Mit B-Film-Stil durch die Wand
Text: Jan Joswig aus De:Bug 114


Paul Verhoeven: Klassiker Edition
Eurovideo

Immer noch zerreißen sich alle das Maul, wenn ein neuer Verhoeven rauskommt. Wahrscheinlich lacht er sich jedes Mal kaputt. Die Hollywood-Phase des holländischen Regisseurs von “Total Recall” über “Starship Troopers” bis zu seinem aktuellen, wieder in Holland gedrehten Nazi-Kolportage-Drama “Black Book” hat jeder im Blick. Immer hat er einen anarchistischen Spaß daran, Genre-Gesetze so zu verbiegen, dass sie etwas Schmuddeliges, Drastisches, Absurdes bekommen, einen B-Film-Charakter, egal, wie viel Budget er verbrät.

Angefangen hat er in Holland wirklich mit B-Filmen. Filmen, die den Autorenfilmer-Ansatz mit dem plastischen Leben anfüllen, das man von Exploitation-Krachern kennt, darin dem Buchautor Pitigrilli oder dem deutschen Regisseur Roland Klick nicht unähnlich. In den besten Filmen seiner Frühzeit hängt in den ersten Sequenzen der Schwanz des Hauptdarstellers ins Bild und ein Rachemord wird imaginiert. Das ist bei dem geheimen Klassiker “Türkische Früchte“ so, der vom derben, Sex-fidelen Chauvi-Schwank zum zartfühlenden Melodram umkippt, und in “Der vierte Mann“ mit seiner Wirklichkeitshinterfragung im Stile Brian de Palmas. Alleine diese beiden Filme würden jede DVD-Sonderedition zu Verhoeven rechtfertigen. Ergänzt durch die Kostümfilme “Das Mädchen Keetje Tippel“ und “Der Soldat von Oranien“ erhält man mit dieser 4-DVD-Box einen Einblick in die Frühphase eines Regisseurs, dessen Filme mit ausgesprochenem Stil durch die Wand wollen.
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