Two-Step Konservativismus, Herzensangelegenheiten, mundgemalte Gruselviecher für LP-Cover...Dinge, über die man gerne nachdenkt, wenn man mit Fiepen im Ohr im Bett liegt. Wie Ed Rush und Optical ihr neues Album doch noch fertig bekommen haben, erzählen sie jetzt.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 44

Und jetzt?

Ed Rush und Optical

Drum and Bass, der Killer. Kein Rock and Roll, kein Glamour, keine Parties. Dies ist die Geschichte zweier Produzenten, die auszogen, die Welt zu erobern, und den Kampf gegen ihre studioeigene P.A. verloren haben. Zwanzig bis dreißig Boxen in knapp vier Jahren, die man auf der Suche nach den nächsten soundtechnischen Superlativen in die Luft gesprengt hat. Das macht etwa alle zwei Monate eine. Keine schlechte Bilanz. Alles natürlich im Eifer des Gefechts. Ed Rush und Matt Quinn aka Optical waren bis jetzt noch nicht so bekannt dafür, notorische Sprengmeister von Hoch- und Tieftönern zu sein (bis jetzt hatte definitiv Dillinja den Titel als Master of Bassbox Destruction intus), und wären vielleicht auch nie in diesen zweifelhaften Genuss gekommen, hätte nicht die letzte Explosion ihre Trommelfelle dermaßen durcheinander geschüttelt, dass sie erst gar nichts mehr und dann nur noch mit einem aggressiven Fiepsen im Hintergrund hören konnten. Diagnose akuter Tinnitus. Aua. Schlechtes Timing, bedenkt man, dass die beiden gerade dabei waren, den heißerwarteten Nachfolger zu ihrem gefeierten Debutalbum Wormhole fertig zu stellen. Aber da man Ohrenpaare (noch) nicht so einfach austauschen kann wie Boxenpaare, mussten die beiden zähneknirschend eine Zwangspause einlegen. Striktes Studioverbot für einige Monate. Ohren auskurieren war angesagt, und das von Ed Rush und Optical im Zusammenhang mit ihrer Musik so gerne benutzte Adjektiv “sick” hatte eine neue Bedeutungsebene dazugewonnen.

Ein Satz heiße Ohren…
Vorbei waren die Zeiten, in denen die beiden nächtelang in ihrem Studio saßen, das, so Matt, eine Anlage aufweisen konnte, die so manchem Clubbesitzer die Schamesröte ins Gesicht hätte treiben können. Reggae Soundsystem Style. Aber irgendwann musste es so kommen, wie Matt im nachhinein gesteht. Waren doch die gemeinsamen Jam-Sessions immer mehr ausgeartet. Je bekiffter und betrunkener die beiden, desto lauter die Anlage. Auf dass der Fußboden sich im Bassarmaggedon hin und her wiegt. Und plötzlich, bummm.
“Der Unfall veränderte definitiv die Art und Weise, wie ich das Album fertiggestellt habe. Wir hatten etwa sieben Tracks abgemischt, als es passierte. Danach war unsere Hauptpriorität, das Album überhaupt fertig zu bekommen. Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen,” erklärt Matt und fügt gleich an, “ich hätte nie gedacht, dass ich mich an den Tinnitus gewöhnen könnte, aber mittlerweile geht es. Ich lebe so gut es geht damit. Lediglich wenn es sehr still um mich herum ist, werde ich unruhig. Dann wird es anstrengend.” Das Releasedate wurde nach hinten verlegt, und Matt bat seinen Bruder Jamie, besser bekannt als Matrix, ihm beim Abmischen der letzten Tracks zu helfen. Eine Zusammenarbeit, die Matt mit einem Lachen als “always an argument” beschreibt. Nicht nur zwei sehr fähige Produzenten und Geschwister stießen hier aufeinander, sondern auch zwei komplett unterschiedliche Vorstellungen von der Art und Weise des Produzierens. Rough und laut (Optical) gegen ordentlich und mit viel Raum zwischen den einzelnen Sounds (Matrix).

