Anziehen können sie sich auch nicht!
Text: Jörg Sundermeier aus De:Bug 119


Bild: Gadgets 2007 (GPS-Modul, das die Position von Kindern oder Ehemännern im japanischen 3G-Netz ans Handy meldet), Text: Aus dem Jahresrückblick 2007 in De:Bug 119.

Das, was uns das Jahr 2007 versüßte, war das unverhoffte Totalauftreten des vorher weithin ignorierten Martin Mosebach, dem nicht nur der Büchnerpreis verliehen wurde, sondern dessen Schmonzette “Der Mond und das Mädchen“ auch gleich auf die Longlist zum deutschen Buchpreis gewählt wurde, auf dass sie verkaufe wie ein Retortenpopprodukt. Martin Mosebach bedankte sich fein arg, indem er eine Büchnerpreis-Rede hielt, in der er, der nicht nur – nach eigenem Bekunden – katholisch, reaktionär und Ernst-Jünger-anarchisch, sondern zudem auch noch monarchischer Gesinnung ist, die Einstellung des Revolutionärs Saint Just mal so eben mit der Einstellung der Ganzundgarnichtrevolutionärs Himmler verglich, um nachher aber feixend nichts verglichen haben zu wollen.

Dafür hingegen legte sich der alte Hakenkreuzexperte Lorenz Jäger ins Zeug und sang alsbald sogar ohne jeden äußeren Anlass und Zwang auf der Titelseite der FAZ ein Loblied auf jenen, der für einen großen Stilisten und Superdenker gilt, da er “Sopha“ statt Sofa schreibt, die Rechtschreibreform also offensichtlich scheiße findet, dieweil er die Rückkehr der lateinischen Sprache in der Papistenkirche fordert, damit endlich wieder niemand versteht, wenn der Pfaffe die Vernichtung der Hexen fordert. Schön.

Manche hielten verdruckst dagegen, hatten allerdings auch nicht so viel zu sagen, und ihre, nennen wir es mal so, “Kritik“ nicht durchdacht, so dass sich Mosebach denken durfte, dass er, wenn seine Feinde sich so einfach und ohne Not nass machen, er vielleicht doch ein bedeutender Schlimmfinger sei. Und da komm ich und sag: nein, ist er nicht. Hätte er was zu sagen, würden Freund wie Feind seines Gewerks wenigstens denken und schreiben können. Aber: An so was wie Mosebach kann ein Feuilletonist sich primstens abarbeiten, weil man das Gewürg nicht lesen muss. Ich weiß das, ich hab’s auch nicht getan. Man liest zwei Seiten, schon hat man sich aufs Liderlichste dem Sein zum Tode entgegengelangweilt.

Das Feuilleton wusste demnach auch nicht mehr zu sagen, als: Der macht irgendwie was, ist aber immer fein angezogen. Nun muss man wissen: Als fein angezogen gilt man hierzuland, wenn man eine Krawatte trägt oder auch Manschettenknöpfe und die Schuh sind richtig zugebunden. Ich als Sohn einer Schneiderin und eines Schneiders aber sage euch: Nicht immer ist, was maßgeschneidert ist, besser als das, was von der Stange kommt. Der gute Herr Mosebach nun kombiniert nicht eben schlau, trägt etwa zu einem lindgrün gestreiften weißen Hemd eine rotweiße Karo-Krawatte, zu beiden zwängt er sich in ein jagdgrünes Jackett. Und dann zieht er den Hemdkragen zu, dass sich Hautwülste am Hals bilden. Ist das fein? Nein! Ist das konservativ? Es reicht vielleicht gerade für die Mitgliedschaft in der CSU, doch unter den edel gewandeten Konservativen der Welt sähe Mosebach aus wie ein Bauerntrampel.

Folglich ist wieder mal überhaupt nichts dran am Generv, Getröt und Gemache. Was lernt uns das? Man sollte die Finger lassen von Feuilletondebatten und jenen, die sie auslösen. Einwand: Haben wir’s nicht vorher gewusst? Eingeständnis: Haben wir. Darum ab in die Schämecke mit uns!

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.