Der Berliner Alex Krüger schneidert als Dub Taylor die Hallöcher in den Minimalhouse, bis den Herrenausstattern von der Bond Street ganz blass um die Nase wird. Damit erschöpft sich seine Kollektion aber längst nicht. Etwas Acid gefällig?
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 44

DON’T CALL IT A COWBOY
DUB TAYLOR

Wer an so etwas wie eine neue Hegemonie von Minimaler Techno-House Musik glaubt, was einem die Clubs heutzutage, aber auch die immer wieder erscheinenden neuen Label des “Genres” nahelegen, dann stellt man sich vor, Leute wie Dub Taylor gibt es mit einem Kopfhöreranschluß gleich dazu. Die wachsen unter den Headphones in die Tiefe.
Und vielleicht stimmt das. Dub Taylor bestimmt sich zumindest zu großen Teilen auch aus der Hardware, die hinter ihm steht, aus den Möglichkeiten, die teils vorgegeben, teils gelenkt, teils eröffnet werden. Alex Krüger, wie er heißt, wenn er arbeiten geht, weil Musik noch längst nicht reicht, bestimmt sich nicht so.
Er hatte immer auch andere Projekte. Sei es Korsakow, sein samplebasiertes semi-handgespieltes Projekt für BCC und United States Of Mars, seine Produktionen als Hair mit Ulrich Schnauss, die 80er Sounds redefiniert haben, als es noch nicht so gnadenlos durch war, Echobox, seiner Triphop Band mit Sängerin, die “Vorläufer-Band” namens Emotional Ketchup Burst, oder auch Ameisenautomat mit Thorsten Stahnke, dem Drummer von Echobox, und Jan Gabler, das freie Improvisationsquartett für albern-amüsante Livesets. Alle aus anderen Motivationen entstanden, auf anderen Ebenen verhandelbar, auf seltsame Weise losgelöst voneinander, auch wenn hier und da mal ein paar Sounds zwischen den Identitäten hin und her gondeln. Und alle sind gleich wichtig, keines legt ihn fest.
So wie er sich nicht darauf festlegen möchte, den Namen Dub Taylor von einem unermüdlichen, aber nahezu unbekannten Nebendarsteller dritt- bis erstklassiger Cowboyfilme und C-Serien, noch Korsakow von einem uneingestandenen Thiaminmangel geerbt zu haben. Also beginnen wir unser Interview doch am besten mit einem Geständnis.

DUB TAYLOR: Meine eigentlichen Vorlieben liegen eher in den 60er, 70er Jahren. Jazzrock Kram.

DEBUG: Das hört man allerdings bei deinen Dub Taylor Produktionen nicht so sehr.

DUB TAYLOR: Ja, eben. Techno Musik und alles, was damit zu tun hat, ist einfach auch der Spaß, sie zu machen. Es ist ein Rumexperimentieren mit Sounds, mit Effektgeräten, um zu sehen, was rauskommt. Du setzt dir einen Kopfhörer auf und guckts, was passiert. Es kommt nicht darauf an, ob es besonders viel Tiefgang hat. Es geht eher darum, ein Gefühl für Tiefe zu entwickeln. Man kann dabei abschalten. Entspannen. Es ist die reinste Freude. Stundenlang rumsitzen und rumdrehen, was passiert, wenn ich hier das mache und da noch einen Effekt drauf… Das ist gut. So etwas wie Korsakow ist eher ein theoretischer Prozess. Grade bei Echobox ist es aber ganz anders. Da bewegt sich alles um die Stimme herum, und Nadine hat eine gute Stimme, finde ich. Die Musik steht mehr im Hintergrund, untermalend. Echobox, das ist durchsichtige, transparente Musik, eine richtige Popproduktion. Dub Taylor ist aber auf den Dancefloor ausgerichtet. Echobox ist etwas, wo man nach jedem Track guten Tag und auf Wiedersehen sagen muss. Das habe ich bei meinen ersten Live Acts als Dub Taylor auch versucht…

DEBUG: …guten Tag und auf Wiedersehen sagen?

DUB TAYLOR: Nein, natürlich nicht, obwohl ich es von der Tastatur her, wie To Rococo Rot z.B., hätte anbieten können. Taste drücken und “Guten Tag”. Ich hatte versucht, ein Stück zu spielen, dann Pause zu machen, dann nächstes Stück. Das kommt einfach nicht. Die Leute wollen durchgehend mit dem 4 Fuß beglückt werden, wollen tanzen. Also habe ich mir jetzt ein Set zusammengebaut, bei dem alles ineinander übergeht. Und das kam gut. Aber ich mag es auch chilliger. Früher habe ich zusammen mit Jan Gabler viele Ambient Sachen gemacht. Die erste Platte überhaupt, die von mir erschienen ist z.B., Psychoplasma auf Tanjobi (1996). Wir arbeiten schon lange zusammen. Er macht zur Zeit allerdings mehr Graphik und Video als Musik.

DEBUG: Kommst du aus Berlin?

DUB TAYLOR: Ja, ich bin Ur-Berliner, mit allem drum und dran. Immer mal zwischen den Bezirken hin und hergegondelt, aber immer hier.

DEBUG: Wie hast du die Leute kennengelernt, auf deren Labeln du veröffentlichst? Von USM über Müller bis hin zu BCC ist doch ein breites Spektrum.

