Langsamer geht immer
Text: Michael Aniser aus De:Bug 142

Sets von Laptop-DJs sind ja zumeist eine eher dröge Sache und ob da auf der Bühne jetzt der Facebook-Status upgedatet wird oder tatsächlich was passiert, ist dann auch schon egal. Einfach langweilig. Ganz anders Elektro Guzzi, die kurzerhand Platten, Laptops und so weiter aus ihrem Schaffen verbannen und in klassischer Rockband-Manier auf die Bühne steigen. Gitarre, Schlagzeug, Bass. Kein langweiliger New Rave oder angestaubte Indie Disco – eher fleischgewordener Detroit Techno.

Elektro Guzzi ist die erste wahre “Techno-Tanzband”, wie sie sich selbst nennen. Tanzband, das klingt erstmal furchtbar, irgendwie nach Betriebsfeier. Doch spätestens nach den ersten Takten der Platte zerbröselt dieser Eindruck. Die Instrumente rücken ins Zentrum der Tracks. Das bleibt sofort im Ohr hängen. Hier ist die Gitarre nicht bloßes Beiwerk, sondern fungiert als sequenziell eingesetztes Instrument. Klare Strukturen statt ausufernde Soli. Bei Liveshows geht es dann auch nicht so sehr um Songs, es ist eher ein DJ-Set, das die Jungs auf die Bühne bringen.

Mensch-Maschine?
“Die einzelnen Instrumente sind wie die einzelnen Sequenzen einer Platte”, findet Bernhard Hammer, der bei Elektro Guzzi an der Gitarre steht, und auf der Bühne ist das dann beinahe wie Plattenauflegen. Es wird dann auch viel improvisiert und sich ganz der feierwütigen Meute unterworfen. Für ihn sind in den Monotonien der Tracks vor allem die Unschärfen interessant. Was elektronische Geräte schon allein durch ihre Konstruktion von vornherein ausschließen, wird von Elektro Guzzi beinahe mit der Lupe gesucht und noch einmal besonders herausgestrichen.

Zwischentöne sind das dann, die sich an den Rändern aufbäumen und den Sound definieren. Die Band wird zur Einheit – “zu einer großen Maschine, Egoismus gibt es keinen mehr”. Das Mensch-Maschine-System wird auf seine ursprüngliche Problematik und Dynamik reduziert und das Spiel (oder der Musiker) unterwirft sich ganz dem Sound. So werden die Beats in ihrer ganzen Dynamik und Ehrlichkeit fühlbar – und vor allem extrem tanzbar.

Ihre Einflüsse beziehen sie sowohl aus “klassischem” Detroit Techno, aber auch aus Root Sounds und Samba-Rhythmen. Insbesondere Samba ist wichtig, da sich auch dort viel um Patternstrukturen und deren verschiedene Interpretationen dreht. Afrikanische Musik ist insofern wichtig, da sich dort wunderbar zeigt wie es ist, wenn sich der Mensch ganz dem Rhythmus unterwirft und im ekstatischen Getrommel beinahe verschwindet.

Auch das Flex in Wien war vor ein paar Jahren wichtiger Dreh und Angelpunkt für die Band. Dort trieben sie sich rum, wenn sie nicht gerade am Improvisieren waren. Und dort zwischen Drum and Bass und Wiener Schule dürfte die Idee auch entstanden sein, mal eben als Band Techno zu spielen. Mehr davon bitte!

Elektro Guzzi, s/t, ist auf Macro/WAS erschienen.
http://www.macro-rec.com

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