Meditatives Ambient-Horrorkino, schwer verstörend
Text: Anton Waldt aus De:Bug 117


Kiyoshi Kurosawa
Loft
Rapid Eye Movies

Der neue Horror des japanischen Regisseurs Kyoshi Kurosawa ist Kost für wirklich Hartgesottene. Allerdings nicht im herkömmlichen Horrorsinn hartgesotten, sondern kopfstark in der Tradition von Andrei Tarkowskis “Solaris”. Denn auch in “Loft” sind die Stille und eine fies dräuende Unentschiedenheit der Handlung die nervenzehrenden Faktoren, klassische Horrorfilmschockelemente finden sich dagegen kaum. Kurosawa – übrigens nicht verwandt mit dem gleichnamigen Regie-Altmeister – liefert hier so etwas wie ein meditatives Ambient-Horrorkino, das seine verstörende Wirkung durch Reduzierung erzielt.

Dabei ist die Handlung in “Loft” eigentlich ziemlich übersichtlich: Die Bestsellerautorin Reiko wird von der Sinnkrise geschüttelt, sie raucht zu viel, erbricht schwarzen Schleim und kriegt keine gerade Zeile mehr aufs Papier. Das gefällt ihrem Verleger natürlich überhaupt nicht, weshalb er auf die grandiose Idee verfällt, Reiko in einem Ferienhaus unterzubringen, auf dass die Einsamkeit die Produktivität befördere. Statt einer erholsamen Landfrische erwarten Reiko allerdings ein Sumpf, eine Moorleiche und ein attraktiver Archäologe, der den Körper aus dem Moor konservieren soll. Logisch, dass diese Mischung eher Halluzinationen als frische Romanideen provoziert und das Verhängnis seinen Lauf nimmt. Allerdings ganz langsam und sehr schweigsam.

Kurosawa entfernt sich damit in “Loft” weiter von gängigen Erzählmustern, und das kann einerseits enorm nerven, andererseits einen faszinierenden Sog entfalten. Um sich an diesem Film zu erbauen, braucht es auf jeden Fall eine besondere emotionale Ausgangslage.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.