die große Boulevardzeitung “Blick” qua Google Street View einen Drogendealer , der am hellichten Tag jungen Frauen dubiose Päckchen unterschob. Ein Skandal, der eine Schlagzeile wert war. Leider stellt sich später heraus, dass die Frauen von einer dort ansässigen Medienagentur waren, und der Mann Passanten nur Restaurant-Gutscheine für den Mittagstisch feilbot. Schein und Sein. Der “Blick“ musste diesen Fauxpas am nächsten Morgen richtig stellen, immerhin.

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Die Dienerstraße 33 beherbergt nicht nur das Drumpoet-Labelbüro, sondern ist zugleich Adresse der Bar 3000 und des Clubs Zukunft, wo Labelbetreiber Alex Dallas neben Kalabrese und vier weiteren Mitstreitern Inhaber ist. Die Szene ist übersichtlich und kompakt aufgestellt. Im Umkreis von 1.500 Metern spielt sich hier mehr oder weniger alles ab.

“Das Label ist schon sehr eng an den Club gebunden. Das ganze Socializen, Produzenten kennen lernen und Musik austauschen findet hier statt. Dass zum Beispiel John Daly bei uns releast hat, ist über einen Abend hier im Club entstanden. Wir hatten den selben Background mit HipHop und Disco und spielten back to back, das hat wunderbar gepasst”, erklärt Ron Shilling, zweiter Labelbetreiber, DJ und Teil der Gruppe Soultourist.

Die ursprüngliche Idee, mit dem Label eine Basis für Zürcher Produzenten zu schaffen, hat schnell die nationalen Grenzen überschritten. Mittlerweile steht die zweite Compilation Drumpoems Verse 2 auf der Startrampe und bekräftigt souverän den Anspruch die helvetische House-Beletage zu repräsentieren, die sich in realitas an den Wochenenden im Club widerspiegelt.

“Der Beginn der Zukunft war ausschlaggebend dafür, dass House wieder mehr in den Fokus rückte. In der Dachkantine war es teils schwierig House zu spielen. Dort ging es an fünf von sechs Abenden um Minimal. Seitdem fangen aber auch alte Lokalgrößen wieder an verstärkt House aufzulegen“, meint Dallas, beim gemeinsamen Sprizz in der Bar 3000.

Interessant ist immer zu wissen, wo die eigene Verortung des Sounds zu finden ist und Tobi Foster (Soultourist/Foster) versucht dabei die Drumpoet‘sche Definition von B-Boy-House zu erklären: “Wir haben das einfach mal so genannt, auch wenn HipHopper kommen und uns vorwerfen, dass das gar nichts mit Breakdance oder Rap zu tun hat. Aber der HipHop-Background, das “Zwischen-den-Stühlen”-Sitzen, die Zeiten als Cassius MC Solaar produzierten, David Morel mit De La Soul arbeitete oder natürlich die großen Jungle Brothers. Das ist der Groove, den wir suchen. Es muss die Hüfte schieben lassen.”

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Die Verbindung zum HipHop wird auch deutlich, wenn man weiß, dass
Die Zürcher Drumpoet Community um die Betreiber Alex Dallas und Ron Shilling ist weit mehr als nur ein Label. Es ist ein eigener House-Kosmos aus lokaler Szene, Club, Bar und Passion für Deepness. Im Gespräch geht es um B-Boy-House, Hüftschwung und die Überwindung des innerschweizerischen Röstigrabens qua Sounds.

Lexx/Kawabata in den 90ern mit seinem damaligen Kollegen Bligg einer der ersten großen Schweizer Mundart-Rap-Stars war. Dieser verkauft heute alleine im Eidgenossenland 90.000 CDs, wohingegen Lexx sich lieber seinen Explorationen in discoide Gefilde hingibt. Druck oder Zwang verspürt hier keiner, man releast nur Dinge, die einen auch persönlich weiterbringen.

“Mirko Loko ist am Ende bei Cadenza gelandet, was ein viel größeres Label ist, aber uns hat das Demo damals nicht so viel gesagt”, erklärt Alex Dallas, der sonst in der Gruppe The Lost Men auch als Produzent in Erscheinung tritt.

Die Universalität von House der Prägung Drumpoet überspannt wie kein anderes den schieren “Röstigraben” zwischen dem französisch sprechenden Welschland und dem deutschsprachigen Osten des Landes. Neu-Berliner, wie der aus Genf stammende Quarion sind der Crew noch immer eng verbunden und es wird bewiesen, dass diese praktizierte Liebe zum Sound, Grenzen in den Köpfen mehr zu öffnen vermag als anderes in diesem Land.

Aus dem Special in De:Bug 136: HELVETIA HOPP!

Drumpoems Verse 2 ist auf Drumpoet Community / Groove Attack erschienen. http://www.drumpoet.com

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