World Domination
Danach sah es nach Wormhole eine ganze Weile aus. Kaum ein Sound war jemals so zum Maßstab geworden, wie der von Ed Rush und Optical. Ihre Beats waren einfach überall, und jeder wollte so klingen wie sie. Sogar eine ganz neue Schublade wurde im Dschungel der Drum and Bass Subgenres für den Sound dieses Dream Teams geöffnet: Neurofunk. Aber allen Unkenrufen der Vergangenheit zum Trotz können zwei Jahre im Drum and Bass-Raum Zeit Kontinuum immer noch eine halbe Ewigkeit sein. Denn während Ed Rush und Optical sich auskurierten, trat eine neue (alte) Garde an, den Dancefloor mit ihrem Sound zu imprägnieren. Nach Bad Company, mit denen Ed Rush und Optical gut befreundet sind und die dem Virus Sound noch relativ nahe standen, rannten Total Science, Digital und Marcus Intalex & ST Files mit massig Euphorie, Breaks, Energie und einer Extraportion Dub und Soul die zu lähmen beginnende Eintönigkeit der Virus Plagiatoren über den Haufen. Eine Entwicklung, zu der Matt seine eigene Meinung hat: “Der Fokus hat sich endlich ein wenig von Ed, Bad Company und mir entfernt. Ich denke, dass es sehr gut für die Szene ist, die vielen anderen Teile wahrzunehmen. Diese Neo-Oldschool Bewegung finde ich aber eher langweilig. Viele der Kids, die in den letzten Jahren zu Drum and Bass gekommen sind, kennen die alten Tracks nicht, von denen alle momentan sampeln, deswegen die Euphorie. Ich persönlich höre trotzdem lieber das Original von 1992 als die verwurstete Version von 2000. Ich benutze auch Retro Sounds, aber ich versuche sie als Sounds zu benutzen und nicht als Fragment oder Signal, so dass man im Endeffekt lediglich eine Kopie des Originals hat. Das Wichtigste an einem Drum and Bass Track ist der Beat.” Und der ist bei Ed Rush und Optical noch immer von einer stromlinienförmigen kristallinen Klarheit. Mit Breaks wird gearbeitet, aber sie werden nicht als Funkbeschleuniger synkopisch aufgewertet. Two Step bleibt die formkonservative Maxime. Trotz allem konnte man schon auf ihren letzten beiden Maxis auf Virus erkennen, dass die beiden immer tiefer in ihre eigenen Sounds hinabgleiten, und die Innovationen ihr Überraschungspotential noch stiller an der Peripherie der Tracks ausbreiten. Spooky und hypnotisch statt verzerrter Basskeule. Der Funk wird eher langsam ausgerollt, als dass er vordergründigen Breaks entspringt. Slip Thru vom Wormhole Album mag da der Wendepunkt gewesen sein. Die typische Intro/ Break/ Drop Routine der meisten Drum and Bass Tracks vermisst man auf The Creeps fast völlig.
“Der Albumtitel ist eigentlich ziemlich programmatisch. Die Dramaturgie der meisten Tracks entrollt sich sehr langsam und subtil. There are things creeping in. Du nimmst manche Sounds erst wahr, wenn sie schon wieder fast verschwunden sind. Wir wollten lieber mehr Unterschwelliges als jedes Mal den großen Drop,” stellt Matt fest.

Mo’ Money Mo’ Problems
Mit dem Opening Track Ressurection und Flightpath haben sich die beiden zum ersten Mal an die heikle Aufgabe gemacht, einen funktionierenden MC Track zusammenzuschrauben. Eine Herzensangelegenheit, wie Matt betont.
