Stefanie Böhm (auch Couch) und Micha Acher (The Notwist, etc.) haben dafür gesorgt, dass Morr Music eine korrekt rockende Gesangsplatte bekommt. Eine Platte, die aus dem Nichts zu kommen scheint und keine Indietronics- oder Melodie-Elektronika-Sackgassen kennt. Rocking you softly mit den schönsten Bassläufen seit New Order und, wie René Margraff meint, der Lieblingsstimme des Jahres.
Text: Rene Margraff aus De:Bug 66

Wo soll ich anfangen? Micha Acher (auch noch bei Tied And Tickled Trio und The Notwist) vorzustellen ist mir nun echt zu müßig. Stefanie Böhm spielte in ihrer Zeit vor Couch vor allem in Landsberger Bands (Make My Day, Ogonjok, Alles wie groß, Subatomic) und nahm (damals noch alleine) eine wunderbare 7″ auf. Die klang noch nach Vierspurgeräten und setzte sich mit all den geschichteten Keyboards und Synthies zwischen Pram und Smog auseinander. Die Schublade Indietronics wurde nur wenig später beschriftet und ich denke, dass das für Stefanie Böhm auch okay geht. Nach der Single gab es immer mal wieder Compilationbeiträge, auf denen Ms. John Soda inzwischen zum Duo geworden waren. Diese ließen einen immer wieder denken: ja was nun? Kommt da mal eine zweite EP oder ein Longplayer? Das gleiche Spiel dann auch wieder, als B. Fleischmann und Ms. John Soda mit ihrer wunderbaren Slowdive-Coverversion auf “Blue Skied An’Clear“ mühelos das Siegertreppchen erklommen. And the winner is … Tja, und nun isses endlich da, das Debutalbum “No P. Or D.”

Ms. John Soda klingt 2002 richtig nach Band und macht neugierig auf die angekündigten Liveauftritte. Dennoch heißt es, dass Ms. John Soda “eigentlich nur“ Herr Acher und Frau Böhm sind. Stefanie erklärt: “Wir beide machen alles. Nur Gesang und Texte sind von mir alleine, dafür macht der Micha mehr die elektronischen und rhythmischen Sachen. Aber wirklich trennen kann man das nicht. Das variiert von Stück zu Stück. Mit der Tourbesetzung haben wir erst kürzlich angefangen zu proben. Die Stücke auf der Platte sind in ihrer Grundform teilweise schon ein paar Jahre alt, d.h. Micha und ich haben einfach Stücke, die wir schon immer mal fertig machen wollten, zu Hause aufgenommen und dann so oft hin und hergeschickt, bis wir beide zufrieden damit waren. Mit diesen Versionen sind wir dann zum Mario ins Studio gegangen. Da haben wir nur noch ein bisschen Schlagzeug, Percussion, Bläser und den Gesang aufgenommen und alles abgemischt. Insgesamt waren wir 14 Tage im Studio, es war also für uns eine sehr, sehr schnelle und spontane Produktion. Dass die Platte jetzt anders klingt als die 7”, liegt sicher auch daran, dass viele Stücke auf dem Bass komponiert wurden und schon vor dem Aufnehmen in der Grundstruktur feststanden.“ Es gab also keine Deadline oder sonst was, no place or date und keinen Masterplan, und wenn doch, dann wird er entspannt verschwiegen.

Und was ist sonst noch neu und aufregend an Ms. John Soda? Anders als bei vielen Indietronics-Platten wird da nicht geflüstert oder gehaucht, sondern gesungen. Dadurch wird die Energie der Uptempo-Nummern auf dem Album unterstützt, aber glaubt nun bitte nicht, dass hier angestrengt gesungen oder gar geschrien wird. Nein, auch hier: alles ganz lässig und wunderbar. Die richtig guten Platten kamen dieses Jahr ganz schön spät, aber nun ist es ja da, das Ms. John Soda-Album. Fein!

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Elektronische Lebensaspekte.