Franck Rabeyrolles wird seit seinem ersten Album "Life behind a window" immer akustischer. Uns erklärt er, warum bei seiner Verbindung aus Blues und Elektronik der Tim Buckley in ihm die Überhand gewinnt.
Text: Hendrik Lakeberg aus De:Bug 94

Einfach nicht langweilig – Double U

Das erste Double-U-Album 2004 auf Sonar Kollektiv balancierte höchst elaboriert abstrakte Sounds und brüchige Rhythmen gegen diffizile Melodien aus. Da stellte man sich einen Tüftler im cremefarbenen Anzug vor. Beim neuen Album hat Franck Rabeyrolles, neben Double U auch eine Hälfte von Wool Recordings, eher Latzhose mit Filzhut getragen und Gitarre und Stimme nach vorne geholt. Melancholisch bleibt es trotzdem, nur etwas handfester.

Warum bist du eigentlich von Montpellier nach Paris gezogen?

Montpellier hat mich einfach gelangweilt. Ich hatte dort zwar einen Plattenladen, meine ganzen Freunde leben weiterhin dort und ich liebe eigentlich auch diesen mediterranen Vibe, aber zuletzt war mein Leben dort zu bequem und ruhig. Ich brauchte mehr Energie, den Lärm und den Schmutz einer großen Stadt. Außerdem hoffte ich, dass mich der Umzug auch in musikalischer Hinsicht voranbringen würde. Deshalb war Paris für mich irgendwann so was wie eine Bestimmung. Vielleicht bin ich aber auch ein wenig masochistisch veranlagt.

Wie ist der Kontakt zu der Karat/Katapult-Posse zustande gekommen?

Zuerst bin ich regelmäßig in den Katapult-Laden gegangen, um dort Platten zu kaufen, und Karat mochte ich eigentlich schon seit den ersten Releases. Irgendwann habe ich denen einfach ein Demo gegeben. Sie mochten es und alles weitere entwickelte sich dann glücklicherweise wie von selbst …

“A bottle in the sea” klingt ein wenig fragiler und akustischer als das Album auf Sonar Kollektiv. Weniger poliert und aufwendig produziert. Gab es etwas, dass dein Musikverständnis verändert hat?

Es hat mich gelangweilt, tausende von Sounds zu sammeln und zu archivieren. Eine ausgefeilte, komplizierte Produktion interessiert mich zur Zeit einfach nicht. Außerdem gibt es so viele Produzenten, die in technischer Hinsicht besser sind als ich. Ich wollte mich mehr auf das Songwriting konzentrieren, insgesamt mehr Gitarre verwenden und die Vocals im Mix weiter nach vorne holen. Mein erstes Album wurde oft mit Prefuse 73 und diesem Abstract-HipHop-Zeug verglichen, jetzt bin ich eher einen introspektiven Weg gegangen. Ich habe mir wenig neue Platten angehört, um mich möglichst von externen Einflüssen zu befreien. Es ging mir darum, mich ganz auf meinen eigenen Sound zu konzentrieren und insgesamt weniger kalkulierend an die Musik heranzugehen.

Deine neuen Stücke haben manchmal so einen leicht psychedelischen Folk-Touch. War das so intendiert?

Klar. Ich liebe frühe psychedelische Musik, wenn sie nicht zu viel rumwabert: die Chocolate Watchband oder die 13th Floor Elevators zum Beispiel. Ich will hier aber kein Revival herbeireden oder provozieren. Mein Ziel war es einfach, mein Elektronik-Universum mit einem Blues-Feeling zu mischen. Die Songs sollten einfach und repetitiv sein und verschiedene Stimmungen der menschlichen Seele widerspiegeln. Einfache und direkte Musik, die dir ohne Kitsch ans Herz geht.

Was hat es mit der “Wasser”-Metapher auf sich? Du verwendest sie relativ häufig?

Für mich ist Wasser eine klassische Metapher, die Friedlichkeit bedeutet. Es ist das Element, das mir am nächsten liegt. Es hilft Harmonie zu finden. Glück kann ich mir ohne Wasser nicht vorstellen. Sogar wenn man sich mit tausenden von Leuten in einem Schwimmbad befindet, herrscht unter Wasser diese ganz spezielle Atmosphäre, die Schönheit und Ruhe ausstrahlt. Mein Lieblings-Stück auf dem Album ist deshalb auch “Going to the river”.

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Elektronische Lebensaspekte.