Die Kölnerin Eva Gronbach hat ihr Schneiderhandwerk bereits für Yamamoto und Galliano unter Beweis gestellt. Sie will mit einer unverlangten ”Liebeserklärung an Deutschland" und ihrer eigenen Schwarz-Rot-Gold-Kollektion zwar keine politische Mode unters Volk jubeln, sie versteht sie aber als ”bekennende Mode". Als, äh, was?
Text: Sami Khatib aus De:Bug 69

Schwarz Rot Gold
Mode von Eva Gronbach

Das mit der Liebe war ja schon immer so eine Sache, bereits schon in den glücklichen 60ern. Das zumindest dachte sich der selige Gustav Heinemann, als man ihn, den damals amtierenden Bundespräsident der jungen BRD, fragte, ob er denn sein Vaterland liebe. Dieser inquisitorischen Frage begegnete der heterosexuelle und stockliberale Präsident mit der Auskunft, dass er zwar in Deutschland lebe, im übrigen aber seine Frau liebe. Damit war das Thema erstmal von höchster Stelle geklärt, Heinemann liebte weiterhin seine Gattin, die Deutschen ihr Auto, den Mallorca-Urlaub, ihre Bosch-Waschmaschine oder besorgten es sich in der Liebe zu Deutschland heimlich bei der NPD oder mit schmutzigen Landser-Heftchen.

Damit hätte man es eigentlich bewenden lassen können, aber natürlich kam es anders. Berlin im Januar 2003, die Streetfashion-Modemesse Bread&Butter lädt das clubbewusste Modepublikum zur Bread&Butter Offshow in das ehemalige Zentrum der Macht. Im DDR-Staatsratsgebäude lässt man sich auf drei Ebenen nicht lumpen: Vor der Kulisse des spießig-schicken DDR-Interieurs samt sakral anmutenden Fenstermosaiken des Sozialistischen Realismus zeigen junge Designer, wie schick Altkleidersammlungen, Vintage-Jeans, 80er-Accessoirs mit und ohne Camouflage sein können. Alles lobenswert unangestrengt und unterhaltsam, wäre da nicht dieser seltsame Modestand gewesen. Ein Label schmückte tatsächlich ganz staatstragend eine Ecke des Foyers in Schwarz-Rot-Gold, Hammer und Zirkel hätten die Sache sicherlich noch abgerundet und als lustigen DDR-Nostalgie-Schabernack erscheinen lassen. Doch weit gefehlt, der Stand der Kölner Modedesignerin Eva Gronbach stellte wirklich eine schwarz-rot-goldene Kollektion namens ”Mutter Erde Vater Land” aus. Ein PR-Gag, Schuluniform für den Junge Union-Ortsverband Paderborn oder scharfer Nazitrash?

Cool Germania?

Hätte es sich bei den in Katalogen angepriesenen (und durchaus schicken) Klamotten in den spannenden Modefarben Schwarz-Rot-Gold ausschließlich um einen nervigen PR-Gag gehandelt (nach dem Motto ”ich provoziere jetzt mal mit meiner nationalen Deutschland-Mode”), hätte man sich beruhigt gelangweilt abwenden und auf Punks mit Hakenkreuzen auf Hippie-Provo-Tour und den Mussolini-Tanz von DAF verweisen können. Das ist allerdings schon richtig lange her, und heute lockt man mit einer in Mode geschneiderten ”Liebe zu Deutschland” nicht mal mehr interessierte Nazis aus dem Jugendclub (die stehen sowieso eher auf Reichskriegsflaggen-Hosenträger und ihre Best of C&A-Kollektion).

Eva Gronbach, die ihr Schneiderhandwerk bereits für Yamamoto und Galliano unter Beweis gestellt hat, will mit ihrer unverlangten ”Liebeserklärung an Deutschland” auch gar keine politische Mode unters Volk jubeln, sondern versteht ihre Schwarz-Rot-Gold-Kollektionen als ”bekennende Mode”. Häh? Ich bekenne, ich bin ein Deutscher? Auf Mitleid braucht hier nicht spekuliert zu werden, denn blöd genug, wer tatsächlich aus der lausigen Zufälligkeit einer rechtsrheinischen Geburtsstadt und dem Besitz dieser grünen Plastikkarte einen solchen zu bekennenden Popanz aufpustet. Deutsch ist, wer sich zwanghaft, ungefragt und willentlich zum nationalen Kollektiv dieses historischen Rohrkrepierers Deutschland bekennen muss. Die Opferdeutschen nerven ja nicht nur mit ihren Stalingrad-Opas auf allen Kanälen (ja, so böse war der Russe, hallo Guido Knopp), sondern vor allem mit ihrer nationalen Identifikations-Phantomschmerzen-Nummer. Wer mit seinem Pass den Status eines nicht abzuschiebenden Rechtssubjekts erheischen konnte, sollte die Welt nicht auch noch mit neurotisch-nationaler Sinnsuche belasten.

Im Übrigen geht es völlig in Ordnung, Politik als Fundus zum modischen Distinktionsgewinn zu verstehen, mag man doch seine Che Guevara-Hemdchen, roten und schwarzen Sterne genauso tragen wie seinen schwarz-rot-goldenen Pulli. Wäre Deutschland nur ein Zeichen wie andere, wäre Schwarz-Rot-Gold lediglich der Distinktionsgewinn für uncoole Modeopfer. Mit einem solchen harmlosen Designerstreich will man es hier offenbar nicht bewenden lassen. Gronbachs Mode will genau da bekennen, wo nur national Gesinnte nach einem Bekenntnis fragen. Solange Mode politisch, sprich gesellschaftlich, getragen wird, als soziales Distinktionsvehikel sämtlicher Identitätspolitiken funktioniert, bleibt Schwarz–Rot-Gold nun mal der Ausweis der Deutschland-Spießer-Fraktion. Für alle anderen gilt weiterhin: Deutschland ist höchstenfalls scheißegal, zieht euch lieber was Besseres an.

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Elektronische Lebensaspekte.