Nachträglich gut in die Gosse getreten
Text: Jan Joswig aus De:Bug 114


The Rio Club Experience
Netz Spetzman
Nuttyfilms Berlin

Leider bleibt es ein ehernes Gesetz: Aktuelle Club-Dokumentationen aus Berlin sind grottig. Erst das Heimvideo “Feiern“ mit den überrumpelten Profi-Ravern, jetzt die Abschluss-DVD zum Ende des Rios. Das Rio war der Club, der Berlin auf die Landkarte von Electroclash/New Rave setzte, in einem Munde geführt mit der Boombox in London oder den Williamsburg-Partys von Larry Tee. Hier wurde sich mehr aufgetakelt und mehr zerstört als anderswo.

Eine DVD mit Livemitschnitten von den Acts, denen die Musik so wichtig ist wie ihr Outfit, und dem Publikum, dem sein Outfit immer wichtiger war als die Musik, hätte absolut Sinn gemacht. Denn zu sehen gab es viel im Rio. Aber Regisseur Natz Spetsman missbraucht die “Rio Club Experience“ als Vehikel für seinen Endlossermon. Vor grobkörnigem Footage deliriert er im Whiskey-Tonfall eines Schwarze-Serie-Detektivs über die Nacht und sich selbst, wahrscheinlich hält er sich für Charles Bukowski. Damit hat er das Rio nachträglich gut in die Gosse getreten.

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Elektronische Lebensaspekte.