Mit dem Modell S schliesst Korg seine Electribe Trilogie ab. Nach Synthesizer und Drumcomputer folgt nun der Desktop-Sampler zum Mitrumtragen. An dem guten alten Stepsequenzer der TR X0X Serie orientiert, präsentiert sich der Electribe S als hervorragende
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 40

Sample To Go

Korgs Electribe S Sampling Drumcomputer

Der Electribe S ist ein Sampling Drumcomputer mit Lauflichtprogrammierung a la TR 909 / 808. Das allein ist schon ein mehr als erfreulicher Ansatz, denn diesen naheliegenden Gedanken hat seit Jahren niemand in der Industrie auch nur ansatzweise gehabt, geschweige denn realisiert. Im internen Speicher finden bis zu 100 Samples mit einer Gesamtlänge von 95 Sekunden Platz, darüber hinaus besitzt das Gerät einen Smart Media Slot der mit Karten bis 64 MB mit AIFFs gefüttert werden kann, mehr als genug Platz also. Weitere Features sind eine neuartige Slicefunktion zum Bearbeiten von Loops, eine Effektsektion sowie ein Audio Input, der nicht nur zum sampeln gedacht ist.

Sampler
Der Sampler ist einfach gehalten, alle Samples werden als One Shot aufgenommen (spielen beim Triggern immer bis zum Ende durch) und können normalisiert werden. Das Schneiden gestaltet sich etwas mühsam, denn die einzige Anzeige besteht aus einer dreistelligen LED. Um trotzdem nicht stundenlang schrauben zu müssen, kann sie wahlweise grob oder fein aufgelöst anzeigen.

Sequenzer
Die Grundstruktur des Sequenzers entspricht der seiner beiden Vorbilder: sechzehn Steptasten und die ihnen zugeordneten Part Tasten (entspricht bei den TRs den Instruments) sind direkt übereinander angeordnet. Bis zu 128 Patterns, die über das Jog Dial angewählt werden, können abgespeichert werden, wobei ein Pattern 64 Steps enthalten und wahlweise auch triolisch sein kann. Bei einer Auflösung von 16teln sind das also bis zu vier Takte pro Pattern. Die aktuelle Patternposition wird über eine LED-Anzeige wiedergegeben, daneben stehen zwei Tasten zum Manövrieren zur Verfügung. Auch die Sequenzerhierarchie folgt gängigen Mustern: über den Patterns stehen die Songs (bis zu 16 mit je bis zu 256 Steps = Patterns), dazwischen gibts noch eine Funktion namens Pattern Set, mit der sich bis zu vier Kombinationen aus je sechzehn Patterns auf die Steptasten legen lassen. Die Eingabe von Steps ist ebenso einfach wie unkompliziert: um Steps zu setzen drückt man einfach die entsprechende Part Taste und kann loslegen. Natürlich lassen sich die Steps auch per Hand mittels einer Taptaste einklopfen. Über die Parttasten können in Kombination mit der Mute Taste einzelne Spuren gemutet werden. Von den neun Parts, deren Sounds auch im Laufen geändert werden können, sind zwei zur Wiedergabe von Stereosamples gedacht (der darauffolgende Part muss dann leer bleiben), mono können hingegen alle. Vier der Parts sind jeweils mit dem nächsten verbunden und verhalten sich wie Closed Hihat und Open Hihat bei der 909, will sagen, sie löschen sich gegenseitig aus. Der zusätzliche Slicepart hats in sich: per Time/Slice Funktion wird ein Loop in das gewählte Stepraster unterteilt und kann dann in einzelnen Steps gespielt werden: einfach, aber sehr effektiv. Darüberhinaus gibts noch einen Audio In Part, mit dem externe Signale über die Steps gegatet und mit Effekten belegt werden können. Rechts über den Parts befinden sich die Tasten Effect (zum An- und Ausschalten des angewählten Effekts pro Part) sowie Roll (eine Stakkato-Wiederholfunktion deren Ablaufcharakteristik einstellbar ist) und Reverse, das die Abspielrichtung umkehrt. Gleich daneben befinden sich Drehregler für Pitch / Speed (für Tonhöhenverläufe oder einfach zur Stimmung), Level, Panning und Filter Cutoff, die ebenso für jeden Part einzeln gelten. Soweit so gut, aber der Electribe hat noch ein weiteres nettes Feature im Sequenzer: die Motion Sequences. Wie der Name schon zart andeutet, handelt es sich dabei um Parameteränderungen (Knöpfchendrehen), die sich in den Sequenzer aufnehmen lassen. Pro Part kann dafür ein Parameter automatisiert werden. An Parametern stehen dabei die Regler der Effektsektion und des Delays bereit. Die Änderungen können entweder als glatte Übergänge oder Step-quantisiert in Sprüngen abgespielt werden. Zu guter letzt gibt es noch eine Shufflefunktion.

Effekte
Der Electribe S kommt mit elf per Drehregler anwählbaren Effekten von Pitch Shifter bis hin zu Compressor und Wah Wah, die alle recht ordentlich klingen und für ihre beiden wichtigsten Parameter je einen Drehregler besitzen. Zusätzlich gibt es noch ein Delay mit den Parametern Depth und Time als Mastereffekt, das per BPM Sync-Taste automatisch zum aktuellen Tempo synchronisiert wird.

Bedienung und Sound
Der Electribe S ist im grossen und ganzen recht unkompliziert und logisch zu bedienen, und wer des öfteren mit verschiedenen Geräten arbeitet, wird so gut wie nie einen Blick in die Anleitung werfen müssen und gleich loslegen können. Das einzig umständliche ist das Schneiden von Samples, trotz der äusserst durchdachten Unterteilung in Schnittebenen ist eine dreistellige Anzeige zur Samplebearbeitung eben doch ein bischen wenig. Am Sound gibts nichts zu meckern, er ist für diese Preisklasse druckvoll (nicht zu vergleichen mit einer alten MPC, aber durchaus mit dem Yamaha SU 700) und recht präzise in der Klangabbildung.

Der dritte im Bunde der Electribe Serie ist ein äusserst gelungenes Tool um schnell und effektiv Rhythmen und Grooves zu programmieren. Mankos sind die Notwendigkeit sowohl für Swing und auch fürs Abspeichern von Pattern den Sequenzer anhalten zu müssen, sowie der Umstand, dass der Electribe S im Slavebetrieb leicht, aber deutlich wahrnehmbar hinterherhinkt. Das sollte schnellstens (wenn möglich) behoben werden, denn gerade für den Livebetrieb ist der Electribe S prädestiniert. Sehr praktisch und nützlich ist die Slice Funktion sowie die auch im Nachhinein editierbaren Motion Sequences. Der Electribe S ist ein sehr gutes Tool um mit Samples Grooves, Basslines oder andere Strukturen auf Patternebene sowohl live als auch im Studio zu erzeugen und auf seine Weise konkurrenzlos, allerdings mit 1350,- DM ein klein wenig überteuert.

****

Info:

korg

Anschlüsse: Stereo Output, Stereo Input, MIDI – In, -Out, -Thru, Kopfhörer, Netzteil
Preis:1350,- DM

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.