Es gibt kaum eine Verbindung von Medien, die man sich lustiger vorstellen kann als die von mobiler Kommunikation und elektronischer Musik. Schließlich sind beides Agenten einer fortschreitenden Miniaturisierung und Materialisierung von Kommunikation.
Text: sascha kösch aus De:Bug 50

NACH BRANDING
Electronic BEATS

Etwas, das entgegen dem allgemeinen Verständnis vom Durchdringen der Menschheit mit Marken gar nichts mehr mit der üblichen Vorstellung von Branding zu tun haben muss, weil Kommunikation eben um einiges tiefer geht, als es die Haut könnte. Einige haben sich schon daran versucht, „Loop” mit Loungeradio im Netz z.B. oder diverse SMS Dienste für Partys (wobei Elektronik da ein Genre ist wie Rock und die Dates entsprechend). Die neuste Kooperation ist die von T Mobile mit Viva2 namens „Electronic Beats”. Fernsehsendung (moderiert von Ill Young “Spielzeug” Kim), Megaevents mit diesen rosa Pixeln, die jeder von den verschiedensten Flughäfen dieses Landes kennt, an der Decke und mit Acts wie Mouse on Mars oder Stereo MCs, die den Hallen das elektronische Rocken beibringen. Festivalstyle, weil man in Deutschland eben doch kein Tribal Gathering oder Sonar hat, weshalb auch immer. Und während schweißtreibend (Events) oder mit radebrechend relaxtem Englisch (Kim) beide Standbeine ihre Sache ganz gut machen, würde man doch irgendwie mehr erwarten von einer solchen Kooperation. Also schlagen wir vor:
1. Komplette Integration der jeweils anwesenden D1 Handys in die Party, schließlich weiß der HandyProvider ja, wer wo ist. Das Problem, das man hier stellvertretend für eine kommende Generation von mobiler Kommunikation lösen könnte, ist schließlich das der regionalen Mobilität. Des Findens von Kommunikationswegen und -strukturen im Rahmen einer auf eine Zeit und einen Ort bezogenen Situation. Also wo mobile Kommunikation die sogenannte direkte ersetzen kann, obwohl die direkte Face 2 Face Kommunikation irgendwie möglich wäre (hat man sich erst mal einen Weg durchs Getümmel und durch die Lautstärke gebahnt). Das geht natürlich von Infoproviding musikalischer Art über die Bands, die grade spielen, was sie für Tracks spielen, woher die sind, was es noch ähnliches gibt, wohin die später noch feiern gehen usw. über die der Community Kommunikation (verloren, gefunden, gesucht, verehrt, verlegen, verlassen) bis hin zu infrastrukturellen Dingen wie: welche Bar geht am schnellsten, wie komm ich mit wem wohin und wie bin ich überhaupt hier gelandet?
2. Testversuche mit neuen Kommunikationsmitteln. D.h. Einbindung von Entwicklern neuer Hardware mobiler Kommunikation. Es gibt keinen besseren Testmarkt als den der Party, weil man da sowieso ständig ein paar Hände frei hat, viel austesten möchte und sei es nur sich selber – auch das schließlich ein Teil der Kommunikation – gerne viel zu sagen hat und immer nach neuen Möglichkeiten sucht, genau das zu tun. Außerdem: wer ein Gadget hat, der hat noch mehr zu reden. Eben in diesem Feld der Kommunikation einer Party, das relativ chaotisch eine Art von hyperaktiv beschleunigter Normalsituation ist, ließe sich herausfinden, was wer wie an Kommunikationsstrukturen noch brauchen kann, vor allem aber nutzen würde.
3. Die Transparenz einer Situation erzeugen. Nicht nur momentan, durch Streams und die Verwandlung eines Events in eine Art dritte Generation von Big Brother, sondern durch eine gleichzeitig und von vornherein implementierte historische Transparenz, die das Event von Außen gleich in seine eigene Geschichte verwandelt. Kommentare, Foren, eine Art wachsendes Rhizom aus Information rings um und in einer Parallelität eben dieses Events/Formats. Ein Anfang wäre z.B. eine eigene Webseite, schließlich sind noch nicht alle Varianten von Electronic Beats vom Domainmarkt gefegt. Google gäbe einem dann auch mehr als einen Hit auf “+electronic beats +t-mobile”.

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Elektronische Lebensaspekte.