Der englische Drum and Bass Produzent Eniac zog von London nach Basel und von Reinforced zum eigenen Label 'Spore', um sich über den Status Quo des Genres hinwegzusetzen. Orson Sieverding über die etwas andere Sicht der Dinge.
Text: orson sieverding aus De:Bug 46

Tanzend in eine komplexe polyrhythmische Sektion geschleudert
ENIAC
Nach einem lustigen Wochenende in Basel unterhalte ich mich mit Kharis O`Connell aka Eniac über seine Pläne, sein Software Studio und Ideen, wie sich der ständig andauernde Erneuerungsprozess Drum and Bass weiter vorantreiben lässt. Aufmerksam bin ich auf ihn durch seine Show auf dem Internetradio “Gaialive” in London geworden – nicht zu vergessen natürlich seine Platten mit Searchengine auf Reinforced sowie sein Label “Spore”. Mit der im Februar erschienenen Platte auf Reinforced “Tipa Molex”, die etwa ein Jahr auf ihre Veröffentlichung warten musste, wird deutlich, dass es wieder an der Zeit ist, mit verschiedenen Ideen, Einflüssen und Rhythmen zu experimentieren. Nachdem Kharis in London das gesamte Studio gestohlen wurde, ist Eniac vor gut einem halben Jahr nach Basel gezogen. Von hier aus arbeitet er mit frischer Energie an seiner Idee von Drum and Bass, kümmert sich um sein Label und sein neues Projekt “Centraal Breakbeats Bionomic”. In den kommenden Monaten wird er endlich seine nächsten Stücke, frisch aus dem Powerbook, veröffentlichen. Außerdem ist er mit Paradox auf Tour und bringt seine Musik live in die Clubs von Rejkjavik und Berlin.
De:Bug: Wann hast du angefangen, Musik zu produzieren ?
Eniac: 1996 habe ich Ben kennengelernt. Er hatte ein Studio und wollte wie ich Drum and Bass produzieren. So haben wir angefangen als ‘Searchengine’ zusammen zu arbeiten. Unser erstes Stück hieß “We have arrived”. Durch das nächste Stück, “Monolith” wurden Reinforced auf uns aufmerksam und es war auch das Stück, das in der Radio-One-Sendung “One in the Jungle” lief.
De:Bug: Wie kam es zu Spore-Recordings ?
Eniac: Wir haben nie darüber nachgedacht, unser eigenes Label zu machen, da wir bei Reinforced waren. Aber wir haben soviel produziert und unsere Stücke wurden selbst für Reinforced zu experimentell. Sie konnten nicht wirklich etwas damit anfangen. Also haben wir uns gedacht: Entweder ändern wir unseren Stil oder bringen die Sachen selber raus. So kam es zu Spore. Doch leider hat der Vertrieb versagt. Selbst in England konnte man keine Spore-Platten bekommen. Blackmarket hatten sie, aber auch nur, weil wir den Vertrieb unter Druck gesetzt haben, dass die Platten in die Londoner Shops kamen. Aber um den Rest der Welt hat sich der Vertrieb einen Scheiß gekümmert. Die Art, wie die Platten vermarktet wurden, war eine totale Zeitverschwendung. Sie waren nirgendwo in den Läden, selbst ich habe nicht einmal Kopien der zweiten Veröffentlichung. Das ist jetzt vorbei, wir haben unsere Lektion gelernt. Auch ein Grund dafür, warum ich England verlassen habe.
De:Bug: Gibt es in Zukunft auch noch andere Künstler neben dir und Ben, die auf Spore veröffentlichen ?
Eniac: Ich werde Sachen als Eniac machen, Ben als Syrinx, zusammen als Searchengine. Solitude, ein Freund von Digital und Spirit aus Ipswich, macht auch Sachen für uns. Er ist ein guter Typ, er hat zu uns gehalten und an uns geglaubt. Sämtliche Tracks, die er die letzen eineinhalb Jahre produziert hat, hat er uns gegeben, weil er weiß, dass wir mehr auf den Punkt arbeiten, anders als manche kommerziellen Labels. Wir veröffentlichen, was uns gefällt und interessiert. Nicht, weil es uns viel Geld bringt. Wir pfeifen drauf, wer unsere Platten auflegt oder nicht. Paradox wird auch Sachen für Spore machen. Dann gibt es noch Probe aus Island, wo die Drum and Bass