Die Börse mag keine miese Umsatzrendite
Text: Anton Waldt aus De:Bug 119


Bild: Gadgets 2007 (TV-Handy p905i des japanischen Providers NTT DoCoMo), Text: Aus dem Jahresrückblick 2007 in De:Bug 119.

2007 war das erfolgreichste Jahr in Apples Firmengeschichte: Das “Jesus-Handy” toppte sogar seinen Namenspatron um Längen, bald wird man das “iPhone” der Kürze halber nur noch als “Jesus” bezeichnen. Um Verwechslungen zu vermeiden, muss der andere dann wohl “Bibel-Jesus” genannt werden. Steve Jobs wäre somit natürlich Jesus Vater, der knapp, aber ehrfurchtsvoll “Gott” gerufen wird – Der “Bibel-Gott”, der “Koran-Gott” oder wie sie alles heißen, sollten sich warm anziehen! Der Kurs der Apple-Aktie stieg 2007 jedenfalls von 85 auf rund 190 Dollar, der Jahresgewinn dürfte sich verdoppeln und 4 Milliarden Dollar nahe kommen.

Ursache für den Boom ist die Unfähigkeit der Konkurrenz, sich zeitgemäße Benutzeroberflächen auszudenken, weshalb immer mehr Konsumenten dazu bereit sind, einen happigen Lifestyle-Aufschlag für Apples MP3-Player und Handys zu entrichten, deren Nutzung gleichzeitig immer restriktiver beschränkt wird. Im Windschatten der Gadgets gewinnen sogar die Apple-Rechner Marktanteile, die für Jahrzehnte festgenagelt schienen. Trotzdem wurde das “Computer” im Januar aus dem Firmennamen gestrichen, und das dürfte mehr als Symbolik sein: Denn im Computer-Geschäft sind die Gewinnspannen vergleichsweise winzig, Tendenz weiter fallend.

Und da die Stückpreise des komplexen Produkts “Computer” auch noch relativ hoch sind, ergibt sich aus Shareholder-Value-Perspektive folgendes Bild: Das Rechnergeschäft braucht auch jenseits der Marketingabteilung viel Personal, um monströse Umsätze in Bewegung zu halten, damit die bescheidene Gewinnmarge nicht ins Negative kippt. Im Vergleich mit Handy und MP3-Player wird mit Computern schlicht eine beschissene Umsatzrendite erzielt. Und börsennotierte Konzerne schleppen ungern wenig profitable Sparten mit, es ist vielmehr ihre ureigene Aufgabe und ihre vornehmste Pflicht, Renditeversager an die Chinesen zu verkaufen.

OK. Steve wird sich bestimmt auch dafür noch was Besonderes einfallen lassen, Apples Computer-Abteilung wird also in naher Zukunft den Saudis oder Gazprom gehören, die zahlen ja gerne Lifestyle-Aufschläge. Wer sich nicht zu früh ärgern will, darf gerne noch auf das modulare Touchscreen-Baustein-System hoffen, mit dem Apple eine neue Rechnerära einläuten wird: klar doch! Nutzer von Apple-Rechnern, die keine zurückgebliebenen Frohnaturen sind, sollten unterdessen auf gravierende Maßnahmen gefasst sein. Im besten Fall wird die Software Open Source und läuft genau wie Windows und Linux auf Standardkisten, wenn es richtig mies läuft, verlieren wir in der Gazprom-Hotline unseren Verstand.

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Elektronische Lebensaspekte.