“Wir wollten dieses Mal unbedingt mit Vocals arbeiten. Das Problem ist nur, dass es sehr wenige gute Sänger und Sängerinnen gibt, die wirklich zu Drum and Bass singen können. Also war für uns der nächste logische Schritt, etwas mit einem MC zu versuchen. Ryme Tyme ist seit vier Jahren mit uns auf Tour, und wir mochten seine Raps. Uns war wichtig, dass die Lyrics ein wenig Substanz haben und nicht nur aus Anfeuerungsrufen bestehen. Kein “Big Up Ed Rush and Optical” oder so etwas. Also haben wir uns hingesetzt und Texte geschrieben. Der eine dreht sich um unsere Vergangenheit und der andere ist eine fiktive Monstergeschichte. Die MC Tracks können zwar qualitativ noch nicht mit guten Hip Hop Tracks mithalten, aber trotzdem war es ein Schritt in die richtige Richtung. Ich hoffe, dass die Leute diese Versuche (unsere und auch die von Roni Size und Reprazent), mit MCs zu arbeiten, ernst nehmen, weil ich glaube, dass wir in der Lage sind, hier einen wirklich tighten und neuen Style zu kreieren. Adam F arbeitet gerade mit LL Cool J, und Redman und Ed und ich haben kürzlich Method Man getroffen. Die sind alle große Drum and Bass Fans. Aber mir geht es weniger darum, einen Link nach Amerika herzustellen, als um einen eigenen Style mit unseren Leuten hier. Das einzige, was mich in dem Zusammenhang an der amerikanischen Hip Hop Szene interessiert, ist deren Qualität, die ich auch erreichen möchte. Ryme Tyme hat die Fähigkeit dazu, aber er braucht noch ein wenig Übung. So langsam gewöhnt er sich an die Idee des Songwritings. Wir haben ihn ziemlich rangenommen bei der Produktion von The Creeps und ich glaube manchmal auch ziemlich frustriert. Aber ich denke, dass es das wert war.” Und mit Blick auf die vielerorts herbeizitierte Wichtigkeit des transatlantischen Austausches zwecks endgültigen kommerziellen Durchbruchs inklusive Gewinnmaximierung hält sich Matt mit Prognosen zurück:
“Dass Drum and Bass den Umweg über Amerika machen muss, um auch in Europa wieder richtig groß zu werden, ist eine These, die ich häufig höre. Keine Ahnung, ob da wirklich was dran ist. Im Endeffekt ist es doch so, dass alle DJs und Produzenten natürlich darauf hoffen, dass Drum and Bass in Amerika oder auch Japan groß rauskommt, weil sie dann reich werden. Ich bin sehr zufrieden, so wie es ist. Ich habe die Alben für Goldie und Grooverider produziert, bei denen es um kommerziellen Erfolg ging und die auch den dementsprechenden Etat hatten. Ich bin genau bis zu dem Punkt mit dem Musikbusiness in Berührung gekommen, in dem das große Geld sitzt und den ich gerade noch handhaben konnte. Ich möchte all die Kameras und die Medienaufmerksamkeit, den Hype und all die trendgeilen Leute in den Clubs gar nicht zurück haben.” Word Up, Mister Quinn.
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Und jetzt?
Neue Projekte haben die beiden sowieso genug. Ihr Label Virus soll zu alter Stärke und regelmäßigem Output finden und mit http://www.druMP3.com haben sie zusammen mit ihren Buddies von Prototype, Metro, Ram und BC Recordings noch ihr prestigeträchtiges und heißerwartetes Internetprojekt in Lauerstellung. Ganz abgesehen davon, dass nach all dem Stress mit den Ohren auch ein neue effektive und körperschonende Arbeitsweise etabliert werden muss, denn noch eine Explosion halten die Ohren von Matt nicht aus. “Ich bin gezwungen, neue Techniken des Produzierens zu entwickeln. Jetzt muss ich den Vibe spüren, ohne die Anlage bis in den roten Bereich aufzudrehen. Mein Sound hat sich definitiv verändert seit dem Unfall, weil viele meiner Mix-Techniken auf sehr hoher Lautstärke basierten. Jetzt höre ich mir viele meiner alten Tracks an, die ich damals unter weniger hoher Lautstärke abgemischt habe. Ich bin sozusagen mitten im Umlernen. Allerdings sehr langsam.”

