Erfolg à la modern. Dani Romeo kümmerte sich nicht darum, CD-Rs an Labels zu verschicken, sondern setzte zu 100% auf MP3s. Nach diversen Daten-Releases gibt es jetzt auch Vinyl und Polycarbonat. Eine Erfolgsgeschichte aus Spanien.
Text: Rene Margraff aus De:Bug 68

Und jetzt? Zootronics!

Hinter dem Namen .tape steckt ein junger Spanier namens Daniel Romeo, der sich eher unbeabsichtigt daran gemacht hat, ein neues Genre zu begründen. So ganz geheuer ist ihm die für ihn gezimmerte Schublade ”Zootronics” auch noch nicht. Passend erscheint sie allerdings schon, denn Dani macht die beste repetitive Musik, die vor lauter Plinkereien und lustigen Geräuschen einfach überschäumt und sich anfühlt wie ein 2003er Update von Jean Jacques Perrys Loop- und Geräuschabenteuern. Da regnet es schon mal bunte Wollknäuel und Kindergeburtstagströten. Nach verschiedenen MP3-Release stehen nun einige “echte” Veröffentlichungen von Dani an. Ein idealer Gesprächspartner also zum Thema MP3 und Netlabels.

To mp3.com or not to mp3.com?
Auch für Dani begann der Einstieg über MP3.com, die auf Grund ihrer Geschäftspolitik immer wieder gerne und zu recht auch immer häufiger ausgebuht werden. Es ist aber eine Tatsache, dass es dort einige gute Artists gibt, wenn gleich die Zahl derer, die sich zurückziehen und ihre Tracks löschen, immer größer wird.
DANI:
Ich beschloss einfach, meine eigene MP3.com-Seite zu machen, da es etwas davon hatte, seine eigene Welt zu kreieren. Für mich war das mit den Tapelabels von früher vergleichbar, man baut sich seine eigene Musikindustrie. Dabei geht es einem selbst gar nicht um Geld, sondern einfach darum, gehört zu werden und den Leuten “etwas Fertiges” präsentieren zu können.

DEBUG:
Was hat es gebracht, wie viele Demos hast Du trotz MP3s im Internet bisher verschickt?
DANI:
Bisher habe ich alle Plattendeals dank meiner MP3s bekommen. Ich kann mich glücklich schätzen und sagen, dass ich bisher noch keine Demos verschickt habe. Ein oder zwei Labels fanden mich, als sie nach Musik im Internet suchten, andere Labels habe ich auf die MP3s hingewiesen. Ich habe allerdings nie irgendwelche Spam-Emails geschickt, sondern immer nur persönliche Emails an ganz wenige Labels, die ich sehr mag und von denen ich gerne eine Meinung zu meiner Musik gehabt hätte. Manche Labels hören sich keine MP3s an, andere antworteten nie und wieder andere mochten meine Musik sehr gerne. Es ist hart, wenn Du ein Label echt gut findest und sie sich deine MP3s nicht anhören. Andererseits verstehe ich es auch, dass sie nicht alle soviel Zeit haben, sich Tracks herunter zu laden. Ich werde diesen Labels nun CD-Rs schicken, da ich ihre Meinung über meine unwichtige Musik wissen möchte.”

Virtuelle Freunde
DEBUG:
Außer den tatsächlich anstehenden Releases auf Optical Audio and Aspic Records, Mira, Zeal und Skylab … was bringen Dir die MP3s sonst noch?
DANI:
Hm, es ist einfach wunderbar, wie einfach es das Internet macht, Künstler, die man mag, zu kontaktieren. Ich liebe es neue Dinge zu entdecken, unbekannte Menschen, die ihre Sachen einfach mal so zum Spaß ins Netz stellen. Ich bin ja auch so einer und es gibt so viele wirklich gute unbekannte Artists da draußen. Nachdem ich entdeckte, dass es Menschen gibt, die meine Musik durchaus mögen, habe ich mich auch mehr getraut, Leute zu kontaktieren. So habe ich viele neue Freunde gefunden: die Menschen von Optical Audio & Aspic Records, Mike von Skylab, Florian & Fran von Mira Records und jede Menge anderer Artists. Das ist schon super.

Labelfrust vs. Formatewahnsinn
Angeblich kauft ja niemand mehr Schallplatten und alle hören nur noch MP3s. Bei jemandem wie .Tape stellt neben den privaten Vorlieben auch noch eine weitere Frage. Nämlich diese: wer verdient nichts?
Kleiner Exkurs: Artists, die Platten in einer 500er Auflage veröffentlichen, bekommen von ihren Labels meist 10% der Auflage, sprich mit fünfzig Freiexemplaren ist man quitt. Diese 50 Exemplare verkauft man dann, wenn man Glück hat, entweder an einen Mailorder und bekommt dann so etwa 4 Euro (bei einer 12“, also je nach Format) oder gibt sie günstig an Freunde ab. Wenn man so dann den Strom bezahlen könnte, den das Hobby frisst, wäre man doch eigentlich schon zufrieden. So sieht es zumindest für einige aus. Sicherlich mag das bei anderen Labels und Artists schon wieder ganz anders sein, daher bitte nicht auf die Details festnageln. Was bleibt ist allerdings eins: so gut wie kein Geld. Was in diesem “Business” dann auch noch gang und gebe ist, sind Menschen, die ihr Label als Hobby betreiben, was ja sehr ehrenhaft ist. Manche übernehmen sich dabei dann allerdings ganz schön und so kann es dann zu Ärger und Frust kommen. Wie bewertet Dani das nun? Bringt einem eine feine MP3-Compilation mehr Freude als eine obskure 10″? Und was bringt mehr Fans?
DANI:
Ich denke schon, dass ein Track auf einer guten MP3 Compilation mehr bringt als ein Track auf einem Sampler im obskuren 10“-Format. Zumindest werden sich das mehr Leute anhören. Die Anzahl der Kopien beim MP3 ist ja erfreulicher Weise unendlich. Wenn mir nun aber ein großes und böses Label anbietet, einen Track auf einer beknackten Compilation unterzubringen, die mich aber komplett berühmt macht, dann werde ich trotzdem das kleine Label mit den Menschen, die ich mag wählen. Ich mach das auch immer häufiger, dass ich Tracks als MP3s weggebe, die ich aber noch auf richtigen Alben unterbringen werde, da sind andere Artists ja auch etwas verkrampft. Es geht dabei auch nicht um Vinyl gegen MP3, da ich beide Formate absolut lieb gewonnen habe. Was das Geld angeht: Ich würde nie behaupten, dass es uncool wäre halbnackt in meinem Zimmer zu sitzen, Kaffee zu trinken, Musik zu machen und dafür bezahlt zu werden, gerade im Moment, wo ich einen Job suche. Dennoch steht der Selbstverwirklichungsgedanke weit drüber über dieser romantischen Vision vom Lebensunterhalt.

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Elektronische Lebensaspekte.