Erol Alkan hat dem Musikkonzept seliger Schülerpartys den Hipsterstempel verpasst. Ich spiele alles, was mir vor den Schnabel kommt, denn auf meinen Schnabel ist Verlass. Damit hat er die Clubnacht "Trash" im Londoner "The End" zum Aushängeschild für Bootlegs, Elektroclash und das Gipfeltreffen von Duran Duran und Nancy Sinatra gemacht.
Text: Sami Khatib, Alexandra Hesse aus De:Bug 72

Legboot schlägt Bootleg

Gute Clubs haben gutes Publikum und gutes Publikum hört gute Musik, weil gute Musik in guten Clubs gespielt wird. Entlang dieser genauso einfachen wie tautologischen Maxime scheint Erol Alkan, Londons umtriebiger Clubpromoter, Booker und Bootleg-DJ-Produzent, die Herzen Londons Partyfraktion erobert zu haben. Mit Indieglauben und Feiereuphorie ist das “Trash” Erol Alkans Dienst am Fortschreiben englischer Clubkulturgeschichte geworden. Das “Trash” residiert als Partyveranstaltungsreihe im Londoner “The End” und Erol zelebriert dort seine wöchentliche Universalverwendung. Als amtlicher Partymeister jagt er jeden Montag New Order Richtung Aphex Twin, kloppt TLC auf The Cure, mischt B52 auf NWA oder bootlegt “Ring my bell” auf “Fuck the pain away”. “Ich bin eher ein DJ, ich würde mich nicht als Producer bezeichnen. Ich bin auch nicht der Promoter vom ‘Trash’, der die Leute von der Straße in den Club einlädt, ich organisiere lediglich die Partys. Wir machen, was wir mögen. Ich hatte nie dieses Gefühl ‘I wanna be a DJ’ mit viel Geld und Girls, Drogen und free Drinks.” Klingt ja sehr einfach, wenn auch nicht simpel. Erol Alkans unkonventionellem “Trash”-Booking verdanken nicht nur Peaches und Gonzales ihren englischen Durchbruch, auch Stereo Total wurden dort als kontinentale Attraktion gefeiert. “Wir booken keine Bands für die Tür, damit der Laden brummt, sondern nur die, die wir wirklich wollen. Als Gonzales zum ersten Mal bei uns spielte, kannte ihn niemand. Natürlich müssen wir sehen, dass wir kein Geld verlieren. Wir halten seit sechs Jahren einen Eintritt von 4 £.” In Londons Big Business-Clubszene kann man diesen Preis tatsächlich als symbolisch bis suizidal bezeichnen, der sogar die Preispolitik eines gewöhnlichen Indieclubs unterläuft. “Da die meisten Kids sehr open minded sind, hat mich das zu der Überzeugung gebracht, sehr strikt zu meiner Art des Clubmachens zu stehen. Man kann entweder die Haltung des Publikums ausbeuten oder unterstützen.” So bodenständig dieses Einstellung auch klingt, Erol Alkan und sein Kompanion Rory Phillips werden mit ihrem “Trash” längst in den hypeverliebten Face- und Wallpapermagazinen durchgereicht, Erol errang sogar den Titel eines “Best Breakthrough DJ 2002”. Erols Bootlegging avancierte nolens volens zum festen Markenzeichen seiner DJ-Sets, doch das Überschreiten der Genregrenzen ist selbst zum Selbstläufer verkommen, Electroclash als Hype längst zum blutleeren Branding erstarrt. “Früher spielten wir sehr viele Suede-Platten auf unseren Partys. Sie haben eine bestimmte Art von Sexappeal und musikalischer Qualität, die Boys and Girls gleichermaßen zusagt. Suede machten diese Musik irgendwann nicht mehr, Felix da Housecat aber oder gewisse House- und Electroproduzenten. Als DJ denkst du nicht, ‘so, jetzt spiele ich mal ein wenig Electro’, diese Stücke klingen einfach gut. Andere gaben diesem Sound später das Label ‘Electroclash’. Wer aber vier Stunden lang nur irgendwelche Bootleg-Versionen oder Electroclash hören will, ist beim ‘Trash’ im falschen Laden.” Der trashige Durchmarsch durch die Genres findet sich unlängst auch auf der ersten “Trash”-CD, der “Trash Companion 1”: Duran Duran auf Nancy Sinatra? “Diese Kompilation sollte auch ein Statement und nicht ein Mixalbum für zu Hause sein. Deshalb haben wir sechs Liveversionen (u.a. Gold Chains, Peaches, Gonzales, Anm.) die im ‘Trash’ performt wurden, mit drauf genommen. Die anderen sechs sind sehr rare Tracks oder Versionen, nach denen wir im Club oft gefragt werden und so einfach nicht für junge Indiekids zu haben sind. Die ‘Trash-CD’ soll genau das Gegenteil von dem sein, wonach viele fragen, nämlich die fettesten Clubhits auf eine CD zu pressen. Die Leute, für die wir die CD gemacht haben, brauchen keine Best of-Kompilation. Um so etwas wie das ‘Trash’ zu veranstalten, würde auch dein Schlafzimmer reichen.”

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.