Text: Sascha Kösch aus De:Bug 22

Ich bin eine Medienfabrik Eleganz Tonträger Sascha Kösch bleed@de-bug.de Was ist heutzutage eigentlich noch soetwas wie ein sinnvoller Lebensentwurf? DJ werden? Kann es nicht etwas mehr sein? Ein Label gründen? Schon besser, aber… Dann vielleicht selber Musik produzieren und vertreiben? Zumindest eine Business Perspektive. OK, Grafikagentur, Webdesign, Multimediaklitsche, Konzertagentur, Clubbetreiber, reicht das. Oh ja, Test bestanden, sie sind ein moderner Mensch, sie dürfen ins nächste Jahrtausend. Ziehen sie nicht über eine Festanstellung. All das haben Eleganz zum Teil schon hinter sich, oder noch vor sich, in ihren gekreuzten Geschichten bald vielleicht nach Köln ausgelagert, um dort neben ähnlichen Konglomeraten wie PlanetPixel oder Kompakt, Formic oder Groove Attack zu siedeln. Aber nicht gekauft, sondern in ihrer Heimatstadt Osnabrück selbst erfunden. Wie wir es alle tun, wenn die Frage nach dem, was man tun soll sich stellt, und sie sind damit nicht nur vollkommen im Trend der Gesellschaft, sondern verfolgen die fast einzige Möglichkeit, die es ausser sinnloser Arbeit für irgendeinen anderen Medienmogul noch gibt. Im Zweifelsfall immer für den ohne Bart, und der ist man meist selber. Werde deine eigene Medienfabrik! Produziere bis zum Umfallen, am besten mit vielen Freunden, sei selbstständig, unter- oder überbezahlt, aber nie tariflich, und vor allem: such dir einen guten Steuerberater. Eleganz begann, wie so vieles, mit der Idee Musik zu machen. Holger gründete mit einem Freund die Stereokillers, ein Osnabrücker-DJ Team und Clubabend, weil woanders kannte sie noch keiner, und mit anderen Leuten, darunter ein Kölner mit Bahncard, plante man zusammen das Cubist Pop Manifesto, eine Band, die sich selber als Ausgangsmaterial für die Musik versteht. Sie schmissen Partys (Drum and Bass, unkonventionell), machten Auftritte, gründeten ihr eigenes Label “Eleganz”, hatten einen Grafiker, der den Faktor des seriellen Minimalismus sicherte, fingen an sich für ihre Platten einen eigenen Vertrieb aufzubauen, gingen von Plattenladen zu Plattenladen, von Club zu Club, von Job zu Job, pflegten einen Kontakt nach dem anderen, wurden bekannter und bekannter, kurzum, die alltägliche Leidensgeschichte des noch jungen Medienimperiums voller Ideale. Es gesellten sich überraschend langsam neue Acts hinzu (die Welt ist nicht so gut wie man dachte, auch gut), Elektrotwist, Jean Michel, alles aus dem selben Landstrich, mehr oder weniger, die Partys in Osnabrück wurden nicht unbedingt besser, die Landflucht schlich sich in die eigene Altersgruppe, das Label aber boomte mit immer irrwitzigeren Sounds, NTT meldete sich als Vertrieb und die ersten Touren organisiert man noch selber. Mittlerweile schart sich, wie immer, wenn man sich langsam in den Sog kultureller Produktion begibt, die Arbeit. Besagter Layouter redesignt die Zeitschrift “Intro” auf 90er, und zusammen mit Holger arbeiten sie grade an den Vorbereitungen für ein großes Festival, auf dem, Eleganz dürfte das gefallen, Jimi Tenor neben DJ Kotze auftreten kann. Das erste Album ihres ersten Acts, Elektrotwist erscheint, es muß Promo gemacht werden, und die Arbeitsprozesse lassen sich nicht mehr so schnell automatisieren, wie sie diversifizieren. Expansion bleibt aber natürlich die einzig richtige Richtung. Von Beginn an waren Eleganz Platten, die in mühevoller Kleinarbeit ihren Weg in die Läden fanden, extrem gut positioniert. Sammlerstücke in den Regalen. Und sie sahen gut aus. Und sie klangen so frisch, verbanden alle, was immer sie alle getrennt hat, denn die drei Acts, die bislang auf dem Label sind, gehen vollkommen eigene Wege: Stile aus den 50er und 60er Jahren mit einem Hauch Bandcharakter, moderner obskurer Elektronik, und wenn sie Tanz sagten, dann meinten sie immer auch Tanzkeller. Wenn sie Elektro sagten, dann immer auch Twist. Cubistic Pop Manifesto verbinden den Ansatz, sich selber als Material zu sehen und ausgehend von langen Jams Elemente zu restrukturieren, daß ich Holger selbst abnehme, daß sie gut klingen werden, obwohl sie sich als Band zuletzt wie Killing Joke anhörten. Die beste Form, den Menschen in die Arbeitsprozesse einzugliedern, die eine Schallplatte bedeutet und als musikalische Richtung nur einen Weg kennt, den der Mutation. Elektro Twist’s Uwe Möllhusen und Jörg Meyerink sind Künstler. Der intermediale Bereich bei Eleganz. Nicht ganz so jung, aber Mixer mit ganzer Seele. ÔAudio-Pop-ArtÕ nennen sie es, auch wenn man sie nicht fragt. Und ihre Hauptbeschäftigung liegt irgendwo zwischen allen Medien. Jean Michel, zuguterletzt, ist der Spinner des Labels. Unbeschreibbar, die Wiederauferstehung aus Münster. DJ, Heimarbeiter, ein Mensch in allen Einzelteilen. Die gilt es bei Eleganz wieder zusammenzufügen. Zu einem Label, einem Logo, einer Firma, dem multiregionalen Konglomerat einer eigenen Medienfabrik. http://www.interpool-online.de/eleganz/ eleganz@gmx.net

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Elektronische Lebensaspekte.