Edan ist der Rapper der Welt. Das war schon immer klar. Jetzt hat er ein neues Album gemacht und erzählt Journalisten alles. Von A bis Z. Von Pink Floyd über Bob Dylan bis zu Madlib. Jan Simon musste nur mitschreiben.
Text: Jan Simon aus De:Bug 91

Edan

Ich heiße Edan und bin ein netter Kerl. Auf einem der Fotos auf der Artist-Seite meines Labels sehe ich ein wenig so aus wie John Cusack in einer Szene in “High Fidelity”, aber das tut nichts zur Sache. Ich mache Beats und rappe, und mein Deutschland-Vertrieb erzählt über mich, ich würde demnächst auf Madlibs neuem Quasimoto-Album mitarbeiten. Bestimmte HipHopper werden das ganz toll finden. Ich auch. Bevor das passiert, bringt aber dieser Typ namens Mike Lewis aus London noch mein eigenes Album mit dem Titel “Beauty & The Beat“ raus. Nach “Primitive Plus“ ist das schon das zweite offizielle Album, das er für mich macht. Weil ich in Boston lebe, wäre es für mich eigentlich leichter, mit einer Plattenfirma aus den Staaten zu arbeiten. Aber diese Heinis hier sind alle so narrow-minded, dass man es auch gleich selbst machen kann. Das habe ich dann auch eine ganze Weile getan, ich habe meine selbst gebrannten CDs bei mir um die Ecke vor einem Convenience Store verkauft. Irgendwann rief mich dann aber ein gewisser Mr. Complex aus New York an, weil er meine Musik fett fand. Als er mit diesen Hippies von De La Soul auf der Spitkicker-Tour war, hat er mich in Boston auf die Gästeliste geschrieben, was echt cool von ihm war. Wie dem auch sei … Jedenfalls hat er mir dann von Mike Lewis erzählt, und der Typ fand meinen Sound so geil, dass er wegen mir gleich ein ganzes Label aufgemacht hat: Lewis Recordings. Jetzt fahr ich so zweimal im Jahr nach England, trete auf dem Deadbeat-Festival auf und hau mich mit Mike weg.

Acid hilft immer
Wenn mich jemand fragen würde, ob ich für “Beauty & The Beat“ Pink Floyd gesamplet habe, würde ich sagen: Das fände ich ziemlich arrogant, um anschließend zu erklären, dass Syd Barrett bei Pink Floyd eh der Coolste war, bevor er sich nach “Piper At The Gates Of Dawn“ so dermaßen auf Acid rausgeschickt hat, dass die anderen Drogenhirne ihn aus der Band geworfen haben. Trotzdem stehe ich natürlich auf diesen Psychedelic-Scheiß, vor allem auf den von 66/67. Auch sonst habe ich eine Menge Rock-Sachen im Plattenschrank, die mich für jeden 20-jährigen Baggy-Fetischisten extrem suspekt machen: Ohne Witz, ich hör so Sachen wie Beatles, Kinks und Jimi Hendrix. Wenn ich ganz rührige Momente habe, gebe ich sogar zu, dass das auch für Bob Dylan gilt. Danach kann ich nämlich prima sagen: Ich versuche Platten, die ihrerseits überhaupt keine Break-Mentalität aufweisen, mit meiner eigenen Breakbeat-Mentalität einzusetzen. Hammer Satz, oder? Jedenfalls muss ich als Künstler die Dinge, die mich beeinflusst haben, einfach auch in meinem HipHop-Output rauslassen. Ich stehe einfach auf diese wirbelnden, farbenfrohen Sounds und diesen liquiden Zugang zur Musik aus dieser Zeit. Ob die HipHops das durch die Bank weg verstehen? Ich weiß nich. Der Typ, der mich neulich aus Berlin angerufen hat, meinte jedenfalls, das sei geiler Scheiß.

Ach so – Features hätt´ ich fast vergessen, die sind ja immer wichtig. Also auf meiner Platte sind vor allem meine Buddys aus Boston, sprich Mr. Lif, Dagha und Insight, mit dem ich übrigens auch oft auftrete. Am coolsten ist aber, dass auch Percee P auf “Torture Chamber“, der nächsten Single, mit dabei ist. Percee und ich sind quasi Kollegen im Outdoor-Business, nur dass sein Convenience Store halt Fatbeats heißt und in Downtown New York liegt. Jedenfalls ist das der Typ, der Pharoahe Monch und Prince Poetry von Organized Konfusion beigebracht hat, wie man schneller rappt. Percee kommt ursprünglich aus der Bronx, und da hat er 1989 vor seiner Haustür Lord Finesse von der D.I.T.C.-Crew gebattlet und eingedost. Davon existiert auch eine Film-Aufnahme mit unglaublich schlechter Soundqualität. Als ich neulich ein Mixtape mit dem Titel “Fast Rap“ gemacht habe, habe ich die LoFi-Audio-Spur von der Battle an dessen Ende gepackt. Percee fand das ziemlich nett und hat sich auf “Torture Chamber“ dafür revanchiert. Noch feister ist nur, dass ich dank ihm jetzt auch in einem Kurzfilm namens “SBX“ auftauche, der so eine Mischung aus Doku und Spielfilm aus dieser Phase geworden ist. Ich habe einen ganz kleinen Part, wo ich das “Johnny The Fox“-Break cutte und gleichzeitig rappe – mit der linken Hand drehe ich das Break zurück und in der rechten halte ich das Mic.

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Elektronische Lebensaspekte.