Zyniker & Informationsmonopolisten
Text: Anton Waldt aus De:Bug 119


Bild: Gadgets 2007 (Headset von Bang & Olufsen), Text: Aus dem Jahresrückblick 2007 in De:Bug 119.

2007 war ein tolles Jahr für Google: Aktienkurs fast verdoppelt, Gewinn sprudelt, Plan zur Eroberung der Weltherrschaft läuft wie geschmiert. Die willfährigen Zensurspiele in China oder die massenhafte Verletzung von Privatsphäre durch den “Streetview”-Dienst sind dabei nur Image-Lappalien, im Kern geht es darum, dass der Konzern mit jeder Suchanfrage ein größeres Monster wird, das den Rohstoff der viel beschworenen Wissensgesellschaft monopolisiert. Dabei stellt jede Suchanfrage ein knallhartes Geschäft dar, die vermeintliche Gratis-Dienstleistung gibt es nur im Tausch gegen mehr oder weniger persönliche Informationen, mit denen Google wiederum sein Informationsmonopol ausbaut.

Obendrein drückt uns der Konzern auch noch Werbung rein, und spätestens wenn die Übernahme der führenden Banner-Firma DoubleClick vollzogen ist, wird Google auch den Markt für Online-Werbung uneingeschränkt dominieren. Das Konzern-Motto “Don’t be evil” ist jedenfalls inzwischen nur noch als abgebrühter Orwell-Zynismus zu verstehen, nur dass die Kartellbehörden das leider noch nicht begriffen haben.

Nicht einmal zur Verkündung von Googles Handy-Plänen haben sie gezuckt: In bester Microsoft-Manier will der Konzern seine dominante Stellung in einem Bereich (Internet-Suche) auf einen anderen (mobile Betriebssysteme) ausweiten, wobei Gratis-Software die Konkurrenz killen soll. Und als ob das nicht schon fies genug wäre, greift Google nach dem bewährten Prinzip “Wir geben dir Service-Häppchen, du gibst uns deine Datenseele” auch noch nach unseren Handy-Positionsdaten.

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Elektronische Lebensaspekte.