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Elektronische Lebensaspekte.


Text: Sascha Kösch aus De:Bug 20

Der Wurm im Loch und das Ende der Krise Ed Rush & Optical Sascha Kösch bleed@de-bug.de Super, Drum and Bass rockt! ”Es läuft alles super, aber du bist nun schon der fünfte Journalist, der mich fragt, was denn eigentlich mit Drum and Bass los sei” stellt Optical indigniert fest, als ich ihn nicht ganz unschuldig nach der generellen Stimmung von Drum and Bass in England frage. Jahrelang gefüttert mit der Ideologie, daß Drum and Bass der einzige Stil sei, der sich konsequent weiterentwickelt und damit die Hoffnung der Musik auf Zukunft überhaupt sei, sind Journalisten sicherlich anfällig für Flauten in dem Bereich, der unbestreitbar in den letzten Jahren die Vokabeln der Innovation, des zeitgemäßen Gebrauchs von und dem Schritthalten mit der technologischen Entwicklung belegt hatte. Daß die Entwicklung von Drum and Bass vor allem dadurch wahrnehmbar wurde, daß sie langsam geschah, in einer Art der Zeitlupe, die an den Rändern eben nicht dazu führte, daß Horden von Experimentalisten den Sound von außen verändern – von Squarepusher über Matsuka bis hin zu Elfish Echo, Aphex Twin und wer noch alles Anleihen bei Drum and Bass nahm -, sondern sich mit jedem selbstproklamierten, freien, großen “Innovationssprung” immer für sie merkwürdigerweise ins Aus plazierten. Es blieb immer dicht in der Szene, hielt auch dicht, bis hin zu einer Art Staatshoheit von Drum and Bass, regiert aus London, Bristol und ein paar Vorstädten, und wagte den nächsten neuen Schritt immer erst dann, wenn klar war, welcher Sound auf den Tanzflächen das letzte Wort hatte. Genau das, diese Interaktion mit dem Dancefloor, daß Drum and Bass essentiell Musik zum Tanzen ist, wurde von Journalistenseite, von der pseudointellektuellen Posse einerseits, aber genauso von der Funktionalisten- und Sexistenseite her ja nie begriffen, denn der Dancefloor ist seit dem Aufkommen elektronischer Musik so überraschend ideologiefeindlich, daß Stile wie Drum and Bass ein ganzes Generationenkonfliktpotential an Wiedersprüchen daraus ziehen können, um sich immer anders zu entwickeln, als man denkt. COVERENDE——————————————————— Es geht uns gut Ed Rush & Optical geht es gut. Zumindest sollte es so sein. Die beiden haben im letzten Jahr eigentlich alles erreicht, was sie erreichen wollten. Vom Geheimtip ist Opticals Sound zum bestimmenden innerhalb von Drum and Bass geworden, jeder richtete sich nach ihm: Grooverider persönlich hatte ihn als Produzenten auserkoren, Opticals Beats laufen bei MTV auf Heavy Rotation, selbst bis hin zu den härtesten Jump Up und Jazz Step Fanatikern waren seine Basslines auf einmal überall zu hören. Seine Art, Two Step zu produzieren, wurde so dermaßen zum Standard, daß es kaum noch einen Clubabend gab, an dem man nicht Berge von Tracks hörte, in denen er seine Finger drin hatte. Zur gleichen Zeit wurde Ed Rush vom Enfant Terrible und Figurehead von Darkness zu einem der meistgebookten DJ’s und konnte mit Optical endlich das Image eines Spielballs von Nico loswerden. Beide touren durch die Welt, träumen von der langsamen, aber stetigen Eroberung Amerikas durch Drum and Bass und haben ihr gemeinsames Label innerhalb von nur 4 Releases auf ein Niveau der Professionalität hochgeschraubt, für das