Dynamo, Traktor & Log, das lose Berliner Kollektiv mit dem Label DIN im Mittelpunkt ist, gemeinsam mit angeschlossenen Künstlern wie Arovane und Monolake, dafür verantwortlich, dass Techno und Elektronika aus Berlin nach wie vor frisch und bahnbrechend sein kann. Von Dynamo liegt nun eine Werkschau auf CD vor.
Text: thaddeus herrmann aus De:Bug 58

Die Details können wir gleich zu Beginn abhaken. Wer für welchen Track verantwortlich war, wer was sequenziert hat und wer die zündende Idee hatte, daran kann und will man sich bei Dynamo (wir einigen uns hier mal auf diesen Projektnamen, denn egal ob nun eben dieser Dynamo oder Log oder Traktor auf den Platten steht, es sind immer dieselben Menschen hinter den Maschinen) nicht erinnern. Einfach, weil es nicht wichtig ist. Genauso wenig wie Namen und die Gesichter dazu. Nicht, weil man diesen ohnehin brütenden Mythos um Berliner Elektronik aus dem Hardwax Umfeld schüren will, sondern weil die Platten, die fertigen Produkte genug erzählen, und alle die, die mehr wissen wollen, keine Schwierigkeiten haben sollten, die hier gefragten Assoziationen auch zu Ende zu denken. Was zählt, kann man hören und muss es nicht erzählen. Die kürzlich erschienene CD “Außen Vor” kompiliert Tracks, die bis in die Anfangsphase des Projekts zurückreichen. Das war 1995, als die erste Traktor 12″ in einer Auflage von 250 Stück erschien. Nicht etwa, weil hier nach dem schon damals bekannten Verfahren Limitierung = garantierter Hype verfahren wurde, sondern weil man sich dem Herstellen von Schallplatten ganz sachte und vorsichtig nähern wollte. Seitdem arbeitet und feilt Dynamo an einem Sound, der Seinesgleichen sucht, also mit Klängen arbeitet, die von anderen Produzenten höchstens zögerlich ausgelotet werden, auch wenn sie sich der Berliner Schule (ihr wisst, was ich meine, und Dynamo zählen wir einfach mal dazu) mehr als verpflichtet fühlen: Rauh, industriell, verschroben und scharf kicken einem die Tracks jenseits jeglicher standardisierter Formeln und (Techno)Gentlemen Agreements um die Ohren, sind dabei extrem feingliedrig gebaut, knochenknarzig und doch eigentlich weit und tief, kurz und gut: allem Anderen da draußen außen vor, was hier soviel bedeutet wie haushoch überlegen.

Rhythm, Funk, Technology

Das ist es eigentlich schon. Was viele als ewige Selbstreferenz an vorgestern verwerfen, ist bei Dynamo gleichbedeutend mit einem musikalischen Lebensmotto, das man ja im Idealfall auch nicht in regelmäßigen Abständen aufstellt, verwirft und neu sucht. Der Rhythmus ist der Mittelpunkt. Wenn etwas nicht groovt, nicht mitreißt und nicht hakelt, wird es sofort wieder verworfen, verrät man mir. Der Funk ergibt sich wie von selbst und die Technologie war und ist das entscheidende Mittel zum Zweck und Ursprung des Ganzen, Grund und Motivation. Technologie heißt bei Dynamo aber nicht, die Fachmagazine immer als erster zu haben und zu lesen, grundsätzlich mit der neuesten Hard- und Software zu arbeiten und zu experimentieren. Dynamo, das ist die Beschränkung auf das Wesentliche. Das Studio ist übersichtlich: eine Maschine, um genau zu sein, ackert an den Tracks, die schon zu Beginn des Projekts aus zweiter Hand zu erstehen war und für die 16 Bit ein Fremdwort ist. Der Rechner wird nicht als PlugIn-Schleuder, sondern lediglich als scharfe Schere verwendet. Gräbt man sich durch den Berg an 12″s oder folgt Schritt für Schritt der CD, wird klar, warum der immer perfektere Umgang mit dem einem zur Verfügung stehenden Equipment wichtiger ist und es um das Erlernen einer gewissen Virtuosität auf dem Instrument geht. Ein Monster PlugIn, dass man innerhalb von zwei Monaten auf 24 Platten hört, ist letztendlich rausgeschmissene Zeit. Von Jahr zu Jahr und Platte zu Platte hat sich das Konzept immer weiter verfeinert, wurde tiefer durchdacht und die Technik mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert. Immer noch außen vor und immer noch weit vorne dreht sich der Dynamo weiter und zeigt, wie man auch ohne Anbiederung an angebliche Hipness seine Soundvorstellungen vorantreiben kann. Rhythm, Funk, Technology eben.

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Elektronische Lebensaspekte.