Sozialkritik mit Robotern und schleimigen Einäugern
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 143

Es ist eigentlich ein groß angelegter Quatsch. 1984 startete “The Tripods” auf der BBC und übernahm den heiß begehrten Slot von Dr. Who am Samstag zur Tea-Time. Das ZDF strahlte “Die dreibeinigen Herrscher” ab 1986 aus. Die Science-Fiction-Serie, die auf den Büchern von John Christopher basiert, ist ein klassisches Jungs-Abenteuer à la Fünf Freunde, nur mit Robotern. In einer weit entfernten Zukunft lebt die Menschheit wie im Mittelalter, regiert und kontrolliert wird alles von den Tripods, gigantischen Robotern, die auf ihren drei Beinen durch die Gegend stolzieren.

Den Menschen geht es gut, einen eigenen Willen haben sie aber nicht mehr. Der Grund: Pünktlich zur Volljährigkeit bekommen alle ihr Gehirn gründlich gewaschen und tragen ab diesem Zeitpunkt eine Art Goldkrönchen unter den Haaren, das nicht nur jegliche Neugier ein für alle Mal abtötet, sondern die Menschen gleichzeitig auch mit einer Art GPS-Sender ausstattet, damit die Roboter immer wissen, wer sich wo aufhält. Autos, die Eisenbahn, der Computer … jegliche Technologie unserer Zeit sind den Menschen fremd, Autowracks am Straßenrand oder Hochspannungsmasten werden mit einem großen Hallo neugierig beäugt.

Doch es gibt Rebellen. Die leben im Inneren des Mont Blancs und dorthin machen sich zwei englische Kids auf, um sich ihnen anzuschließen. Das ist, kurz zusammengefasst, die Handlung der ersten Staffel. Erstmals auf deutsch erscheint jetzt auch die zweite Staffel auf DVD. Die hat es in sich, denn die Rebellen schleusen Saboteure in die Stadt der Tripods ein, um genug Informationen zu sammeln für einen möglichen Angriff. Großes Kino. Die Stadt ist über einem alten Atomkraftwerk gebaut, sieht aus wie Metropolis und die Tripods werden gesteuert von ebenfalls dreibeinigen, schleimigen Einäugern, die sich Menschen als Sklaven und zur Unterhaltung halten.

Es ist eine skurrile Mischung aus Steampunk-Nostalgie, echter Science Fiction und Enid-Blyton-Trash, die aber durch eine amtliche BBC-Produktion enorm gut abgefedert wird. Das hat damals Millionen verschlungen, dass alles Fake ist, sieht man natürlich trotzdem. Gut so, visionär ist es allemal. Vielleicht zu visionär, denn die Quoten der zweiten Staffel waren so schlecht, dass die dritte, bereits geplante Staffel, einfach gestrichen wurde. So weiß man auch nach der neuen DVD-Box nicht, ob und wie die Geschichte ausgeht. Das ist schade, die Bücher möchte man aber dennoch nicht lesen. Regie führte übrigens Christopher Barry, der sich seine Sporen schon mit Dr. Who verdient hatte.

http://www.kochmedia-dvd.com

13 Responses

  1. Phon.o

    Oh, die habe ich damals geliebt, belacht und gefürchtet. Grossartig!

  2. Peter

    »In einer weit entfernten Zukunft lebt die Menschheit wie im Mittelalter«

    Das coole war damals, dass die erste Folge am 05.07.2089 (glaube ich) spielt und gesagt wird, dass die dreibeinigen Herrscher 100 Jahre zuvor auf die Erde kamen. Von daher war die düstere Zukunft 1986 nur drei Jahre entfernt.

    »die Bücher möchte man aber dennoch nicht lesen«

    Sollte man aber, das dritte Buch ist nämlich sehr gut. Enid Blyton habe ich übrigens nie erkennen können. Dafür habe ich noch Jahre später von den Greifarmen der Dreibeiner geträumt.

  3. geheim

    [17:32:37] Sebastian Gregor: versteh die formulierung nicht
    [17:33:31] Sebastian Gregor: will er sagen, dass man die bücher nicht lesen will (so stehts da), oder dass man die bücher nicht lesen sollte weil die doof sind und deshalb man sie nicht lesen wollen sollte
    [17:33:46] stefanpartmann: entweder die sind schon soweit es niocht zu lesen weils nicht auf dem ipad gibt, oder sie meinen die story gibt nicht genug her
    [17:34:21] stefanpartmann: oder sie findens halt nur filmisch interessant
    [17:34:33] Sebastian Gregor: tja. und da zwischen den beiden auslegungsarten welten liegen hätt ich gern die motivation gewusst
    [17:34:50] Sebastian Gregor: edit: nicht beiden sondern multiplen