Stefan Heidenreich über Werbe-Kitsch
Text: Stefan Heidenreich aus De:Bug 111


Dolce & Gabbana Werbung, Vogue Italia 01/ 07

Es gibt Phantasien, die sich ganz im Naheliegenden und in Kitsch, anders gesagt: in Dummheit und Oberflächlichkeit verlieren. Diese hier gehört ohne Zweifel dazu. Nichts, das entschlüsselt werden müsste. Nichts, das über die offensichtliche Plattheit einer Photographen-Macht- und -Männer-Phantasie hinausgeht.

Ein anderes Bild aus der gleichen Serie hat für einiges Aufsehen gesorgt, auch wenn es noch dümmer daherkam. Dort ließ D&G eine Szene nachstellen, die eine Vergewaltigung nahe legt. Immerhin könnten Werber die Empörung noch als Gewinn an Aufmerksamkeit abbuchen.

Um wirklichen Ärger zu erregen, ist dieses Bild zu blöd. Bleibt also nur ein letztes Rätsel. Es ist ethnographischer Natur. Welchem seltsamen Stamm aus der großen Nation von Konsumenten könnte dieses Bild gefallen? Wie sieht der Mensch aus, der sich ein solches Motiv betrachtet und zu seinem Freund sagt: “Geil!“

Aber dieses Rätsel fällt zum Glück in die professionelle Zuständigkeit der Werber. Von denen einige dieses Motiv offenbar gut geheißen haben. Womit sich immerhin ein Kreis schließt.

Null Punkte.

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Elektronische Lebensaspekte.