Szene viel freier und offener als in England ist. Hier ist vieles mittlerweile nur noch Kommerz. Früher war man empfänglicher für unterschiedliche Einflüsse und Ideen. Für mich ist das total uninspirierend. Wir befinden uns in einer Art unendlichem Loop, aus dem wir nicht heraus kommen, da keiner wagt, etwas zu riskieren oder zu hinterfragen. Ich glaube nicht, dass die Leute zu blöd sind, komplexere Sachen verstehen zu können und dass sie die DJs deswegen nicht spielen. Drum and Bass bedeutet mehr, als einmal in der Woche in den Club zu gehen und hämmernde Tunes zu hören und am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen. Ein total nichtssagendes Erlebnis. Für mich sind viele Drum and Bass-Tracks eine vollkommen beliebige, total austauschbare Plastikmusik. Unsere sollen eher wach machen, anstatt in Trance zu versetzen. Sie sollen nicht dieses komische, kopfnickende Esels-Syndrom hervorrufen, das es so oft bei Drum and Bass gibt. Die Idee hinter unseren Stücken ist eher vergleichbar mit der im Jazz, doch es geht nicht um die Sounds, nicht um clicheehafte Jazz-Samples. Ich meine, die Herangehensweise an ein Stück. Was wir machen, ist in gewisser Weise eine neue Jazzform. Wir wollen, dass die Leute umfallen, dass die Leute tanzen, in eine komplexe polyrhythmische Sektion geschleudert werden, um gleich darauf wieder in ein normales Stück zurückzukommen und völlig auszuflippen. Ich habe keine Lust, vor einer bekifften, kopnickenden, gelangweilten und angepissten Menge zu stehen.
De:Bug: Erzähl etwas über deine Produktionsmethoden …
Eniac: Ich finde die herkömmliche Studio-Situation nicht inspirierend. Ich mag es freier, wenn ich arbeite. Da ich ‘Reason’ benutze, gibt es keine großen Sampler, nichts, womit man jemanden beeindrucken könnte. Keine flackernden Lämpchen. Kein teures Mischpult. Ich hatte immer grosse Vorlieben für das digitale Medium. Es bietet mehr klangliche Möglichkeiten als das analoge Equipment. Das kommt wahrscheinlich auch von meiner Beeinflussung durch Autechre, Boards of Canada, Funkstörung etc. Die einzige Möglichkeit, Drum and Bass voranzubringen, ist, die alten Muster über Bord zu werfen. Bei meiner Vorstellung von einem idealen Studio ist alles absolut transparent und die Kluft zwischen Künstler und Publikum nicht vorhanden. Es gibt nichts Mystisches im Produktionsprozess. Wen interessiert schon dieser ganze Equipment-Hype? Ich denke nicht über mein Studio nach, denn mein Studio existiert nicht wirklich. Es könnte in einem Feld sein, in einem Schuppen, in einem Aufzug, eigentlich überall. Ich habe schon Musik im Flugzeug über Kanada gemacht. Reason ist keine billige Alternative, es ist Topqualität. Ich kann damit genau das machen, was ich will.
De:Bug: Es gibt neben Spore noch ein neues Label ?
Eniac: Es gibt ein anderes Label, das ich gerade gestartet habe und das ‘Centraal Breakbeats Bionomics’ oder CBB heißt. Spore konzentriert sich mehr auf Drum-and-Bass-Tempo. CBB hingegen ist mein ‘Open-Source’-Label, auf dem ich alles veröffentlichen kann. Jedes Tempo. Ich werde die erste Veröffentlichung in einem Monat machen. Ich will mit dem Label Einflüsse aus der elektronischen Musik in die Drum-and-Bass-Szene bringen. Die elektronische Musik hat keine Regeln, sie ist sehr ausdrucksvoll, weil sie nicht Dancefloor-orientiert ist. Mich reizen die Ideen, die da drin stecken. Drum and Bass scheint nicht mehr nach außen zu schauen und nach neuen Einflüssen zu suchen. Man konzentriert sich viel zu sehr auf das, was alle anderen in der Szene machen. Für mich jedoch ist Drum and Bass vielmehr so etwas wie ‘Alien Music”‘. Etwas, das sich strange anhört und bei dem du dich wunderst: Was haben die sich dabei gedacht?

