Matt Sims ist ein erwecktes Ex-Model, das die geile Musik vom Laufsteg selbst produzieren wollte. Mit 80er-Keyboards und Welterrettungsplan durch Sex landet der idealistische Poser aus Los Angeles im Electroclash-Schminktopf, schwimmt da aber dank wasserdichter Philosophie ganz oben.
Text: Caspar Borkowsky aus De:Bug 68

Mehr Sex

Die Leser haben entschieden, es ist zuwenig Sex in Debug. Die Redaktion ist verstört bis belustigt, aber natürlich greift sofort der Rettungsplan, huhu, da war doch was in letzter Zeit, etwas wo Sex dick drauf und drin stand, wo Posen wieder ging, und sowieso, beweg deinen Nietengürtel-Arsch und so … Also, Ihr habt es so gewollt, jetzt gibt’s good and plenty. Denn wer könnte besser aus der Patsche helfen als der neueste International DeeJay Gigolo, Mr. “UltraSex” persönlich, Matt “Mount” Sims? Richtig, keiner.

Cookies, die Club-Legende Berlin-Mittes, liegt zwar schon seit einiger Zeit in schaurig-schönem Sterben, aber jetzt gibt’s noch mal was zu glotzen. Mounti hat seine beiden Gogos im Gepäck und ab geht der Ponyritt. Sie ziehen das komplette schelmische Gießkannen-Brimborium der Kopulationsshow durch, diese jungen, agilen Menschen auf der Bühne. Dionysisches Cabarét, um George Bush locker zu machen. Es war live und ich war dabei. Egal, weiter. Hot Dogs rausgeholt, schnell reingemampft, Mounti kreischt da schon “Good Service” und will damit wohl ironisch die Las-Vegasierung Amerikas auf die Tolle nehmen. Und jetzt Achtung: Am nächsten Tag, die drei jetzt brav auf dem Sofa lümmelnd, schließt sich der Kreis: “Gewisse Menschen in der Gesellschaft werden sehr gefährlich, wenn sie ihre Sexualität nicht frei ausleben können. Look at George Bush, I mean, does he get any at all?” Was war geschehen? Gab es hier etwa eine geheime Verknüpfung des Debug-Leserpolls mit dem Konzept des UltraSex? Oder wie anders war es zu erklären, dass, einen Tag, nachdem Georgie zum Demagogen des Jahres im Debug-Headquater gekürt worden war, uns Mr. UltraSex Mount Sims völlig schlüssig erklären konnte, was dieser Mann eigentlich für ein Problem hat?

Na ja, aber Matt meint es liebenswert ernst mit dem Thema Sex. “Das Konzept von Ultrasex soll den Widerspruch zwischen der realen Praktizierung von Sexuellem und der gesellschaftlichen Bedeutung, die das Wort symbolisch zugeschrieben bekommt, thematisieren. Der super-ultra-ultimative Sex für mich ist gleichzeitig männlich und weiblich. Ultrasex ist Sex als Technologie. Aber auch die sexuelle Interaktion mit den Maschinen kann der ultimative Sex sein. Musik zu produzieren hat ein orgiastisches Moment für mich.” Danke, Mount, wir halten fest: Eindeutig genug Sex in Debug, wenn gilt: Musik gleich Sex.

Unter dem Electroclash-Banner will er, wie so viele Acts in letzter Zeit, lieber nicht geführt werden. Zu kurzatmig schätzt er Larry Tees PR-Knallerwort ein, als dass er da mitlaufen würde. Er mag seinen Chef Hell und ist ein LA-Gigolo, eine Kategorisierung seiner Musik möchte er vermeiden. Auf die Frage, ob und wie weit sich sein Sound von den 80ern unterscheide, dreht Mount die Frage um und verrät seinen liebsten Aspekt der 80er. “Als damals Boy George berühmt war, standen plötzlich unbedarfte und brave Siebtklässer auf diese 1,90 m große Dragqueen, weshalb dann mitten im amerikanischen Westen ahnungslose Muttis ihren Kindern Mappen mit dieser aufgetakelten Dragqueen vorne drauf kauften. Das war ein Spaß.” Und warum nun das dicke Comeback? Für Sims ganz pragmatisch eine simple Folge der Lage am Markt für gebrauchtes Musikequipment. Wenn man heute ein billiges Keyboard erstehen wolle, sei das halt meist ein 80er-Keyboard. Musiktrends dank kapitalistischer Marktzwänge also, wer bietet mehr?

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Elektronische Lebensaspekte.