Silent Shout – An Audio Visual Experience
Text: Björn Bauermeister aus De:Bug 111


The Knife
Silent Shout – An Audio Visual Experience
Cooperative Music

Musik kann Bilder malen und in ihrer Wirkmächtigkeit stärken. Gleiches gilt für den umgekehrten Fall, sprich die Effizienz visueller Untermalungen von Musik. The Knife haben sich das Interagieren von Bild und Ton zum Konzept gemacht: Musik, die nach Bildern schreit. Ein im letzten Jahr in Göteborg aufgenommenes Livekonzert hält dieses Konzept und die sinnliche Relation zwischen Musik und Bildern fest. Eine Audio-CD bietet 10 Live-Tracks über eine Länge von 50 Minuten, die für sich genommen eher schwach und eindimensional klingen. Im Falle des schwedischen Duos weiß man, dass dies nur die halbe Wahrheit sein kann. Das synergetische Gegenstück folgt in der vermeintlichen Beilage. Auf der DVD wird das visuelle Komplementärstück zur erwähnten Liveaufnahme geliefert – und damit das, was der Musik bis dahin fehlte: eine wärmende, alles umarmende Atmosphäre. Nur so wirkt The Knife.

Neben diesen Liveaufnahmen für Auge und Ohr gibt es noch knapp ein Dutzend Videos. Es beginnt mit einem gut gemachten, schlichten schwarzweißen Comicvideo, gefolgt von einer ästhetisch recht eigenwilligen visuellen Umsetzung von dem großen “Heartbeats“. All das, was folgt, kokettiert mal mehr, mal weniger mit Dingen zwischen Billiglook und Achtzigercharme. Außer “Pass This On“, dies feminin-maskuline, zum Tanz auffordernde Video, das schlichtweg nur verwirrt. Aber es wird noch weitaus verstörender, eigenwilliger und ästhetisch brisanter. Und damit ist man auf die Essenz des schwedischen Geschwisterpaares gestoßen: die sinnliche Eigenwilligkeit, die stets in einer bestimmten Kühle und Düsternis auftaucht. Eine anziehend distanzierte Wirkmächtigkeit. Letzten Endes wird auf dieser CD-DVD-Kombination viel Material geboten, das eindrücklich verdeutlicht, dass bestimmte Musik eine bildhafte Untermalung braucht, um sich zu entfalten. Nichtsdestotrotz wird man letztlich mit der Frage zurückgelassen: Was wären The Knife ohne ihre eigenwillige Ästhetik und ihr visuelles Konzept? Vielleicht nur eine durchschnittlich imposante Erscheinung. Aber so ist das eben mit Musik, die nach Bildern schreit.

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Elektronische Lebensaspekte.