Text: Felix Denk aus De:Bug 21

Intentionale Kommunikation Elektro Music Department: Stilistisch geht es um Techno Felix Denk superfelix@iname.com Fotos: Till Budde SERVICEKASTEN ANFANG!!!! Hören: noch aktuell: Mo, Icetrain, EMD 9 jetzt neu : EMD cd 1 demnächst: CNN, Emd 10; Birds, Pal SL Lp 1 Sehen: NYC Loops, erhältlich über die Galerie Neu/Berlin Hingehen: INIT, Chausseestr. , Bln Mitte SERVICEKASTEN ENDE!!!!!!!!! Artikel über das Elektro Music Department beginnt man vielleicht am besten mit Anekdoten. Oder wahlweise auch Namedropping. Und da das eine meist nicht ohne das andere geht, soll hier zunächst die Geschichte des Berliner Miniclubs Elektro dargestellt werden. Den nämlich gründete Daniel Pflumm 1992, bevor er hauptberuflich Videokünstler wurde, zusammen mit den zwei Berlinern Tilmann und Nucleus. Man schuf damit einen Raum, in dem sich die Elemente Bar, Club und Kunst in friedlicher Koexistenz gegenseitig befruchten konnten. Besondere Berühmtheit und kultische Verehrung erlangte das Elektro vor allem durch die Tatsache, daß sich dort heutige Superstar-Djs blicken ließen und für ein Butterbrot auflegten. So sind die Auftritte von Robert Hood, Dave Clark oder auch den Cheap Machern Patrick Pulsinger und Erdem Tunakan immer noch im kollektiven Berliner Technogedächtnis gespeichert. Auch die Säkhö Helden Pan(a)sonic kamen durch eine im Elektro ausgestellte, pflumm’sche Leuchttafel zu ihrem (mittlerweile ehemaligen) Namen. Mit der Zeit brachte sich mehr und mehr Mo Loschedler musikalisch und planerisch ins Elektro ein, später stieß dann Klaus Kotai dazu. Das Gebäude, in dem sich das Elektro befand, wurde schließlich 1995 abgerissen. Die Zerstörung eines Freiraums, die Daniel Pflumm mit seiner Kamera dokumentarisch festgehalten hat. Was jedoch blieb, war der Kontakt und die gemeinsame gestalterische Idee. Und so kam es zur Gründung des Elektro Music Departments, dem musikalischen Ableger des inzwischen verschiedenen Elektro Clubs, das seither eine Spielwiese für Semiotiker jeglicher Couleur bildet. Denn die klassische Labelaktivität, das Veröffentlichen von Platten, wird schon immer durch ein ausgefeiltes Artwork und die Musikvideos von Pflumm ergänzt. Trotzdem tut man den Emd-Aktivisten sicher nicht unrecht, wenn man behauptet, daß sie sehr konzentriert zu Werke gehen: Wenig Release mit klarer musikalischer Linie, der konsequente Versuch, die Musik bildlich umzusetzen und in Form eines Clubs gleich noch ein Kommunikationszentrum zu schaffen, sind grundlegend für die Arbeit von Kotai, Mo und Pflumm. Die optische Präsentation des Labels spielt mit der Corporate Identity von Großkonzernen. So sind zahlreiche Merchandising Artikel mit Slogans wie “Full Customer Satisfaction” und Firmenlogos wie AT&T und Microsoft bedruckt. Ganz im Stile der subkulturellen Bricolage werden bestehende Zeichen in eine neue Position gesetzt, um so die ursprüngliche Bedeutung anzugreifen. Die neuen/alten Logos pendeln so irgendwo im semantischen Niemandsland zwischen ironischer Distanz, Widerstand und Inkorporierung. Die Visualisierung funktioniert als überspitzte Werbestrategie für die eigenen Produkte. Klang Für die musikalische Seite von EMD sind Kotai und Mo verantwortlich, wobei Kotai schon auf einige Veröffentlichungen auf dem Münchner Disko B Label zurückblicken kann. Bis auf Elektro 4, die von RRR stammt, sind alle Veröffentlichungen von Kotai + Mo. Mal gemeinsam, mal alleine, wobei das Ganze nie ohne Zutun des jeweils anderen geschah: “Letzten Endes gibt es immer irgendetwas, was gemeinsam erarbeitet wird. So richtig ausdrückliche Soloprojekte gibt es bei uns nicht.” sagt Mo. Stilistisch steht EMD für Techno. Doch schon bei dem Attribut minimal kann man anfangen zu diskutieren. “Wir betrachten uns im Prinzip nicht so streng als Minimalisten, obwohl