Spotlight auf Soul Clap, Deniz Kurtel, Nicolas Jaar & Gadi Mizrahi
Text: Ji-Hun Kim aus De:Bug 150

Aus dem Special in De:Bug 150: East Coast

Die amerikanische Ostküste schlägt zurück. Das hatte sich im letzten Jahr mit dem globalen Durchstart der Wolf+Lamb-Crew bereits angedeutet. Ob nun Nicolas Jaar, Soul Clap, No Regular Play, Gadi Mizrahi, Zev Eisenstein oder Deniz Kurtel. Als De:Bug die Bande im vorletzten Jahr im Williamsburger Marcy Hotel besuchte, präsentierte sich die Szenerie noch recht beschaulich. Das Label war ja auch noch jung. Aber von da an folgte Hit auf Hit.

Damit tritt eine neue Generation von Produzenten und DJs aus New York auf den Plan, ziemlich genau zehn Jahre nachdem Morgan Geist und Daniel Wang mit Environ und Balihu von hier aus in die Welt aufbrachen. Die Wolf+Lamb-Familie, anfangs noch von Minimal geprägt, fasst inzwischen die Spannweite von auflegbarer Musik und Tempi, von House, Techno, Pop, HipHop bis hin zu Folk so breit, wie die wenigsten. Eklektizismus sagen die einen, Open Mind und nötige Konsequenz im festgefahrenen Clubmusikzirkus die anderen.

Plan ohne Weltherrschaft
Eines ist aber klar: Die Crew hat einen Plan, und auch wenn sie selbst nicht von der gern herbeizitierten World Domination sprechen wollen, dann doch zumindest davon, dass die USA wieder ein wichtiger Ort auf der elektronischen Landkarte werden soll. Allein weil Disco in New York vor über 30 Jahren seine Kommunion erhielt und heute trotzdem kaum ein Amerikaner weiß, dass Techno und House eigentlich uramerikanische Gewächse sind, während der US-Mainstream Dance vornehmlich aus Europa reimportiert, seien es lupenreine Dubstep-Breaks bei Britney Spears oder Electrohouse aus Frankreich und den Großhallen Deutschlands.

Darüber hinaus aber stehen 2011 auch hochinteressante Alben auf dem Plan. Allen voran das heiß ersehnte Debüt von Nicolas Jaar „Space Is Only Noise“. Der von allen Seiten mit Talent attestierte Student mit Hang zu Astatke und überraschenden Twists dürfte einer der Lieblinge des Jahres werden, wenn er es mit seinen Oberfegern wie „Time for us“ nicht ohnehin schon gewesen ist.

Hochgerissene Mundwinkel in der Szene
Auch die Bostoner Soul Clap haben einen tighten Veröffentlichungsplan, neben zwei Mix-Compilations auf No.19 und einer gemeinsamen DJ Kicks mit Wolf+Lamb wird im Herbst auch das erste reine Artist-Album auf dem Williiamsburger Imprint erscheinen. W+L ist indes schon längst nicht mehr das einzige Label aus dem Marcy. Gadi Mizrahi startete jüngst den weiteren Tonträgerableger Double Standard und auch die smarte Deniz Kurtel weiß mit ihrem Debütalbum auf Crosstown Rebels hochgerissene Mundwinkel in der Szene zu produzieren.

Die Tatsache, dass sie ursprünglich aus der bildenden Kunst kommt, vereinigt sie mit Nonchalance ohne Theoriefalten auf der Stirn, sei es in Form von LED-Installationen für ihre eigenen Shows oder auf dem Burning Man Festival. Wir haben uns mit der Crew unter anderem über ihre aktuellen Projekte unterhalten und unser Bauchgefühl sagt laut und deutlich an, dass es sich um mehr als einen kurzfristigen Hype handelt. Oder frei nach Ol‘Blue Eyes: They gonna make a brand new start of it in old New York.

Aus dem Special in De:Bug 150: East Coast

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