andere Jahre brauchen. Und schon liegt die erste LP, die noch nicht mal eine Compilation ist, vor, “Wormhole”, und bekommt überall gute Reviews. Die Partys in England laufen nach einer kleinen Flaute und der großen Bedrohung durch Speed Garage seit einem Jahr wieder gut, also warum gehen die beiden direkt in die Defensive, wenn man sie auf die diversen Probleme innerhalb der musikalischen Entwicklung von Drum and Bass anspricht? Two Steps Forward, Three Steps Back ”Mit Two Step wurde das sicher nicht einfacher zu sehen, was sich weiterentwickelt; und klar werden viele unsere LP einfach unter dem Aspekt hören: schon wieder Two Step, fällt denen denn gar nichts mehr ein. Aber ich arbeite ja fast immer nur mit Breaks, nicht mit programmierten Beats”, erklärt Optical brav im Zuge der neuerdings erhobenen Direktive: Weg von Two Step, nur wie? Die beiden, die die gesamte LP sozusagen als “wir rocken am Feierabend unser eigenes Studio”-Jamsession innerhalb einiger Monate aufgenommen haben, fordern für “Wormhole” ein neues Verständnis von Komplexität in der Tiefe der Struktur. Ein schwarzes Loch von Drum and Bass, in dem die Innovationen keine große Klappe riskieren, sondern eher wie zufällig aufscheinen. Ein fast unhörbares Houseargument, das es auf sich nimmt, alles eher generell noch einmal zu rekapitulieren was die Themen der letzten Jahre waren: über Tracks zum “Millenium”, das Stillstand und Motivation in einem ist, direkte Anrufungen des Fraktalen mit “Splinter”, psychotrope Geheimnisse einer sich noch über den eigenen Hang zur Cyborggeneration wundernden, augeblendeten Identität auf “Mystery Machine”, und daraus die beiden neuen Ansätzen der LP filtert, die verständlicherweise dann auch nicht nur die Lieblingstracks von Ed Rush oder Optical sind, sondern auf den Beginn einer neuen Welle von Tracks, auf das nächste Level verweisen, schließlich denken Drum and Bass Produzenten immer in Begriffen von Videospielen, deren mühsame Arbeit bis zum Ende sie ernst nehmen und dabei längst vergessen haben, ob es nun darum gehen soll, einen Planeten zu befreien oder eine Prinzessin. Doch, verrat mir die Zukunft Und hier macht es auch endlich Sinn, daß die beiden zusammenarbeiten. Und es wird einem klar, daß Ed Rush nicht nur das Aushängeschild, der Performer und DJ der beiden ist, sondern die Stücke der LP genauso mitbestimmt, wie man es hören kann, während man mit ihnen telefoniert, und der eine, während der andere ein paar galante “Jas” und “Neins” formuliert, die neuen Loops stellenweise so laut macht, daß sogar die gesundeste Überlandhandyleitung kapituliert. Optical, dessen Techno- und “Happy” Breakbeatvergangenheit ja mittlerweile jeder kennt, von seinem Involvement bei Spiral Tribe bis hin zu frühen Platten auf Bearnecessities und anderen Labeln der stürmischen Breakbeatzeiten, macht “Slip Thru” zum Zentrum der Platte, das ganz von seinem Vocalloop “Blow Your Whistle” lebt, und damit genau den Moment beschreibt, in dem sowohl über die radikale Wiederholung des Loops House und Techno aufscheinen, durch Drum and Bass hindurch eine Geschichte elektronischer Musik und Technologie (“Thru”, wie der Midistecker, bei dem eigentlich nichts durchschlüpfen sollte, sondern in streng vorgeschriebener computerisierter Gradlinigkeit alles so verlaufen sollte, wie man es programmiert hat, oft genug