DUB TAYLOR: Wir haben immer alle über verkauftes Equipment kennengelernt. Frank Müller, die Randmusik Leute, Dole und Kom von BCC. Die standen da, und wat ham wer jemacht? Ganz geschickt immer Titel vom DAT laufen lassen, wenn jemand kam. Man konnte ja nie wissen. So sind wir irgendwie reingerutscht. Unsere Elektro Sachen warten immer noch drauf, mal rausgebracht zu werden. Vielleicht machen Rand Musik ja auch noch mal eine Single von Jan. Es ist natürlich auch schwer, weil Elektro zur Zeit gar nicht mehr funktioniert und ein ziemliches Minusgeschäft sein kann, wenn es nicht so retro ist. Rand riskieren ziemlich viel. Die haben extreme Sachen gemacht, die niemand sich getraut hätte. Ich arbeite gerne mit ihnen zusammen. Hair, die zweite, von mir und Ulrich Schnauss z.B. war so ein Wagnis, obwohl sie richtig gut war, da sie lange, bevor alle anderen 80er gemacht haben, schon das Thema hatte.

DEBUG: Du arbeitest gerne mit anderen zusammen.

DUB TAYLOR: Ja, wenn ich alleine Sachen mache, dann bin ich nicht objektiv. Bei funktionaler Musik weiß ich ja was geht, aber bei Projekten wie Korsakow, die ziemlich zeitintensiv sind, da hole ich mir immer erst Rat und spiele das anderen vor, die mir sagen können, ob ich daran weiterarbeiten soll. Das ist schon wichtig. Manche Sachen gehen einfach nicht. Es bringt nichts, wenn man das als einziger gut finden kann.

DEBUG: Dub Taylor ist also das Projekt, das im Moment am besten funktioniert.

DUB TAYLOR: Auf jeden Fall. Das schlägt meine Rekorde. Ich habe auch im Moment soviel Output in dieser Richtung, dass ich schon gar nicht mehr weiß, wo ich es unterbringen könnte. Ich habe mir schon ein paar neue Pseudonyme ausgedacht. Korsakow ist dagegen sehr bedenklich geworden, auch weil es für mich eine Experimentierplattform ist. “Live In Paris” war eine bunte Mischung, was ich liebe. Nichts finde ich langweiliger, als wenn jeder nächste Track genau das macht, was die vor ihm auch gemacht haben. Grade wenn es CDs sind. Olaf von Raummusik ist glücklicherweise für jeden Scherz zu haben, und ich war glücklich, dass ich endlich mal diesen Punktitel rausbringen konnte. Es ist zwar ein technoorientiertes Album, aber bleibt dennoch gemischt. Jeder sollte viel verschiedene Musik zuhause haben.

DEBUG: Grade bei Minimalhouse sind allerdings einige sehr fokussiert.

DUB TAYLOR: Man kann aber auch nicht stehen bleiben. Irgendwann wird auch Minimalhouse nicht mehr so angesagt sein. Sieh dir doch mal an, was mit Diskohouse passiert ist. Was ist da alles abgegangen. Bassdrum, irgendein völlig abgekautes Loop durch den Filter, stundenlang, ganze Abende warst du weg und hast getanzt, das läuft mittlerweile in Berlin gar nicht mehr. Nicht mal in einem Laden. Was nicht heißt, dass ich Dub Taylor einstellen würde, wenn es nicht mehr gut liefe. Ich habe stapelweise unveröffentlichte Acidtracks zuhause. Könnte gleich mehrere Alben machen, wenn es jemand braucht….

DEBUG: …es muss aber auch nicht sein…

DUB TAYLOR: …aber irgendwann wird jemand wieder einen Hit mit 303 machen, und dann werden wieder alle an dieser Kiste rumpulen, und ich werde am Start sein mit meinen 3 Acid Alben. Naja. Nicht ganz. Auf den ersten Dub Taylor Platten waren z.B. auch ältere Tracks mit drauf. Die damals nie jemand wollte.

DEBUG: Was hast du zu Berlins größter Technozeit gemacht?

DUB TAYLOR: Ich hab früher mal aufgelegt. Zu Trancezeiten. Ein paar Partys organisiert, als ich mal ein Jahr in Hellersdorf in einem Neubauviertel gewohnt habe. Man konnte damals auch noch so alles ineinander Mixen. Aber durchs produzieren, das ist ja auch unheimlich teuer, habe ich dann die Plattenspieler verkauft. Zu Beginn, 92, 93 haben wir mit Amiga 8Bit Samples rumgebaut. Ich kam mehr aus der New Wave Ecke und wollte immer einen Sound haben wie New Order. Aber ich wusste nicht (flüstert…) “Welche Drummachine haben die denn jetzt?”. Als ich mir damals dann billig eine 909 gekauft habe, war ich begeistert, weil sie klang wie eine New Order Platte. Ich kannte dann auch jemand mit einer 303, und eine 808 habe ich auch noch besorgt, und dann dachten wir uns… Acid. Was schnell durch war, weil es alle hörten, es überall lief, das wurde langweilig, weil eh immer das selbe aus den Kisten kam. Dann haben wir mit Ambient angefangen. Daher kommt so etwas wie Dub Taylor auch. Weil wir irgendwann mal gesagt haben: Mach da doch mal eine Bassdrum rein. Es ging nie darum zu sagen: Kling doch mal wie die, dafür haben wir immer schon zuviele Sachen gemacht, die keiner verstanden hat. Ich habe eigentlich, trotz Arbeit, immer nur Musik gemacht, und abgesehen mal von meiner Freundin ist der Rest wirklich total nebensächlich. Und das Ziel ist dann tatsächlich so etwas wie ein ruhiges Leben, Miete zahlen können und so, vielleicht noch ein kleines Auto, mit dem man das Equipment hin und her fahren kann, aber vor allem Musik machen, die einem Spaß macht.

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Elektronische Lebensaspekte.