Der Belgier Arne van Petegem besinnt sich auf seine Vergangenheit und singt sich in die Herzen der Nerds
Text: Anett Frank aus De:Bug 71

Heureka im September

Ein Kreis schließt sich. Eine Stimme hebt sich. Ein Herz geht auf. Arne van Petegem findet auf seinem dritten Album als Styrofoam wieder zu seinem Gesang zurück, den er nach dem Ende seiner Indieband ”Tin Foil Star” erst mal auf Eis gelegt hatte. In warmen, einfühlsamen Melodien wandert er auf ”I’m what’s there to show that something’s missing“ mit der Stimme um die Gitarre und mit der Gitarre um seine Schnuspelbeats herum. Auf der letzten Konzerttour hat Arne den Wink von seinen Labelmates Lali Puna und Opiate verstanden: Jetzt sing doch mal live! Mikro vor die Nase gesetzt und los geht’s, mit Ableton Live, Gitarre und Stimme. Das macht den Spalt zwischen Bühne und Publikum einfach auch kleiner. Zumal das Album, das Styrofoam performt, soviel Nähe zu verschenken hat, verstreut in all seinen Stücken.
Ob er als Sänger bei den Kids aber das Rolemodel Craig David ablösen wird? Zumindest hilft er den 14- oder 15-Jährigen als streetworkender Tontechniker in Antwerpen in einer Art Non Profit Jugendarbeit-Experiment dabei, ihre Craig David-Träume umzusetzen. Mit knirschenden Zähnen hinter dem Geheimnis machomäßigen Heulgesangs her …

Wärmebehandlung für die Nordsee

Styrofoam ist einverstanden, im Indietronic zu Hause zu sein, wenn das meint, die Lofi-Generation lernt, mit Software zu produzieren. Arne sitzt also mit Laptop am Küchentisch und wärmebehandelt Soundtracks für Ausstellungen im Naturkundemuseum in Brüssel, für einen Film über die Nordsee. Oder er brütet eben über dem Album. Da wird ein Dialog aus einem Film gesamplet und aus zufälligen Worten wird ein Gedicht, ein Songtext, eine Melodie. “Man denkt und macht und probiert aus und plötzlich: Heureka im September! Das große Lächeln stellt sich ein.” Und wenn einem zwischenzeitlich Logic Audio, Native Instruments, die diversen Plug-Ins, Battery, Reaktor und Pro 53 beim Produzieren die Übersicht vernebeln, dann ist die Akustik-Gitarre immer der Rettungsanker. Immerhin ist sie der gute alte Begleiter aus den Tagen mit “Tin Foil Star”. Auf der werden die Lieblingsstücke von “The Zombies” oder “The Left Banke” gegriffen. Seine Liebe zu Softpsychedelica-Bands aus den 60ern zupft ihn dann zuverlässig aus der mentalen Verhedderung – und schult ihn in sanftmelancholischem Gesang mit Style.
Daneben ist aber auch HipHop groß in Arnes Welt, auch wenn man das auf dem Album (noch) nicht hört. Enttäuscht von sich ist er, dass es bei ihm nicht klappt mit dem lässig spontanen Sprechgesang. Deshalb steht seit neuestem der Rapper Fat Jon (The 5Deez) mit auf der Bühne und macht den MC. Mit dieser Hoptronic-Kombination ist Styrofoam ganz vorne dabei bei der heißen Fusion-Tendenz, die aus Indietronicjungs wie Thomas Morr und Dubtechnospezialisten wie Stefan “Pole” Betke gerade B-Boys macht. Da wird mit Sicherheit eine neue Projektgeschichte draus! Demnächst also The Styrofoam Two?

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.