aber nicht tut) wiederaufnimmt, durchschlüpfen läßt, die Drum and Bass nicht als Bruch, sondern als logische, langsam grabende Fortführung erscheinen läßt, und durch die Worte (Whistleposse !!!) die Breakbeatära wiederaufleben läßt, in der, wie man gerne mal so sagt, alles begann. Zum Beispiel auch Ed Rush. Raverkid und gesellschaftlich durch Arbeitsunwilligkeit stilisiertes Drogenopfer, New Deal Verlierer par Excellence, für den logischerweise “Dozer” der essentielle Track ist, der genau da anfängt, wo bei “Slip Thru” die Mitte war (Vocalloop, nur hier definitiv ohne Inhalt, unentzifferbar). Ein Track, der auf einmal eine Art von Spaß ins Spiel bringt, der das Verpennen der gesamten Gesellschaft, an deren Rand man glücklicherweise steht, durchaus rechtfertigt. Zwei Tracks eben, die die Tiefe der eigenen, lange vergessenen Geschichte und das selbstverlorene Vergessen jeder Art von Zukunft, die man lieber jetzt schon lebt und gelebt hat, die Radikalisierung des eigenen Nichtfunktionierens im System eben (so wie man vermutlich sagen kann, daß das Wurmloch auch nur zwischen der Quantenmechanik und der Relativitätstheorie funktionieren kann, aber nie als Bestandteil beider Systeme) mitten in einer plötzlich veränderten Drum and Bass Szene thematisieren. Haltloser Optimismus Eine Szene, die mit vielen anderen Tracks genau jetzt grade das auf viele verschiedene Weisen sagt. Ob es nun Photeks Minimalismus, Digitals und Goldies Wiederbelebung von 92er Sounds in komplett absurden Zusammenhängen, Source Direct, Hidden Agendas Elektro, Sejis und Fresh & Vegas unglaublich upliftende Tracks auf Reinforced bzw. Metro, Danny Breaks überschlagende Breaks, Jonny L’s stromlinienförmige Pseudo-Produktionsstandards aufbrechende Mixdowns oder eben die neusten Ravepianos von Dom & Roland sind. Es geht immer um das Gleiche. Drum and Bass entwickelt ein Selbstbewußtsein seiner eigenen Geschichte, lange genug hat das ja gedauert, aber es ist logisch, daß es genau jetzt passiert, wo das Trauma der von aussen zugeschriebenen Ächtungen vergessen scheint, die Ghettoisierung, das falschverstandene Innovationspotential und die globale Retrobewegung einen Stillstand heraufbeschwören und sich scheinbar nichts mehr musikalisch zu entwickeln scheint. Und dabei ist die eigene Geschichte immer noch genauso unverstanden, wie sie immer schon in ihrem radikalen Bruch mit Jahrzehnten von Rock war, und in diesem Unverständnis lagert immer noch das gleiche Potential. Retro, und damit Geschichte, ja, aber zu den eigenen Bedingungen, nicht als Simulation einer nostalgisch verklärten Vergangenheit oder als Treue zum Orginal, weder als die nicht mal mehr neusten aber immer noch schwer vermarktbaren Rädchen der Industrie, sondern als Aufbau eines neuen Spannungsfeldes, das nach Innen wieder einmal Szenen zusammenführen wird, die man längst als unvereinbar gesehen hatte, und nach Außen die Freshness zurückbringt, die alle lange genug vermisst haben. Ich habe schon lange nicht mehr soviele lachende DJ’s hinter den Plattenspielern gesehen, und sie lachen über sich selber. zitate: _______________ Weg von Two Step, nur wie? Ein Track der das Verpennen der gesamten Gesellschaft durchaus rechtfertigt Ob es nun darum gehen soll, einen Planeten zu befreien oder eine Prinzessin

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