Großer Spaß für Connaiseure des Rotzdämlichen
Text: Anton Waldt aus De:Bug 112


Sledge Hammer
Season 1 + 2 (USA, 1986/87)
NewsKSM

Sledge Hammer ist eine TV-Serie über schießwütige Bullen und Polical-Correctness in der Zucker-Abrahams-Zucker-Tradition: Monoton gestrickte Gags bedienen überzeichnete Klischees und lassen im besten Fall wohlig erschauern, weil man trotzdem mit aufrichtiger Freude lacht. Zu 85 Prozent ein Jungsding, ein zuverlässiger Spaß für Alberne und Kiffer. Beim Wiedersehen auf DVD werden zunächst Erinnerungen an TV-Zeiten wach, als nachts noch keine Ruf-an-Shows liefen und Serienschätzchen wie Hammer von Mitternacht bis vier Uhr morgens jahrelang in der Recyclingschleife liefen.

Der perfekte Platz für Serien, die man als DVD eher mal nicht rumliegen hat: Schon wie David Rasche seinen blonden Schopf vom Cover reckt, die verchromte 44er Magnum ins Bild hält und dazu diesen “lustigen” irren Blick aufgesetzt hat. Das unsägliche Grimassieren suggeriert unabstreitbar: “Mach dich mit nem Sixpack vor der Glotze locker, Kumpel.” Und dann kommt Hammer auch noch aus der Phase, als politische Unkorrektheiten im Fernsehen gerade aufhörten, politisch unkorrekt zu sein. Typen wie Sledge Hammer (erste Staffel: ´86), und Al Bundy (´87) haben die postmoderne Beliebigkeit eingeläutet, die inzwischen so weit gediehen ist, dass sich über Borats “Zigeuner-Verarsche” niemand mehr ernsthaft aufregen mag. Hammer spielt dagegen immer noch gegen Reste von ernsthafter Empörung an, was sein präpotentes Geglubsche noch unerträglicher macht, weil hier Zoten mit der Inbrunst des Nonkonformismus vorgetragen werden. Ganz großer Spaß für Connaiseure des Rotzdämlichen.
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Elektronische Lebensaspekte.