Mit "Sodarace" wird die Zukunft wieder einmal ein Stück näher in unser Wohnzimmer treten. Zumindest träumt davon Ed Burton, der mit "Sodaconstructor" schon den Allstar unter den Java-Applets geschaffen hat. Warum die Künstliche Intelligenz sich mit der unsrigen viel besser versteht, als wir bisher dachten, sagt er im Interview.
Text: marcus hauer aus De:Bug 62

Design/Spiel/Forschung

MIT KÜNSTLICHER INTELLIGENZ IM TIERPARK
Ed Burton und sein Sodarace

Es ist die Konsenswebsite der letzten Jahre. Es ist die perfekte Fusion von Spiel, Spaß und Spannung. Und sie soll jetzt noch besser werden. “Sodaconstructor” ist eine kleine Applikation, mit der man lauter lustige Kreaturen bauen kann, gemäß den Regeln der Physik, bzw. der eigenen Dynamik, können diese dann hüpfen, tanzen, manche sogar fliegen, die schönsten kann man im “Sodazoo” speichern und wieder sehen. Soweit kennen das viele!
Ed Burton, seines Zeichen Research Director bei “Soda” in London, hatte die geniale Idee, diesen kompletten Sodazoo nun gegeneinander in einem großen Rennen antreten zu lassen. Damit es aber nicht nur beim Kinderüberraschungsversprechen bleibt, sollen jetzt auch kleine Programmierschnipsel eingebaut werden können, mit denen man seiner Kreatur Intelligenz einhauchen kann. Um die Struktur des Ganzen offen und öffentlich zu halten, haben sie die Entwicklung aus den Labors auf ihre Website Community verlegt. Zwischen Wissenschaft und Websitetourismus zu vermitteln, hat sich “Soda” auf die Fahne geschrieben, und wenn man Ed Burton glauben darf, haben wir keine andere Wahl.

DEBUG: Wie kamt ihr darauf, das “Sodarace”-Projekt speziell im Bereich der “Künstlichen Intelligenz” (KI) anzusiedeln, der ja ungefähr so breit gefächert ist, als ob wir hier über “Design” sprechen würden?
ED BURTON: Ich glaube daran, dass KI ein Feld ist, das unser Leben in zukünftigen Dekaden mehr und mehr beeinflussen wird. Es führt sehr oft zu Missverständnissen und für Außenstehende wirkt es immer ein wenig bedrohlich. Sodarace bedeutet vieles, aber an erster Stelle geht es darum, eine weniger oberflächliche und mystische Interaktion mit Forschern einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Natürlich wird es auch jede Menge Spaß machen, aber wenn der Spaß als Grundlage für den Dialog und das Bewusstsein für eine aufstrebende Technologie dient, dann ist es das, worum es bei Sodarace geht.

DEBUG: Sind zu diesem Zeitpunkt schon Forscher involviert, die auch am Designprozess mitarbeiten?
ED: Sodarace ist eine Kooperation zwischen mehreren Research-Partnern, außerdem ist mein Fokus auch sehr nah an KI-Forschung. Damit haben wir schon gute Voraussetzungen. Allerdings hätten wir natürlich gern noch viel mehr Forscher eingebunden, weshalb wir das Projekt ja auch so transparent halten und online entwickeln. Das machen wir natürlich nicht nur für die Wissenschaftler, da wir ja den öffentlichen Verstand für solche Prozesse schärfen wollen.

DEBUG: In eurer Projektankündigung sprecht ihr davon, dass ihr die KI-Forschung nach vorne bringen wollt. Welche Richtung schlagt ihr da ein?
ED: Wir geben keine vor, sondern lassen durch den Austausch zwischen Publikum und KI-Forschern jede Richtung zu. Ich glaube, es gibt eine darunter liegende Agenda, die vorsieht den Leuten zu sagen, KI handelt von Ansätzen mit Computern Probleme zu lösen und Dinge besser zu machen. Es geht auf keinen Fall um Roboter, die die Welt übernehmen.

DEBUG: Und deine persönliche Richtung?
ED: Mein persönlicher Ansatz im Bereich der KI dreht sich ums Spielen. Also darum zu schauen, wie sich aus spontanen Handlungen Entwicklungen selbst organisieren können, ohne dabei von außen nachzuhelfen. Beispielsweise beschäftige ich mich mit dem Mal- und Zeichenverhalten von Kindern, was ich gerade mit dem Computer versuche zu simulieren.

DEBUG: Mir gefällt die Idee, die Struktur und das Konzept von Sodarace in einem Forum auf der Website zu entwerfen. Funktioniert das so, wie ihr euch das vorgestellt habt?
ED: Es hat meine Erwartungen übertroffen. Das Projekt versucht ein öffentliches Verständnis für Wissenschaft zu promoten, weshalb ich am Anfang dachte, ich wäre im Lehrer-Modus und wir könnten jetzt den Leuten etwas beibringen. Die Community-Mitglieder halfen sich jedoch spontan untereinander, so dass wir begannen es mehr und mehr als eine Art Peer-to-Peer-Lernplattform zu sehen, auf der die Teilnehmer Ideen anbieten und jeder jedem etwas beibringen kann. Sodarace ist jetzt eher der Vermittler als der Lehrer.

DEBUG: Und wie soll Sodarace jetzt eigentlich funktionieren?
ED: Wir sind gerade ziemlich busy damit. Unser Plan geht in die Richtung es für normale User über das existierende Sodaconstructor Interface zugänglich zu machen, aber auch den KI-Forschern zu ermöglichen ihre lernenden Algorithmen über ein neues Software Interface einfach in das Rennen zu integrieren. Es kristallisiert sich langsam im Forum heraus, dass wir eine XML-Repräsentation der Sodaconstructor-Modelle benötigen, um es so offen und benutzbar wie möglich zu halten. Damit wirst du dann per Copy & Paste im Texteditor deines Vertrauens einfach an den mathematischen Innereien deines Modells herumspielen können.

DEBUG: Werdet ihr das geplante Launchdatum September 2002 einhalten können?
ED: Nicht, wenn ich meine Zeit für Interviews verschwende! Es gibt allerdings die Möglichkeit, dass wir es durch den großen genuinen Einfluss des Forums ein wenig ruhiger angehen, damit wir alles managen können.

http://www.sodarace.com

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.