Christoph Döhne hatte genug davon, als Drummer immer die zweite Geige zu spielen. Jetzt spielt er als "Le Rok" die erste Geige an Cubase und Stepsequenzer. Seine emanzipatorischen "Hausarbeiten" fanden auf Karaoke Kalk begeisterte Aufnahme. Und auch wir lernen gewaltig dazu.
Text: Anett Frank aus De:Bug 71

Phrasenfrei und Spaß dabei

”Als Schlagzeuger macht man halt mit, was die Gitarristen wollen.“ Bei ”Aroma Gold“, einer Gitarrenrockband aus Hildesheim, hat es Christoph Döhne, wie es scheint, nicht so lange ausgehalten. Ist ja auch nervig, wenn man den Eindruck nicht mehr los wird, Pearl-Drums und Paiste-Becken unterliegen andauernd der Fender-Gitarre. Nicht offensichtlich, aber insgeheim. Kein Zustand! Die Idee war dann: kein Gitarrenrock mehr. Gute Idee! Ach, und selbst singen vielleicht. Genau so war’s. Sich selbst und anderen die Welt mit eigener Musik erklären. Alles was überbleibt aus Hildesheimer Zeiten ist das Signet: ”Le Rok”, da wo die Wurzeln sind.
Als Schlagzeuger ist es recht einfach, einen Stepsequencer zu programmieren und Cubase als Fenster zur Musik zu entdecken.
Ok, Step by Step, anhand des Cubase-Rasters lässt sich ja schon mal ganz rhythmisch arbeiten. Christoph meint, Melodien und Akkorde sind dann schon ein großer Fortschritt für einen Schlagzeuger. ”Das hat eine Weile gedauert, bis zu den weißen Tasten auch ein paar schwarze hinzukamen und ich mich sogar getraut habe, selbst zu singen.” Klinisch gehört klingt Christoph gnadenlos schief, aber als gemorphtes Signal aus dem Vocoder funktioniert die Mischung auf seinem Debut ”Hausarbeiten” bestens. Somit sind neben all den anderen traurigen, poppigen, minimalen, lustigen und rockigen Stücken auch zwei Vocalstücke auf das Album gerutscht. Etliche der Tracks sind bei Karaoke Kalk gut verortet, andere lassen sich nicht so gut verschubladen. Alles in allem ist Le Rok als Act und Typ absolut phrasenfrei, wie er technisch einwandfrei weiter unten im Interview beweisen wird.
Unsere Gedanken kreisten neben der Marketingfrage ”Neben Le Rok-T-Shirts lieber Buttons oder Kühltaschen“ auch über der unerhörten Klassik im Album und landeten neben dem Sampler im Orchestergraben.

Ein Interviewer macht Hausarbeiten

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Noch mal zurück zu dem einen Lieblingsstück von dir, ”A Tribute To Miroslav“. Miroslav ist ein klassischer … DJ hätte ich fast gesagt, ein, ein, ein klassischer, na, wie nennt man das denn, Musiker, jemand, der klassische Musik gemacht hat, sicherlich, wo kommt der her, mir ist das gerade nicht so präsent.
CD:
Total banal. Das ist der Orchestermeister, der die Samples aufgenommen hat.
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Der die Samples aufgenommen hat …
CD:
Ja.
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Wie meinst du das?
CD:
Solche Samples werden mit einem Sinfonieorchester gemacht. Und der Dirigent oder der Kapellmeister, der hieß Miroslav.
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Aha. Und von welchem klassischen Stück?
CD:
Äh, das sind Einzelsamples, das sind keine Phrasen, das ist auch wichtig für die Musik: Ich verwende auf der ganzen Platte keine einzige Phrase. Ich verwende einzelne Töne, keine gespielten Passagen oder so.
Debug:
Aha, also noch mal. Du hast ein klassisches Stück, hast du quasi auseinander genommen …
CD:
Nein, nein.
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Nein.
CD:
Es ist so, du musst dir vorstellen, ähm, das ist ein Sample, da ist zum Beispiel eine Violine.
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Ja.
CD:
Und da spielt jemand ein c.
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Ja.
CD:
Und das wird aufgenommen, nur das c.
Debug:
Aha, o.k.
CD:
Und diesen Ton lade ich im Prinzip in einen Sampler rein und mappe den über eine Tastatur, das heißt also auch, dass ich dann ein f spielen kann oder ein fis oder ein g. Und die Melodien, die dann zu hören sind bei dem Stück, sind dann ja auch immer im Prinzip das, was ich da am Computer programmiert habe.
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Aber die speist du dann aus dem einen Ton, den du vorher gesampelt hast.
CD:
Ja, also das ist dann schon ein bisschen komplexer. Das ist nicht nur ein Ton. Es gibt zum Beispiel eine Violine, eine Oktave, das sind dann drei verschiedene Töne.
Debug:
Ja, genau.
CD:
Wenn man dann einen höheren Ton spielt, dann schlägt es ja auch anders an, das nennt man Multisampling.
Debug:
Hmh, o.k.
CD:
Aber es ist nicht so, als wäre ich jetzt hingegangen und hätte mir von der Aufnahme, auf der ein Streicher schon eine Melodie spielt, irgendwelche Sachen rausgeholt. Es sind wirklich nur einzelne Töne, die ich verwendet habe.
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Aber trotzdem noch mal: Was war denn das für ein Konzert?
CD:
Konzert?
Debug:
Was war das für ein Stück, aus dem du den Ton rausgeholt hast?
CD:
Das ist kein Stück, das haben die extra dafür eingespielt.
Debug:
Das haben die für dich eingespielt?
CD:
Nein, das gibt es zu kaufen.
Debug:
Ich versteh das nicht.
CD:
Das ist so Musikerkram. Auf der Sample-CD ist es bspw. so, da hat man Pauken, und da hat man wirklich auch nur, also da trommelt niemand, es ist also ein Paukenschlag, der aufgenommen worden ist, und ich kann dann diese Pauke hier einsetzen wie jedes andere perkussive Instrument.
Debug:
Aha.
CD:
Ja, aber das ist eben auch was anderes, als wenn man jetzt zum Beispiel Phrasen einsetzt, weil man die Sachen auch noch spielen muss, und bei Phrasen, also kleinen Fragmenten aus Stücken, ist die Musik eben schon vorgegeben.

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Elektronische Lebensaspekte.