Grober Unfug, Style und Verzweiflung
Text: Uh-Young Kim aus De:Bug 123


Steak
Regie: Quentin Dupieux
DVD (Import), La Petite Reine, 2007

Auf einer Landstraße irgendwo in Frankreich überschlägt sich ein Militärfahrzeug wegen eines weggewehten Toupets. Ein Junge mit speckigen Sneakers, Allerwelts-Skijacke und dicken Kopfhörern rollt auf einem Skateboard an. Am Unfallort findet er eine Uzi und fährt in die verhasste Schule. Gleich in der ersten Minute zeigt Quentin Dupieux, worum es in seinem Debütfilm “Steak“ geht: grober Unfug, Style und Verzweiflung.

Dupieux ist eher als Mr. Oizo bekannt, O.G. der Ed-Banger-Rotznasen und ein Meister der puren Intensitäten. So wie er nach dem Megahit von “Flat Beat“ den angefixten Mainstream mit einem kruden Downtempo-Album vor den Kopf stieß, wirft Dupieux nun unter dem Deckmantel einer abendfüllenden Komödie ein durch und durch idiosynkratisches Universum auf die Leinwand. Falls Referenzen überhaupt weiterhelfen, möge man sich eine bizarre Mischung aus “Rebel Without A Cause“, “Quadrophenia“ und “Clockwork Orange“ in Christian-Petzold-Land vorstellen.

Die jugendliche Sehnsucht nach Zugehörigkeit treibt im Jahre 2016 seltsame Blüten – ohne plastische Chirurgie geht gar nichts mehr. Zwei Deppen wollen in die It-Group des Kaffs. Die Coolen nennen sich Chivers und pflegen absurde Rituale. Nebst kniffliger Begrüßungsformel besaufen sie sich mit Milch, spielen Vollkontakt-Cricket und Frisbee ferngesteuert, sind außerdem militante Nichtraucher und hören in ihren Pick-Up-Trucks total abgedrehte Musik – nämlich den phänomenalen Soundtrack produziert von Mr. Oizo, dem französischen Eurovision-Vertreter Sebastien Tellier und Ed Bangers SebastiAn (auch in einer Nebenrolle zu sehen).

Trotz aller Albernheit verstört der Film, wenn sich etwa zu verspulten John-Carpenter-Synths der blanke Horror der Anpassung, aber auch die Power identitätspolitischer Codes breitmacht. Was damals Flat Eric war, ist diesmal das Comedy-Duo Eric & Ramzy in den Hauptrollen. Angelockt von ihren in Frankreich bekannten Blödeleien empfanden Kritiker und Publikum den radikalen Humor als Zumutung. Der Film floppte grandios. In Deutschland hat sich noch kein Verleih für das Weirdo-Werk gefunden. Dabei hätte er auch hier das Zeug zum Kultfilm.

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Elektronische Lebensaspekte.