Japanisches Tryptichon skurriler Geschichten
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 117


V.A.
Unholy Woman
Rapideye Movies

Große Geschichten, die die Welt bewegen. Die japanische Horrortradition ist ja in vielerlei Hinsicht unschlagbar. Mit Unholy Woman gibt es mal wieder ein Tryptichon aus ziemlich skurrilen Geschichten, deren Tagline, “3 Filme, 3 Frauen, 3 Monster”, das Thema ziemlich gut umreißt. Entlang der heiligen drei japanischen Phantasmen (Familie, Arbeit und … nennen wir es mal das Andere) entwickeln sich aus dem ganz normalen Alltag, der hier auch weitestgehend die filmischen Mittel bestimmt, Szenarien, deren Horror vor allem in der Absurdität des Genres, die gleichzeitig seine Notwendigkeit ist, besteht.

In “Stahl” z.B. fällt, als der Lehrling einer Autowerkstadt zu seinem Chef nach Hause kommt, um seine kleine süße Schwester zu einer Kreuzfahrt im getuneten Auto abzuholen, der banale Satz: “Sie näht gerne, sie ist halt ein Mädchen.” Die Spaltung in Realität und Horror fand nur Sekunden vorher statt. Das “Mädchen” von Takuji Suzuki und Naoki Yamamoto steckt unter einem Kartoffelsack, wird über eine Pumpe mit Wasser (pure Annahme) getränkt und wirkt passenderweise noch “mädchenhafter”, wenn sie zum Ausgehen einen kurzen Lederrock und rote Lackschuhe unter dem Sack trägt. So fängt Wahnsinn eben an.

Mama auf der schiefen Bahn

In “Das Klapppern” von Keita Amemiya fällt einer Frau auf einmal eine andere Frau auf den Kopf und ihre Gliedmaßen (nicht dass das jenseits der metaphorischen Schieflage viel mit der an sich überaus klassisch japanischen Gruselfrau-Geschichte der Episode zu tun hätte, die wir euch nicht verraten wollen, denn viel der Spannung lebt von den eigentlich einfachen Geschichten dieser Kurzfilme) sind danach so miteinander verknäult, dass es eine Operation braucht, um sie zu trennen.

Im letzten Teil, einer Landpartie mit dem Titel “Das Erbe” von Keisuke Toyoshima, gerät Mama auf die schiefe Bahn der Familiengeschichte Richtung Scheune, die voller unbegrabener Geister ist. Dezent blutig, auf höchst absurde Weise nachdenklich und für zart besaitete Wesen wie mich durchaus mit mehr als genug Schockfaktor.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.