Sexy Eigenbrötler in Domestosjeansjacken
Text: Jan Joswig aus De:Bug 113


Tokyo Eyes
Jean-Pierre Limosin
Arthaus

Diese Neon-Romanze von 1998 ist ein Teenager-Traum. Und ein Nerd-Traum. “Tokyo Eyes“ spielt in dem kurzen historischen Moment, als Computerspieler noch Vinyl horteten und Domestosjeansjacken trugen – und deshalb die Flygirls auf ihrer Seite hatten. Das war vor dem Zusammenbruch von Web1.0. In einer Zeit, als Eigenbrötler sexy sein konnten. In prekären Zeiten, in denen nur Networking das Überleben sichert, ist so was natürlich abgeschrieben.

Noch einmal konnte man mit James-Dean-Pose und dem Rezitieren von Serge-Gainsbourg-Chansons punkten. Dass New Wave in vielen Punkten die Wiederkehr der Existentialismus-50er war, zeigt “Tokyo Eyes“ auch mit seinem Finale. Der Jugendtraum endet wie bei “À bout de soufflé“, hier fängt der Teenage-Desperado-Einzelgänger aber die Kugel im Bauch nicht durch die Schuld seiner Freundin ein – die ist nämlich viel emanzipierter als Jean Seberg -, sondern durch die Schuld der scheiß Erwachsenen (in Person von Superstar Kitano Takeshi).
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Elektronische Lebensaspekte.