Verkaufe rostigen Nagel
Text: Fabian Dietrich aus De:Bug 119


Bild: Gadgets 2007 (Raku Raku Basic von Fujitsu), Text: Aus dem Jahresrückblick 2007 in De:Bug 119.

Ach, früher. Da lagen wir tagelang in Parks und auf Wiesen, die Sonne schien bis 23 Uhr und wenn uns einer über den Weg lief, der sagte, er sei verzweifelt, weil auf der Suche nach diesem oder jenem Gegenstand, japanische Schallplatte oder Power-Rangers-Bettwäsche, dann nannten wir ihn einen Depp und Trottel vor dem Herren. Wir konnten alles besorgen. Zum besten Preis. Und ohne dafür aus dem Haus gehen zu müssen. Amerikanische Geisterstädte, getragene Unterwäsche, die Jungfräulichkeit eines kanadischen Mannes. Unsere Lieblingswörter waren “TOP“ und “RAR“. Ebay war unser “way of life“.

Doch dieses Jahr war nüschte mit lustig handeln und rumlümmeln. Bei Ebay wurden 15 Prozent weniger Artikel eingestellt, zumindest ist das so eine Krisenzahl, die ein paar Wochen lang durch die Zeitungen geisterte. Rückblickend ist es aber relativ egal, wie viele Artikel angeboten wurden. Gefühlte 95 Prozent davon waren sowieso reiner Schrott. Auf jedem Flohmarkt gab es besseren Stoff zu holen. Bei Ebay verkauften Leute Festplatten, die fiepen und klackern (“bin mir aber sicher, dass Bastler das gute Stück wieder in Schwung bringen – Viel Spaß beim Bieten!!!!!“), rostige Nägel (“Dachbodenfund!!”) und haufenweise ätzenden Nippes wie die Winterjacke von Markus Kavka (“Ein bisschen wehmütig bin ich schon, die Jacke hat mich bei allen MTV-Außendrehs immer so schön warm gehalten”).

Nicht nur die Verkäufer, auch die Käufer hatten 2007 offensichtlich einen ordentlichen asozialen Schub gekriegt. Beispielhaft zeigt das die Auktion eines Handys, der ein Bild beigefügt war, auf dem ein Männerarm über eine Toilette langt. Der Besitzer des Telefons, ein gewisser “Dmx211“ schrieb, er sei genervt, weil er es bei Ebay nur noch mit “verrückten Viehhändlern“ und “wahnsinnigen Käufern“ zu tun habe. Er tat am Ende das einzig Richtige. “Dmx211“ verzichtete darauf, sein Telefon zu verkaufen. Stattdessen setzte er ein Zeichen für das schlimmste Jahr in der Geschichte von Ebay. “Ich werde dieses Handy nach der Auktion ins Klo werfen und runterspülen! Der Gewinner dieser Auktion bekommt dann das Video davon!“

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Elektronische Lebensaspekte.