Dass sich hinter einer guten Verpackung oft überlegter Jazz versteckt, beweist auch das Oaklander Duo Meanest Man Contest. Zwischen schnuckeliger Elektronika und folkigem HipHop versuchen sie sich im effektvollen Kontrasteschmelzen.
Text: Christian Mayer aus De:Bug 72

Gefühlsachterbahn

Auf ihrem eigenen Label Weapon-Shaped veröffentlichen sie krudes Anticon-Zeug und Artverwandtes in bester visueller Verpackung. Für ihr Debutalbum “Merit” geht das Duo Meanest Man Contest allerdings nach Los Angeles zu Plug Research, dem Connaisseur-Label für Elektronik-Listener aller Art. Und natürlich sieht das Cover überhaupt nicht nach HipHop, sondern nach gutem Kunstcomic aus.

DEBUG:
Ähnlich wie zur Zeit auch bei einigen anderen HipHop-Produzenten hat eure Musik eine narrative Struktur, die mehr ist als das gewöhnliche “1-Sampleloop-plus-1-catchy-Refrain”-Ding. Das erinnert an ElectronicaHop-Produzenten wie Scott Herren (Prefuse 73). Kommt ihr wie er aus dieser Ecke oder seid ihr eher B-Boys, die sich elektronischer Musik annähern?
Quarterbar:
Wir haben definitiv mit einem Interesse an HipHop angefangen und uns dann zur elektronischen Musik hinbewegt. Das war aber keine bewusste Entscheidung. Wir versuchen, über solche Dinge nicht zu viel nachzudenken und einfach die Musik zu machen, die wir lieben. Aber wir mögen natürlich Sachen wie Push Button Objects oder Boards Of Canada.

DEBUG:
Bei euch gibt es ja auch den für abstrakten HipHop üblichen Schwerpunkt auf Instrumentals. Geht es euch also mehr um die Erweiterung des musikalischen Ausdrucks im HipHop als um Rap-Skills und Lyrics?
Eriksolo:
Wir wollen einfach nicht auf eine Formel reduziert sein. Einiges von dem, was wir demnächst veröffentlichen, wird mehr Vocals beinhalten als “Merit”. Für dieses Album haben wir uns auf eine instrumentale Herangehensweise geeinigt.

DEBUG:
Ihr habt viele Jazz-Elemente in eurer Musik. Die sind aber weniger die übliche Imitation (wie häufig beim Sampling durch die Verwendung von Klischees) als eine Neuerfindung von Jazz, wie man es auch von Plug Research-Labelmates wie Daedelus oder Low Res kennt. Könnt ihr dem zustimmen und euer Verhältnis zu Jazz erläutern?
QB:
Danke, das ist ein großes Kompliment! Wir sind beide große Jazz-Fans und schätzen alle Möglichkeiten, die der Jazz bietet. Wir haben eine Menge Jazz-Samples verwendet – das wird wohl zu diesem Jazz-Feeling auf “Merit” führen. Wir versuchen dabei, tatsächlich etwas Neues zu erschaffen, statt nur zu wiederholen, wie es viele Jazz-Musiker tun. Plug Research hat viele kreative Leute, die ebenfalls versuchen, etwas Neues zu machen. Es ist gut, ein Teil davon zu sein. Einen MMC-Song zu machen, ist dennoch keine spontane oder freie Angelegenheit. Fast alle Stücke sind mit dem MPC2000 aus Platten-Samples zusammengebaut. Es gibt einige wenige Stücke, wo ich Gitarre drüber spiele, mich selber an Gitarre oder Synthie gesampelt habe – die meisten Elemente sind aber Samples. Ich mag die Tatsache, dass du nur durchs Sampeln einen so reichen Sound erlangen kannst. Jede Platte ist mit anderen Instrumenten, Verstärkern, Mikros und in unterschiedlichen Räumen aufgenommen, unterschiedlich gemastert. Je mehr Quellen du verwendest, desto mehr kannst davon profitieren.

DEBUG:
Apropos Gitarre: In eurer Musik ist oft auch ein melancholischer folky Touch mit freundlicher, warmer Stimmung zu finden. Das steht oft im Kontrast zu düsteren, elektronischen Klängen. Wechselt ihr gerne innerhalb der Stücke so extrem zwischen den Stimmungen? Warum wählt ihr eine solche Achterbahnfahrt der Gefühle?
QB:
Ich denke, dass Dinge mehr Beachtung finden, wenn man sie kontrastiert. Das hat einen stärkeren Effekt. Der Grund dafür, warum die Beats so wechselhaft sind, liegt in meiner Arbeitsweise. Ich mache ziemlich viele Beats und wähle später die besten aus. Manchmal kann ich mich zwischen zweien nicht entscheiden – dann nehme ich eben beide oder verschmelze sie.

DEBUG:
Wie seid ihr als HipHop-Produzenten eigentlich zu Plug Research gekommen?
E:
Wir haben Material zu einem Label in L.A. geschickt. Der Typ hat das Allen von Plug Research vorgespielt, dem es sofort gefiel. Keine gute Story, wirklich! Wir sollten uns mal eine spannendere Version ausdenken!

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Elektronische Lebensaspekte.