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Elektronische Lebensaspekte.

Frauen haben, so hört man immer, ein gestörtes Verhältnis zu Computern. Marktforschungs-Institute versuchen verzweifelt festzustellen, wie man diese doch so Technikfeindliche Zielgruppe endlich in den Griff bekommen kann. Da erstaunt es um so mehr, daß Frauen an der Entwicklung des Computers maßgeblich beteildigt waren. Und es ist eine traurige Tatsache, daß sie erst heute, viele Jahre nach ihrer Tätigkeit, für ihren Verdienst gewürdigt werden .
Text: vicky tiegelkamp aus De:Bug 01

Frauen, Computer und späte Annerkennung – die ENIAC Frauen

Frauen haben, so hört man immer, ein gestörtes Verhältnis zu Computern.
Marktforschungs-Institute versuchen verzweifelt festzustellen, wie man diese doch so Technikfeindliche Zielgruppe endlich in den Griff bekommen kann.
Da erstaunt es um so mehr, daß Frauen an der Entwicklung des Computers maßgeblich beteildigt waren. Und es ist eine traurige Tatsache, daß sie erst heute, viele Jahre nach ihrer Tätigkeit, für ihren Verdienst gewürdigt werden .

So ist es auch im Fall der ENIAC Frauen, die dieses Jahr doch noch zu späten Ruhm gelangen. In einem Wired Artikel vom 8. Mai 1997 war zu lesen, daß nach 50 Jahren die Programmiererinnen des ersten Computers “Eniac” – somit die allerersten Programmierinnen überhaupt – von der Vereinigung “Women in Technology International” (WITI) den “Hall of Fame Award” verliehen bekommen. WITI ist eine virtuelle Vereinigung, die in enger Zusammenarbeit mit Frauen in führenden Positionen in der Industrie, versucht andere Frauen zu unterstützen und sie zu ermutigen Berufe in Technik oder Wissenschhaft zu ergreifen. Im letzten Jahr haben sie eine “Hall of Fame” gegründet. Dort sollen Frauen geehrt werden, die mit ihren Beiträgen in verschiedenen Bereichen von Technik oder Wissenschaft besondere Leistungen erbracht haben. Am 5. Juni 1997 werden es die sechs ENIAC Programmierinnen sein: Kay McNulty Mauchley Antonelli, Jean Bartik, Betty Holberton, Marlyn Meltzer, Frances Spence und Ruth Teitelbaum.

ENIAC (Electronic Numerical Integrator and Computer), der allererste elektronische digitale Computer der Welt, entstand als “Project X” im zweiten Weltkrieg für die Berechnung militärischen Geschosse der Armee. Bevor es ENIAC gab wurden die Berechnungen von einem Team von 80 weiblichen Mathematikerinnen mit mechanischen Kalkulatoren durchgeführt. Sie arbeitet wie menschliche Computer – Tag ein Tag aus – und wurden sogar von der Armee “Computer” genannt. Für ihre Berechnungen brauchten sie jeweils oft ein bis zwei Tage. ENIAC sollte die gleiche Aufgabe in zwanzig Minuten lösen. Mit 500.000 $ finanzierte die amerikanische Regierung den Bau dieses ersten elektronischen Montstrums, das zuverlässig ballistische Flugbahnen errechnen sollte. So entstand an der Universität Pennsylvania’s Moore School of Electrical Engineering ein gigantischer 30 m langer und 3m hoher Computer, der 5.000 Zahlen addieren oder 14 10-stellige Zahlen multiplizieren konnte. John Mauchly, Physiker, schuff dieses erste Stück gigantischer Hardware.

Um die “Hardware” ans Laufen zu kriegen, mußten ständig duzende Schalter umgelegt, Unmengen an Kabel woanders reingesteckt werden. Man mußte wissen, wie die 18.000 Vakuum Röhren arbeiteten und wie sie aktiviert werden konnten. Für diese Arbeit wurden sechs junge Frauen eingestellt: Kay McNulty Mauchley Antonelli, Jean Bartik, Betty Holberton, Marlyn Meltzer, Frances Spence und Ruth Teitelbaum, allesamt Mathematikerinnen. Sie begannen, die erste “Software” zu entwickeln, um komplexe Differentialgleichungen in möglichst kleine Untergliederungen aufzuschlüsseln. Kay McNulty Mauchly Antonelli, erinnert sich: “Wir lernten die Maschine von innen und außen genau kennen, was sich später auszahlte. Wir konnten nicht nur programmieren, sondern auch die Fehler beseitigen.” Trotz dieser Leistungen, behandelte man die Frauen als sogenannte “SP’s”, subprofessionals. Im Februar1946 fand der offizielle Start im Beisein aller Wissenschaftler statt. Die Maschine funktionierte und errechnete zügig die Aufgaben. Danach gingen die Männer feierlich Essen, die Programmierinnen nach Hause.

Fast wären die Frauen und ihre Arbeit in Vergessenheit geraten, hätte sich nicht in den 80er Jahren die damalige Havard-Studentin Kathryn Kleiman in einer Arbeit mit diesem Thema beschäftigt. Als im letzten Jahr die Festlichkeiten für den 50. Jahrestag des ENIAC geplant wurden, war keine der Programmierinnen eingeladen. Erst nach massiven Druck der jetzigen Anwältin Kleiman, wurden zwei der Frauen dazugeladen. Weite Aufmerksamkeit erreichte außerdem ein Artikel im Wall Street Journal von Thomas Petzinger, Jr. im November letzten Jahres.

“Es war eine Männerwelt und uns nahm niemand wahr,” sagt Betty Holberton nüchtern. “Selbst wenn Photos gemacht wurden, brachten sie Männer mit, die unsere Plätze einnahmen. Mich hat es damals nicht gestört. Ich war mehr daran interessiert meine Arbeit zu machen, als gelobt zu werden.” In den 50er Jahren, während ihrer Mitarbeit an dem Rechner Univac 1, entwickelte sie das erste nützliche Programm, daß neue generieren konnte. Bis in die 90er Jahre arbeitete sie als Programmierin.

Es gibt eine Menge solcher vergessener Computerheldinnen. Nie haben sie Ruhm erlangt. Andere haben sich mit ihren Erfolgen hervorgetan. Und man fragt sich dann schon, wer ein gestörtes Verhältnis zu Computern hat.

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