wir verstehen, daß das grob so eingeteilt wird.” sagt Klaus Kotai, und fügt an: “Man müßte mal klären, warum etwas minimal ist. Liegt das an der Anzahl der Elemente, oder weil etwas leer ist und man es genauer hört? Ich bin mir ziemlich sicher, daß wir teilweise wesentlich mehr Elemente in unseren Tracks haben als andere Leute, die nicht als Minimalisten bezeichnet werden.” Entscheidender ist, daß es um eine klare Form geht, die dramaturgische Wendungen zwar nicht ausschließt, diese jedoch in den Mikrokosmos der Modulation transferiert. Wer wie Kotai und Mo Stilbegriffe als unzureichend empfindet, der weicht, wenn es um die Beschreibung von Musik geht, gerne auf eine suggestive Ebene aus. So hat Kotai seine Tracks schon mal als guten Trance bezeichnet. Das ist weniger als Oxymoron zu begreifen, und auch nicht als Hommage an wabbelige Flächen, sondern spiegelt das Bestreben wider, der Musik einen emotionalen Fluß und eine Tiefe zu verleihen. “Das trancige Element empfand ich in der gesamten Techno Entwicklung, auch bei Disko, als relativ wichtig, weil das so ein elementares ‘Wir tanzen’ Gefühl, etwas Gemeinschaftliches hat.” Mo ergänzt hierzu: “Das ist ja auch eine liebevolle Deutung von Trance. Wir haben die auch auf Rob Hood angewandt, und der hat das verstanden.” Raum Der Anspruch, tanzbare Musik zu machen, ohne dabei gleich allen Stereotypen des Techno zu verfallen, spiegelte sich auch im Panasonic, dem Nachfolger des Elektro wider. Der Club, den Kotai, Mo und Daniel Pflumm zwischen 1995 und 1997 betrieben, entstand aus einer Unzufriedenheit über die bestehenden Verhältnisse der Ausgehmöglichkeiten. So sollte die Musik im Panasonic nicht nur für sich selbst stehen, sondern auch ein sozialer und visueller Rahmen geschaffen werden, in dem die eigene Programmatik den Leuten zugänglich gemacht werden soll. Bei EMD gibt es das Bedürfnis einzugreifen, ein Forum für Kommunikation zu ermöglichen. Deutlich sichtbar war dieses Bestreben im Panasonic, in dem an verschiedenen Clubabenden oft einzelne Produzenten oder Labels vorgestellt wurden. So gesehen war das Panasonic ein AutorenKlub. Dafür gab es zwei Beweggründe: Einerseits, so Mo, “…der Wunsch, Informationen rüberzubringen. Weil es in der Szene, in der wir uns bewegen, auch in der Kunstszene, da unheimlich viel Manko daran gibt.” Andererseits den Focus auf den Menschen hinter den Maschinen zu legen, die ästhetischen Elemente, die Entwicklung und den Stil einzelner Produzenten vorzustellen. “Man hat ja auch nie die Gelegenheit, Werke von z. B. Claude Young, die recht unterschiedlich sind, an einem Stück zu hören. In der Clubszene erfüllt der DJ die Funktion, daß getanzt wird und lauter Sound ist. Die Leute, die tanzen, wissen allerdings teilweise überhaupt nicht, was da läuft. Das ist o.k. und ich habe dafür Respekt, aber wenn das nur in diese Richtung geht, würde sich das sehr komisch verselbstständigen.” Den Assoziationszusammenhang zwischen Musik und Raum loten die drei Berliner inzwischen in ihrem neuen Clubprojekt Init aus. Und auch hier greifen die Strukturen von anspruchsvoller Musik und reduziertem Raumdesign ineinander. Sicherlich ist Emd ein sehr persönliches Label, das auf dem organischen Zusammenwachsen der einzelnen Künstler fußt. Wenn es doch zu Kooperationen mit anderen Produzenten kommt, dann durch Freundschaft und gemeinsame musikalische Vorlieben. So kam es auch, daß Klaus Kotai und der befreundete Jochen Bader zusammen mit Baby Ford das Projekt “Birds” ins Leben riefen, von dem bereits eine Veröffentlichung auf Pal SL erschien und ein Album demnächst folgen wird. Man darf gespannt sein. ZITAT: Bei EMD gibt es das Bedürfnis einzugreifen, ein Forum für Kommunikation zu ermöglichen.

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Elektronische Lebensaspekte.