Text: tjoss may aus De:Bug 28

Die Helferlein Wesen, die niemand missen sollte Die Zimmer, in denen der Haushalt wohnt, sind ja bekanntlich immer die Zimmer im Haus, um die es am übelsten bestellt ist: Phänomene wie Verdreckung, Unordnung und Geruchsbildung kommen eigentlich nur in diesen Zimmern vor, und wahrscheinlich entstehen sie überhaupt erst dann, wenn der Haushalt in ein Haus gezogen ist, um von da an meckernd vor sich hinzuhausen. Und weil diese Tatsache nicht nur ein Phänomen, sondern vor allem ein Problem darstellt, gibt es diese weit verbreitete Schwierigkeit mit dem Haushalt, die sich gemeinhin in der Frage formuliert, wessen Aufgabe es nun sein soll, den Haushalt zum Anstand zu gemahnen. Aber natürlich lässt sich ein Haushalt nichts vorschreiben. Und natürlich möchte kein Mensch in den Dingen, die er tut, permanent von vorn beginnen müssen. Und deshalb braucht es Helferlein. Nicht für den Haushalt. Aber auf jeden Fall für all diejenigen, die mit einem Haushalt zusammenleben müssen, der immer wieder ihren Ärger provoziert. Die Helferlein – intelligente, autonom arbeitende Wesen – schnappen sich, je nach Bestückung des Bestandes an Putzgeräten, entweder den hauseigenen Staubsauer oder auch mal den Besen (wobei sie einen Staubsauger selbstverständlich bevorzugen), schleppen Bierkästen heran und wissen sogar, wann es Zeit ist, den Tee nach Art des Hauses zuzubereiten und ihn hernach dann zu servieren. Alles, was sie tun, tun sie sehr geduldig und lassen sich dabei durch nichts, auch nicht durch die widerspenstigsten Gesellen unter den Haushalten, aus der Fassung bringen. Ein Haushalt ist für ein Helferlein nicht mehr als ein Karte, die sie in den ersten Tagen an ihrem Arbeitsplatz anfertigen, und von da an immer bei sich tragen. Jeder Winkel, jede Türschwelle, jede Wand und jeder Durchgang wird mit sensorischen Augen bespitzelt und sodann auf dieser Karte verzeichnet. Solange nichts einstürzt, nichts umfällt und nichts auseinanderbricht, hat ein Helferlein kein Problem mit dem Haushalt. Reduziert auf Abstände und Proportionen, kann ein Haushalt, tückisch dann höchstens noch, was seine Ecken anbelangt, einem Helferlein nie zu nahe treten. Kein Haushalt kann ein Helferlein wirklich ärgern, denn es ist allein darauf bedacht, möglichst korrekt zu arbeiten und die ihm anvertrauten Aufgaben so zu verrichten, wie es das zuvor gelernt hat. Die Wahl eines Helferleins will daher wohl bedacht sein. Wer seinen Haushalt schon lange als einen garstigen Dorn im Aug’ empfindet und ihm deshalb besonders hart zuzusetzen gedenkt, sollte sich ein Helferlein suchen, dessen Spezialität es ist, alle Pflichten sehr gründlich zu erledigen. Ein Helferlein zu beschimpfen, weil es seine Arbeit angeblich “nicht richtig” erledigt habe, führt erstens zu nichts, da ein Helferlein immer das tun muss, was es tun muss (autonomes Helferlein), und ist zweitens auch nicht rechtens, weil ein Helferlein stets das tut, was es tun soll, und also sowieso immer alles richtig macht (intelligentes Helferlein). Um die Wahl des rechten Helferleins nicht der Willkür zu überlassen, werden für Helferlein-Interessenten von Zeit zu Zeit Veranstaltungsreihen organisiert, in denen die Helferlein auf einem Parcours – im Grundriss zumeist einer typischen Büroanlage nachempfunden – ihre Fähigkeiten demonstrieren können. Meistens sammeln sie Müll vom Boden auf (eine Tätigkeit, die zweifellos zu den wichtigen im Kampf gegen den bösartigen Haushalt gehört) und werfen ihn, so es die Länge ihrer Arme zulässt, d.h. der Rand des Behälters nicht zu hoch ist, in einen zentral im Raum positionierten Abfalleimer. Selbstverständlich gehört auch Staubwischen zu den Programmpunkten der Veranstaltung. Dies ist eine Sache, die von manchen Helferlein nur ein bisschen, dafür aber in jedem Raum, und von anderen nur in einem Raum, dafür aber umso gründlicher in Angriff genommen wird. Es soll sogar Helferlein geben, die das ganze mit einem fröhlichen Pfeifen und Zirpen begleiten, und hierdurch eine durchaus freundlich gemeinte Atmosphäre verbreiten. Wehe dem, der sich einem Helferlein in den Weg zu stellen wagt und damit dessen Schaffensdrang ausbremmst. Wenn auch höflich, so trotzdem sehr bestimmt, wird das Helferlein den Störenfried dazu aufforden, zwar bitteschön, aber auf der Stelle das Feld zu räumen. Menschen, die ihren schwer erziehbaren Haushalt am besten im Feiern von Festen vergessen können, sollten sich auf jeden Fall für ein Helferlein entscheiden, das sehr geschickt im Sektausschenken ist. Und solche, die meinen, dass ihr Haushalt sie dann am sichersten in Ruhe lässt, so sie in ihrem Auto durch die Landschaft flitzen, die beladen ihren Kofferaum sogleich mit einem Helferlein, das nichts lieber tut, als an Tankstellen auszusteigen, Tankdeckel abzuschrauben, Tankhähne anzusetzen und Tankdeckel wieder zuzuschrauben. Auf Zuruf reagieren die Helferlein allerdings aus Prinzip nicht, genausowenig, wie sich mit Helferlein über Hausarbeit streiten lässt. Und ebensowenig sehen sie ein, warum man mit einem Staubsauger, wenn schon in derselben Farbe gehalten wie die Hauskatze, anders umzugehen hat als mit dem Haustier seiner Besitzer. So sind sie eben, die Helferlein: Autonom und sehr intelligent.

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Elektronische Lebensaspekte.