Manufakturelles Handwerk in provinzieller Beschaulichkeit wird dank Internet wieder zu einer viel versprechenden Berufslösung. James Din A 4 von Esel Records erläutert seinen Businessplan.
Text: James Dina 4 aus De:Bug 99


Knallhart kalkuliert

Kinder hat man und Familie, die ja wohlweißlich ernährt werden wollen. Mit Tracks, die eigenbrödeln, und einem Backstock, der alle Grenzen sprengt, klappt das kaum. Also macht man aus der Not eine Tugend und füttert den Teufel mit präparierten Fliegen. Man zieht so richtig schön “provokant provinziell“ aufs Land, besorgt sich aus alten Beständen eine Siebdruckanlage und geht damit an den Start. So fängt man an, erste Aufträge anzunehmen (wer hat denn die tollen Slipmats für Kompakt gedruckt?), mailt hunderte von Labels an, um diesen seine Dienste ans Herz zu nähen. Nebenbei wächst das eigene Label von einem Plattenlabel zu einer Mikrografikdesignagentur plus angekittetem Modelabel (Kleidung mit Fehlern). Fertig ist das Mondgesicht. Frei nach dem Motto “Wer nicht wagt der nicht gerinnt“. Siebdruck ist ein manuelles Druckverfahren, bei dem man je nach Art und Technik die verschiedensten Farbkombinationen drucken kann. Jede einzelne Farbe auf dem Papier stellt einen eigenen Druckvorgang dar. Es bietet sich an, Zeichnungen, manuell hergestellte Schablonen oder Fotoschablonen in beliebiger Auflage zu reproduzieren. Das “auratische Moment“ haftet dem Siebdruck an, da man bei diesem Prozess die gedruckten Farben auf dem Papier fast fühlen kann. Dies entwickelt seine eigene Dimensionalität. Interessant wird das Ganze dadurch, dass man “superaufwendig“ in kleiner Auflage drucken kann. Esel Inc. macht dir die tolle Plattenhülle in “KILLER“ plus Grafikgestaltung; wenn du das willst. Du kommst nicht in den Zirkel der urbanen Persönlichkeiten? Dann ran an den Speck mit Esel Inc.’s vorgefertigten Streetartpostern. Killer nach was aussehen? Essentiell nur im Esel Inc.-T-Shirt. Beerdigungskarten aus Esspapier? Yo! Den Dackel deiner Freundin pink bedrucken? Yo! Jutebeutel mit dem Gesicht des Liebsten? Kein Thema. Alles, was du willst, Kollege! Die Bedeutung liegt darnieder und bettelt auf blutigen Knien. So in etwa liegt die Philosophie im Hause Esel Inc. begraben. Da macht es nur Sinn, selbst an den Start zu gehen, um die eigenen handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten schießbudengetreu zu untermauern. Die mikroartige Herangehensweise und die individuell auf den Leib zugeschusterten Dienstleistungen tun das übrige. Im Sinne von: “Ich hatte einen Traum, in dem ich mit einem Bollerwagen und frisierten Rasseln bewaffnet auf die Technoparade zufahre, bis wir uns Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und alles illuminiert ist und dann platzt.”
Warum nun das Internet so wichtig für mein Unterfangen ist, liegt ja mehr als auf der Hand, wenn ich hier in “mein Oddersberg” sitze und weiß, hey, super, ich bin nicht nur allein darauf angewiesen, meine Kundschaft vor Ort zu suchen. Was außer Wimpel auf Goldbrokat oder ein Flyer für die “Galerie Schmetterlingsflügelschlag” oder die gemeine Tüte für des Bäckers Meister würde sonst zu bedrucken anstehen? Ich wage kaum dran zu denken.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.