Zombie Nation hatten mit "Kernkraft 400" viel Erfolg und viel Ärger. Umso trotziger lässt sich Splank sein Projekt nicht aus den Händen nehmen. Mit "Absorber" baut er an seiner undogmatischen Sicht auf Elektro weiter - und landet damit in einem denkbar günstigen historischen Moment.
Text: Jan Joswig aus De:Bug 74

Zombie Nation

“He is the prince of darkness/
he sees a red town and wants it painted black/
you’d never see him out after dawn/
he takes coffee in the redlight/
and now he is the prince of darkness”

Gut zeitlich abgezirkelt. Splank kann warten. Abwarten, bis der Retro-80s-Hype seine neonbonbonfarbene Schrillphase abpubertiert hat, um endlich da zu landen, wo es in die Tiefe geht, in die Katakomben. Dahin, wo auch Zillo-Leser das Grooven lernen dürfen. Dass auf das überzuckerte Durchkauen von Nick Kershaw und Nena die Retro-Hyäne ihre Zähne in die Schattengewächse von Front 242 bis Kissing The Pink schlagen würde, zeichnete sich schon bei Terrence Fixmers Compilation-CD “Aktion Mekanik” oder der “Serie Noire: Dark Pop and New Beat” aus dem belgischen “Eskimo”-Umfeld ab. Auf zur EBM-Seite von Elektroclash, die wieder die Musik statt der Haltung nach vorne schiebt, einfach, weil niemand in schwarzen Röhrenjeans rumlaufen will. Das ist der Zeitpunkt, um die Welt ein zweites Mal mit Splanks Idee von anti-dogmatischem EBM-Elektro auf dem richtigen Fuß zu erwischen.

Vor vier Jahren waren Splank und Mooner als Zombie Nation die Moroder-Bassline-Zugmaschine in DJ Hells Plan, endlich via Performance-Elektro ein echter internationaler Gigolo zu werden. Mit ihrem Überraschungshit “Kernkraft 400”, der auf mafiöseste Weise weltweit an Zombie Nation vorbei gebootlegt wurde, waren sie größer als Fischerspooner. Und die waren für eineinhalb Jahre größer als die Beatles. Die ja bekanntlich größer als Jesus waren. Zombie Nation waren also 1999 größer als Jesus. Blutiges Moderfleisch aber auch, das gibt man nicht so leicht auf.
Mit seinem zweiten Projekt als John Starlight ist Splank im Zombie-Nation-Klangbild, aber auf Techno geradegebürstet, die Generalprobe für Zombie Nations zweite Klappe schon gelungen: “Blood Angels” von John Starlight war Sven Väths Lieblingstrack 2002.
Aber als Zombie Nation muss Splank jetzt ohne Mooner die verdammte Triplefrage beantworten: Wie entkommt man einer One-Hit-Wonder-Vergangenheit, bügelt völlig unfaires Integritätsmisstrauen weg und macht mit einem dann doch so heterogenen Album, das von eher zu erwartenden Vocoder-Clashern bis zu unerwartet zerschmetternden Konkurrenzhits zu Slams “Lifetime” ordentlich grätscht, klar, dass man nicht nur die Gunst der Stunde nutzt, sondern die Stunde glücklich sein kann, dass man ihr seine Gunst schenkt.

Vier Jahre nach dem ersten Album “Leichenschmaus” muss und will nun also das Nachfolgeralbum “Absorber” Zombie Nation als eine übergeordnete Größe zementieren (wie die Handabdrücke auf dem Broadway Walk of Fame), die EBM-Elektro freundlich, aber nicht abhängig gegenübersteht. “Absorber” sagt in gerechtfertigtem Selbstbewusstsein: Elektro ist nicht Selbstzweck, Splank kein Gralshüter wie I-f, dessen Anti-Elektroclash-Manifest er für die Überreaktion einer beleidigten Leberwust hält. Elektro ist schlicht das beste Mittel, um Energie und Funk zu bündeln, bis die dunkelroten Glühbirnen zerspringen. Splank zwickt und piesackt die Geräte auf “Absorber” mit einem sardonischen Dreh, der nicht anders kann, als sich in einem klaustrophobischen Düsterfunk zu entwinden. Ein Funk, der Retro-80er und EBM-Revival höchstens als Startplattform braucht – letztlich -, um als Manifestation des wahren Prince of Darkness über alle weltlichen Zyklen hinwegzugaloppieren. Da kann Jesus noch so oft im Puff einen Kaffee geschlürft haben … Eigentlich kein Wunder bei jemandem, in dessen 80s-Top-Three “Trapped” von Colonel Abrams und “Operator” von Midnight Star ihren festen Platz haben.

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Elektronische Lebensaspekte.