Text: easy aus De:Bug 03

Date: Thu, 21 Aug 97 20:51 +0100
From: Eduardo.Pastrana@t-online.de (Eduardo.Pastrana)
X-Sender: 0221842873-0001@t-online.de (Katarina Steinwachs)
Subject: easy-kolumne
To: mercedes@icf.de

hier der text gleich als mail um böse formatattachmentüberraschungen zu
vermeiden (issa dos hier)
bye
Daniela
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Dunkler geht’s nimmer, vorwärts immer (oder Wege aus der Darkness)

Ich muß zugeben, daß ich seit dem ersten Darkness-Rush anno 93 einer der großen
Fans war. Damals definierte sich Darkness im Drum&Bass noch durch Splatter- oder
Horror-Samples oder düster anmutende Synthi-Flächen. Daß es noch einmal so
spannend werden könnte, habe ich bei dem anschließend einsetzenden Ragga-Boom
nicht zu glauben gewagt. Aber mit der Neuentdeckung von Dunkelheit, irgendwann
letztes Jahr, schöpfte ich wieder Hoffnung. Alles schien wieder zu kommen, nur
viel subtiler und nicht so plump wie einst nach dem Motto: böses Sample = böser
Track. 96/97 wurden die Jahre des Darkness-Revivals. Und zur ganz großen Freude
aller hat sich der Koloss “Reinforced” wieder richtig in Bewegung gesetzt, um an
alte Traditionen anzuknüpfen und Upfront-Tracks in Serie rauszuhauen. Eine ganze
Zeit lang waren alle auf ihre eigene Art dark, mit Ausnahme der Jazzy-Fraktion
vielleicht. Da war es ganz egal, daß wir inzwischen wieder im Sommer angelangt
waren und es vielleicht mal wieder angebracht gewesen wäre, neues Sounds zu
testen. In London herrschte, scheinbar bis auf wenige Ausnahmen,
Sonnenfinsternis. Die allerorts so beliebten No U Turns haben sicherlich einigen
Anteil an dieser Entwicklung gehabt, sind die Killer-Tracks doch meist dort
erschienen. Aber auch Rhythmus-Schnippler wie Photek oder Source Direct haben
viel in Schwarz gemalt. Hierzulande blieb niemand von der Entwicklung
unbeeinflußt, und die ernst zu nehmenden deutschen Produktionen fielen, bis auf
wenige Ausnahmen (da muß jemand Darkness mit dümmlichen EBM-Gemetzel in
Verbindung mit Eigenlob (stinkt!) verwechselt haben) erfreulich gut aus.
Letztendlich hat auch die Jump Up-Fraktion noch die Kurve gekriegt und
eingefleischte Lustig-Labels wie True Players oder Frontline klangen plötzlich
seltsam böse. Jetzt steuern wir dem Herbst entgegen und viele stöhnen unter dem
andauernden Fieber. Die Partys arten vielerorts angesichts der dunklen
Plattenflut in böse Immeruffnkopp-Orgien aus. Aber keine Sorge. Die
Veränderungen zeichnen sich deutlich ab. Vielleicht beschert uns der Winter den
neuen Sound, auf den wir alle warten. Die richtungsweisenden Tracks dazu gibt es
schon, und sie scheinen auch wieder von den für solche Stilwechsel üblichen
Verdächtigen zu kommen. Logischerweise kursieren sie nur als Dubplate und
deswegen gibt’s bei Drum&Bass wahrscheinlich auch diese Verschiebung der
Jahreszeiten. Und wer behauptet dann noch, man könne den Gesetzen der Natur
nicht trotzen. Easy!

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Elektronische Lebensaspekte.