George Lucas hat sie. Danny DeVito nutzt sie auch. Die Qualität der neuen digitalen Kamera 24p hat Hollywood im Sturm überzeugt. Sie ist mit ihren 65 000 Dollar unschlagbar günstig, für demokratische Produktionsmittel immer noch zu teuer und doch der nächste Schritt, das Material Film in nostlagische Bastelstuben zu verdrängen.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 54

Hollywood hat sich verliebt
24 Bilder pro Sekunde, progressiv

Mit einer 24p-Kamera gedreht: Das war das eigentlich Interessante an der Shakespeare-Adaption “Rave Macbeth”, die Anfang November in die Kinos kam. Mit dem Inhalt – Macbeth als Raver, der den Drogenhandel im Club kontrollieren will – mag man sich lieber nicht auseinandersetzen. Besser damit, dass er digital mit einer 24p-Kamera aufgenommen wurde. Die kann nämlich multitasking, ist multiformatig und superflexibel, aber nicht pflegeleicht. Nach skeptischem Zögern sind sich trotzdem in Hollywood mal ausnahmsweise alle einig, dass man für sie einen Altar aufstellen sollte. Nix Teuerramsch, sondern Technorevolution.

Alle Pixel unsichtbar
Danny DeVito und Robert Rodriguez benutzen die 24p und George Lucas will nie mehr einen Film auf Film drehen, seitdem ihm diese digitale Kamera über den Weg gelaufen ist. Die erste Serie in diesem Format ist in den USA zu sehen: “100 Center Street” von Sidney Lumet. 24p oder 24fps heißt ausgeschrieben “Progressive Scan High Definition Digital Video”. Die 24 steht für die Bilder oder Frames pro Sekunde, das p für progressiv und bedeutet zukunftsweisend, dass sie ohne Halbbilder wie sonst videoüblich arbeitet. Multiformatig angelegt, kann man erstmals mit variablen Frameraten aufnehmen und ein NTSC-Video (der US-Videostandard) oder ein PAL (der Europäische) oder einen 16mm, 35mm und – allerdings das sieht man – einen 70mm-Look-a-like draus machen. Im Zaubern ist sie auch schon ganz gut. Nach wie vor ist der Unterschied von DV zum Film das direkte Justieren während der Aufnahme, die gleichzeitig fertiges Bild und Ton ergibt. 24p ist High-End und mehr als nur DV für Extrawürste. Da konnte man lästern, dass bei Geschwindigkeitsaufnahmen die Pixel sichtbar werden, und scharf war es noch nicht richtig. Ersteres bekommt die 24p in den Griff. Sony erhielt dafür gerade einen technischen Emmy und hat mit Panavision eigens für die “Star Wars”-Folgen die CineAlta entwickelt, einen weitergefrickelten Hybrid zum 35mm-Filmen.

Zukunft digitales Fernsehen?
In Deutschland sind die Kameras nur bei Werbeclips und Hochschulprojekten angekommen. Vielleicht hilft das Warten aufs Digitalfernsehen. Das hofft Hans Kraus von der Media! AG in München, die ihr Equipment an die deutsch-kanadische Produktion “Rave Macbeth” verleihen. Schließlich passt 24p praktischerweise auf die TV-Distributionsformate HDTV (High Definition Television) und SDTV (digital Standard Definition Television) mit einer Auflösung von 1920×1080, daher die Bezeichnung 2k für 2 Millionen Pixel. Auf dem hart umkämpften amerikanischen Fernsehmarkt kann sie diplomatisch die Sender versöhnen, von denen jeder seinen Standard durchsetzen will.
Aber was nutzt der Technik-Vorsprung, wenn man ihn nicht dem DV-Medium entsprechend zu gebrauchen weiß? Was helfen ausgefeilte Gadgets, wenn man eigentlich einen 35mm fürs Kino günstiger drehen will?
Noch dazu verspricht die 24p keine demokratischeren Produktionsmittel für Indiefilmer. Die 24p ist noch ein bisschen teuer für den Heimgebrauch, die neue Panasonic zum Beispiel ist ein Luxusspielzeug für 65 000 Dollar, mit Linsen 30 000 bis 50 000 Dollar mehr, dafür hat sie Rennfahrer-Effekte auf Lager wie “Warp Speed” und “Motion Blur”. Man aber auch Kameras für bis zu 10 000 Mark pro Tag bei der Media!-AG mieten. Im Moment sind die Produktionskosten also genauso hoch wie mit herkömmlicher Filmentwicklung im Kopierwerk und AVID-Schnitt. Als Alternative haben Pinnacle letztes Jahr mit ihrer CinéWave-Karte zusammen mit der Final Cut-Software von Apple ihr billigeres Schnittsystem als Desktopanwendung für den G4 zu Hause vorgestellt.

Byebye Film
All dieser Technikschnickschnack sollte aber trotzdem klarstellen: Um die Universalwaffe 24p wird früher oder später keiner herumkommen, weil sie durch ihre verschiedenen Ausgabeformate alle glücklich macht und auf lange Sicht viel billiger kommt als Film. Den wird es immer geben, nur irgendwann hat er den Status von Super8-Material in der Bastelkammer von Nostalgikern. Old School-Filmemacher mit der Schere am analogen Schnittplatz und Frickelfreunde der Special Effects werden sich mit der 24p friedlich gegenseitig aushelfen.

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Elektronische Lebensaspekte.