Peter Greenaway dokumentiert Monk, Glass, Cage und Ashley
Text: ed aus De:Bug 111


Four American Composers
Peter Greenaway
Absolut Medien, 2 x DVD, 220 Minuten

Philip Glass’ und Meredith Monks Arbeiten aus den letzten Jahren sind kaum auszuhalten, richtig übel. Greenaways Dokumentationen der beiden zeigen aber schnell, dass Monks früheste Filme und Performances absolut bahnnbrechend waren (das Philip Glass Ensemble hat schon immer eher genervt, oder?). Neben Monk und Glass präsentiert der Engländer John Cage und Robert Ashley: gilt letzterer als Erfinder der TV-Oper, so ist Cage natürlich der auf immer unangefochtene Meister, wenn es um experimentelle Komposition und das radikale Ausschöpfen solcher Konzepte wie Notation, Künstler etc. geht.

Greenaway fängt nicht nur zum Großteil berauschende Live-Konzerte aller vier Komponisten ein, er stellt auch extrem gute Fragen, die jedem Profi und allen Laien den Zugang zu der meist schwierigen Musik leichter machen. Es geht ihm vor allem um die nordamerikanische Kreativität nach dem 2. Weltkrieg, deren Output die europäische Strenge und Melancholie von Boulez bis Stockhausen locker abgestreift und in nie dagewesene Bereiche humoristischer, ironischer und spiritueller Kraft vorgedrungen ist. Produziert wurden die vier 55 min Features im Jahr 1983 für das englische Fernsehen und sind aufgrund ihrer damals ungewöhnlichen Herangehensweise an das Genre der Dokumentation selbst als überaus wichtiges Artefakt postmoderner (yuk!) Kunst anzusehen. Aber mehr noch: Neben Michael Nymans Buch “Experimental Music” ist die Reihe “Four American Composers” ganz klar eines der unumgänglichen Werke aus England, um das es kein herum gibt, wenn man auch nur ein wenig Neugier auf das wahnsinnig tiefe Musik-Universum hat, das zumindest in seinen ersten Jahren rein gar nichts mit der Banauserei Pop zu tun hatte.

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Elektronische Lebensaspekte.