Mit der Elektronika ist es vorbei.
Text: Christian Blumberg aus De:Bug 137

Das neue Album von Anders Remmer aka Dub Tractor enthält neun Songs, in denen Gitarrenfiguren, Bassläufe und vor allem Vocals nicht länger nur ein Schattendasein fristen. Und der Info-Zettel zu “Sorry” nennt Remmer jetzt eine “fully blown one-piece indie band”. Die gerne als musikgewordene Inneneinrichtung belächelte Elektronika schien Remmer zu neutral, um sich musikalisch auszudrücken. Zudem die Lyrics verraten, dass es nicht gerade die glücklichste Zeit seines Lebens gewesen sein dürfte, in der “Sorry” entstand.

Remmer verschanzte sich in seinem abgedunkelten Kopenhagener Studio und ließ niemanden auch nur einen Ton hören, bis das Album fertig war, denn es sollte unbedingt emotional und kompromisslos werden. Die neun Songs des Albums sind von getragenem Tempo, es sind elegante, Morbidezza-versprühende Klagelieder. Sie haben dieses Shoegaze-Gefühl, weswegen sie auch perfekt in den Herbst dieses Jahres passen, hat doch das Betrachten von Schuhen 2009 wieder Konjunktur.

Remmer freut das, er hat den Shoegaze vermisst. Nicht nur dessen Sound, sondern vor allem die Haltung dahinter: “Ich mag Musiker, die auf der sozialen Ebene nicht funktionieren. Die nicht nett und gesund aussehen. Ich mag Amateure, traurige und wütende Einzelgänger. In den letzten Jahren war Indie einfach viel zu nett, zu gestylt – es wurde langweilig.“

Das Konzept von Dub Tractor sei hingegen immer gewesen, möglichst isoliert von äußeren Einflüssen zu arbeiten. Und auch wenn Remmer selbst ein gut vernetzter Teil der Kopenhagener Elektronik-Szene ist – gerade stellt er mit Jesper Skaaning und Thomas Knak ein neues System-Album fertig – soll “Sorry” völlig unabhängig von dieser funktionieren. Dabei wusste Remmer vorher nicht einmal, ob er solch vergleichsweise klassisches Songwriting überhaupt beherrsche: “Ich wollte etwas tun, von dem ich nicht sicher war, ob ich es kann“, erklärt Remmer, der Musik immer dann am spannendsten findet, wenn Künstler sich noch ausprobieren, anstatt ein klares Ziel zu verfolgen.

Und so mäandern die neuen Klangwelten des Dänen zwischen schillernd-klaren, digitalen Sounds und verwaschenen Gitarren. Sounds, die oft im Hallraum verloren zu gehen drohen. Remmers Gesang ist dagegen immer präsent, seine Stimme hält alles zusammen. “Sorry” wirkt im guten Sinne betäubend, es ist schwer melancholisch und erhebend zugleich. Und draußen wird Herbst.

Dub Tractor, Sorry, ist auf City Centre Offices/Indigo erschienen.

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Elektronische Lebensaspekte.