Was hat Sampling mit Fischen zu tun? Wenn man nach Spielspaß und pädagogischem Gewinn fragt, eine Menge. Guckt euch nur "Elektroplankton" des japanischen Künstlers Toshio Iwai an.
Text: Nils Dittbrenner aus De:Bug 105

Games

Elektroplankton
Nintendo DS
Nintendo

Der Japaner Toshio Iwai ist bereits seit Jahren als Medienkünstler bei der Ars Electronica, dem ZKM und ähnlichen Einrichtungen ein gern gesehener Gast, wenn es um interaktive Klangkunst geht. Sein neuester Streich ist indes, wie schon das von ihm erdachte Sim Tunes, ein waschechtes Computerspiel. Naja, ganz so waschecht dann auch wieder nicht, aber auf jeden Fall eines zum Anfassen und lieb haben. Und auf was für einer Plattform wenn nicht dem DS ist ein interaktives Klein-Kunstwerk zum Anfassen in seinem Element? Also Stift gezückt und den Touchscreen gestreichelt. Elektroplankton bietet zehn verschiedene Spielwiesen mit jeweils verschiedenen Plankton-Typen und Kompositionsmöglichkeiten. Mal darf der Hüpf- und Aufprall-Winkel der kleinen Wesen verändert werden, ein andermal ist die Geschwindigkeit und die X-Y-Bewegung des Stiftes für Tonhöhe und Geschwindigkeit der dem jeweiligen Plankton zugeordneten Sequenz verantwortlich. Wie schon anklingt, kommen diese Soundscapes ohne Spielziel im eigentlichen Sinne daher, allein die Veränderung der mehr oder weniger spannenden Settings, in welchen die tönenden und dabei feist grinsenden Elektropflänzchen vegetieren, ist Spaß genug. Lassen wir den Stift über den unteren Schirm gleiten, wird also die jeweilige Klanginstallation modifiziert. Kontemplatives, ja meditatives Umherchillen ist also angesagt, wobei die kleinen Bewohner des Moduls von plunkernden Saiten-Sounds über pulsierende Plinks bis zum vierspurigen Mini-Sampler allerhand Spielereien möglich machen, die nur leider ohne weitergehende Speicher- geschweige denn Editierungsmöglichkeiten außerhalb des Grundmodells bleiben. Auch ist die Verwendung außerhalb des DS aufgrund des sonderbar crunchingen Sounds des Geräts allein für Mikromusiker interessant, gerade der erwähnte, über das eingebaute Mikro funktionierende Mini-Sampler verliert daher einiges an Reiz. Trotzdem stellt gerade er ein unglaubliches Tool dar, z.B. um Kindern spielerisch die Prinzipien des Samplings in Fisch-Metaphern nahe zu bringen: So einfach war das bislang noch nie. Vor allem in seiner Unmittelbarkeit wird Elektroplankton also zur ultimativen Klanginstallation in my pocket, die spannend, wenn auch harmlos weiterhin als Kunstwerk angesehen werden darf. So transportiert das Spiel den Aspekt eines taktilen Interfaces, um einen generierten Gesamt-Klang zu verändern, von der Kunst- in die Spielewelt, ganz ähnlich wie EyeToy seinerzeit das abgefilmte Konterfei von der Medienkunst abkupferte. Wir merken: Das Medium Computerspiele lebt.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.